Ex-Leichtathletikboss Diack wird wegen Korruption angeklagt

Er war eine der mächtigsten Sportfunktionäre der Welt. Jetzt findet sich der ehemalige Chef des Leichtathletik-Weltverbandes, Lamine Diack, vor Gericht wieder. Die französische Justiz klagt ihn wegen Korruption an.

Ex-Verbandsboss Diack: Auf Kaution zunächst wieder freigelassen
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Ex-Verbandsboss Diack: Auf Kaution zunächst wieder freigelassen


Lamine Diack, ehemaliger Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, ist von den französischen Justizbehören in Paris wegen Korruption angeklagt worden. Dies berichteten die französische Nachrichtenagentur AFP und weitere französische Medien unter Berufung auf Gerichtskreise.

Dem 82-jährigen Senegalesen wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Diack soll während seiner Amtszeit Dopingfälle vertuscht haben. Diacks Anwalt Habib Cisse wurde ebenfalls angeklagt, zudem wurde ein inhaftierter IAAF-Mediziner zu den Vorgängen befragt. Diack und Habib wurden zunächst festgenommen und dann auf Kaution freigelassen.

Die Anklage gegen Diack soll das Ergebnis der Untersuchungen der im Januar 2015 installierten unabhängigen Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sein. Das Gremium war nach den Enthüllungen in der ARD und der "Sunday Times" über ein staatliches Dopingsystem in Russland eingerichtet worden. Dies war ein Novum in der Wada-Geschichte. Als Vorsitzender der Kommission fungiert der ehemalige Wada-Chef Richard Pound.

Diack hatte die Führung auf dem IAAF-Kongress im August in Peking nach 16 Jahren an den Briten Sebastian Coe abgegeben. Der Afrikaner war in seiner Amtszeit schon seit längerem umstritten. Er führte den Verband nach Gutsherrenart, schaffte undurchsichtige Strukturen und saß jede Kritik, jede Krise selbstgefällig aus.

Unter Diacks Ägide gab der Weltverband am Ende wegen Dopingskandalen, Korruptionsvorwürfen und ominösen WM-Vergaben ein wenig erfreuliches Bild ab. Diack hatte das Amt 1999 vom Italiener Primo Nebiolo übernommen.

Im August 2015 war die IAAF erneut in die Negativschlagzeilen geraten. Laut Medienberichten habe der Verband die Veröffentlichung einer vor der WM 2011 durchgeführten anonymen Athletenbefragung aktiv blockiert. In der Studie hatten knapp ein Drittel der Teilnehmer angegeben, in den zwölf Monaten vor der WM in Daegu gedopt zu haben.

aha/sid



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blockhead65 04.11.2015
1. wieso wird der arme Mann bloss vor Gericht gestellt
er ist doch schliesslich Sportfunktionär. Da gehört Korruption zum Berufsbild.
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