Skandal um Radstar: Wollte Armstrong für Anti-Doping-Agentur spenden?

Neue Enthüllung im Fall Armstrong: Laut Usada-Chef Travis Tygart soll der ehemalige Radstar der Anti-Doping-Agentur eine Spende in Höhe von 250.000 Dollar angeboten haben. Die Behörde, die den Dopingsünder zu Fall brachte, lehnte ab. Armstrong dementiert den Bericht.

Ex-Radprofi Armstrong (Archiv): "Nicht gezögert, das Angebot abzulehnen" Zur Großansicht
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Ex-Radprofi Armstrong (Archiv): "Nicht gezögert, das Angebot abzulehnen"

Hamburg - Die Schlagzeilen um Lance Armstrong reißen nicht ab. Der 41-jährige ehemalige Radstar soll versucht haben, rund 250.000 Dollar an die amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada zu spenden. Das geht aus einem Bericht der TV-Sendung "60 Minutes Sport" des US-amerikanischen Senders CBS hervor.

Darin betont Usada-Chef Travis Tygart, dass ein Vertreter Armstrongs seiner Agentur im Jahr 2004 die Summe angeboten habe. "Ich war perplex. Für die Usada war das ein klarer Interessenkonflikt. Wir haben nicht gezögert, das Angebot abzulehnen", sagte Tygart.

Armstrongs Anwalt Tim Herman bestreitet das Spendenangebot. "Die Geschichte ist nicht wahr. Lance hat heute das erste Mal davon gehört. Er hat niemals solch einen Vorschlag gemacht", sagte er der "USA Today".

Die Usada hatte Armstrong jahrelangen Dopingmissbrauch sowie den Vertrieb illegaler Substanzen nachweisen können und den Texaner durch ihre Ermittlungen zu Fall gebracht. Armstrong verlor daraufhin seine sieben Tour-de-France-Titel und wurde auf Lebenszeit gesperrt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Armstrong mit einer ominösen Zahlung in Verbindung gebracht wird. Seine früheren Teamkollegen Tyler Hamilton und Floyd Landis, zwei Kronzeugen in den Usada-Ermittlungen gegen Armstrong, hatten ausgesagt, Armstrong habe eine positive Dopingprobe bei der Tour de Suisse 2001 durch eine Zahlung an den Weltverband UCI zu vertuschen versucht. Deren Präsident Pat McQuaid hatte eine Armstrong-Überweisung aus dem Jahr 2002 in Höhe von 100.000 Dollar eingeräumt, allerdings sei dies eine Spende und kein Schweigegeld gewesen.

Am Donnerstag wiederholte Usada-Chef Tygart erneut, dass Armstrong ehemalige Teamkollegen eingeschüchtert habe, nachdem diese vor Gericht gegen ihn ausgesagt hatten. Er selbst habe während der Untersuchungen anonyme Morddrohungen erhalten.

Armstrong hatte am vergangenen Samstag bereits für Aufregung gesorgt, als die "New York Times" von einem möglichen Doping-Geständnis des US-Amerikaners berichtete. Am 17. Januar wird Armstrong nun bei der US-Talkerin Oprah Winfrey zu Gast sein. In der Ankündigung von Winfreys Kabelkanal OWN hieß es am Dienstag (Ortszeit), der Ex-Radstar werde sich in seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner lebenslangen Sperre wegen Dopings zu dem Thema äußern.

chp/dpa/sid

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1. Doping und kein Ende
hubertrudnick1 09.01.2013
Zitat von sysopNeue Enthüllung im Fall Armstrong: Laut Usada-Chef Travis Tygart soll der ehemalige Radstar der Anti-Dopingagentur eine Spende in Höhe von 250.000 Dollar angeboten haben. Die Behörde, die den Doping-Sünder zu Fall brachte, lehnte ab. Armstrong dementiert den Bericht. Lance Armstrong bot Anti-Dopingagentur angeblich 250.000 Dollar an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/lance-armstrong-bot-anti-dopingagentur-angeblich-250-000-dollar-an-a-876480.html)
Doping und kein Ende, für mich haben all diese Sportveranstaltungen an wert verloren, Doping ist doch fast überall schon zur tragenden Einheit geworden, der Betrug ist durchorganisiert. Sport ja, aber keine Schowveranstaltungen wo es um Sieger und viel Geld geht. Ob es beim Radsport um Amstron oder andere geht, ich interssiere mich für dies Betrugsveranstaltungen nicht mehr. HR
2. Hmm
Stelzi 09.01.2013
Soll man einem überführten Lügner glauben das er nicht versucht hat Organisationen zu bestechen, die ihm gefährlich werden könnten? Schwierig, schwierig...
3.
deeco85 09.01.2013
Klar ist Doping die falsche Art zu gewinnen aber ich vermute mal, dass mindestens 90% der Radsportler gedopt sind,wahrscheinlich sogar mehr, nur kann man es längst nicht bei allen nachweisen. jetzt immer wieder auf Armstrong einzuhacken, ist ziemlich heuchlerisch!
4. Schwer....
Fritze_1955 09.01.2013
Der hat soviel Dreck am Stecken, dass er eigentlich schon nicht mehr gehen könnte...
5. ...
beusch_eat_world 09.01.2013
Zitat von hubertrudnick1Doping und kein Ende, für mich haben all diese Sportveranstaltungen an wert verloren, Doping ist doch fast überall schon zur tragenden Einheit geworden, der Betrug ist durchorganisiert. Sport ja, aber keine Schowveranstaltungen wo es um Sieger und viel Geld geht. Ob es beim Radsport um Amstron oder andere geht, ich interssiere mich für dies Betrugsveranstaltungen nicht mehr. HR
Und es ist Ihr gutes Recht, das so zu sehen! Ich denke auch, dass viele Leute das genau so sehen und sich abwenden. Ich hingegen bin froh, dass ich über den Radsport der 90er Jahre (auch wenn er mit Doping verseucht war) einen Sport und ein Hobby gefunden habe, das ich für mein Leben gern ausübe. Mein erstes Rennrad habe ich mir 1996 schenken lassen und die Fußballschuhe im Gegenzug an den Nagel gehangen. Ich fühle mich von den Sportlern nicht betrogen! Ich stand 1997 mit meinem Vater in Alpe d'Huez an der Strecke und wären die Fahrer mit einem niedrigeren Schnitt an uns vorbeigefahren, die Stimmung, die Leidenschaft, die Eindrücke und die Emotionen wären nicht weniger gewesen. Auch im nachhinein bereue ich keine Sekunde der vielen Stunden, die ich während der darauffolgenden Touren und Klassikern am Fernseher mitgefierbert habe. Packend waren die Duelle immer - auch mit Doping. Wenn ich huetzutage im Mai oder Juli etwas Zeit habe, schaue ich nach wie vor gern Radrennen im Fernsehen und fahre im Sommerurlaub in die Alpen zum Fahren und Zuschauen. Der Radsport ist ein besonderer Sport und wird es für mich immer bleiben. Doping hin oder her. Ich fühle mich nicht betrogen!
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Armstrong-Gegner Tygart: Der Armstrong-Jäger
Kampf gegen Doping
Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.
Welt-Anti-Doping-Programm
Der Welt-Anti-Doping-Codex löste 2004 den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen im selben Jahr auch für die Olympischen Spiele. Das Programm besteht aus drei Ebenen: 1. Welt-Anti-Doping-Code (WADC), 2. Vier Internationale Standards, 3. Erarbeitungen von Empfehlungen für die bestmögliche praktische Umsetzung durch Anti-Doping-Organisationen und Verbände.
Welt-Anti-Doping-Code (WADC)
Der Welt-Anti-Doping-Code wurde erstmalig im Jahre 2003 verabschiedet und ist das Basisdokument des Welt-Anti-Doping-Programms. 2004 traten das Programm und der Codex in Kraft. Der überarbeitete Welt-Anti-Doping-Code ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Er vereinheitlicht Regeln und Verfahren, die bisher von Land zu Land und von Sportart zu Sportart verschieden waren und regelt die Verantwortlichkeiten der einzelnen Interessengruppen. Der Code stellt keine Definition des Dopings mehr auf, sondern bezeichnet Doping als einen Verstoß gegen nachfolgende Bestimmungen: Nachweis oder Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode, Verweigerung einer Dopingkontrolle und Verletzung der Informationspflicht über den Aufenthaltsort sowie Verfälschung einer Dopingkontrolle und Besitz oder Handel von Substanzen durch einen Athleten oder sein Umfeld.
Internationale Standards
Sie ergänzen die Anforderungen des Codes durch nähere Beschreibungen und sollen dazu beitragen, national übergreifend einheitliche Formen für die Anti-Doping-Arbeit zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die Dopingliste, die Dopingkontrolle Dopinglabors und Ausnahmebewilligungen für Medikamente.
Verbotene Substanzen
Die Dopingliste gilt weltweit und wird durch eine spezielle Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erstellt. Sie wird jedes Jahr erneuert und tritt jeweils am 1. Januar in Kraft. Auf der Liste werden nur Wirkstoffe und Methoden veröffentlicht, die mindestens zwei von drei Kriterien entsprechen: Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat der Wirkstoff oder die Methode das Potential zur Leistungssteigerung im Sport. Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen besitzt der Wirkstoff oder die Methode ein aktuelles oder potentielles Gesundheitsrisiko. Gemäß Wada verstößt die Anwendung des Wirkstoffs oder der Methode gegen die Ethik im Sport. Zu den verbotenen Substanzklassen, die teilweise ganz oder nur im Wettkampf verboten sind, gehören: 1. Alkohol, 2. Anabolika , 3. Antiöstrogene , 4. Beta-2-Agonisten , 5. Betablocker , 6. Cannabinoide (Cannabis, Haschisch, Marihuana) , 7. Glucocorticoide , 8. Hormone , 9. Maskierende Substanzen und Diuretika , 10. Narkotika , 11. Stimulanzien . Für Alkohol und Betablocker gibt es in einigen Sportarten Ausnahmen, sie werden nicht von allen internationalen Sportverbänden verboten.
Verbotene Methoden
Seit dem 1. Januar 2003 werden die verbotenen Dopingmethoden genauer beschrieben und in drei Kategorien unterteilt: 1. Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff ( Blutdoping ), 2. chemische und physikalische Manipulation, 3. Gendoping . Die Anwendung verbotener Methoden ist innnerhalb als auch außerhalb des Wettkampfs verboten.
Kontrollregularien

Für Athletinnen und Athleten bestehen je nach Leistungsniveau unterschiedliche Bestimmungen zu der obligatorischen Meldepflicht. Die Ein-Stunden-Regelung verpflichtet bestimmte Athleten für jeden Tag eine Stunde zu benennen, in der sie für eine mögliche Dopingkontrolle zur Verfügung stehen. Die genaue Stunde muss jeweils am Ende eines Quartals für die nächsten drei Monate im Voraus benannt werden, darf aber innerhalb von 24 Stunden verändert und aktualisiert werden. Wird der Athlet in dieser Stunde vom Kontrolleur nicht am benannten Ort angetroffen, wird ein sogenannter Strike für das Kontrollversäumnis ausgesprochen. Wenn ein Sportler innerhalb von 18 Monaten drei Verwarnungen kassiert hat, muss er mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren rechnen. Strikes von verschiedenen Organisationen ( Wada , Nada sowie zuständigem internationalem Verband) werden addiert.

Die Ein-Stunden-Regelung wird durch die Angabe von Aufenthaltsdaten zum Ende eines Quartals für jeden Tag der darauffolgenden drei Monate ergänzt. Wird ein Athlet bei einer Stichprobe nicht am angegebenen Ort angetroffen, kann ebenfalls ein Strike erteilt werden. Mannschaftssportler aus gering gefährdeten Sportarten werden in Mannschafts-Whereabouts getestet. Dafür melden die Vereine der Nada die Trainingspläne der Mannschaft.

Aufgrund des seit Beginn 2009 gültigen neuen Nada-Codes werden Athleten je nach Risikobewertung der Agentur für Doping in drei unterschiedliche Testpools eingeordnet und unterliegen verschiedenen Meldepflichten: Im International Registered Testing Pool (RTP) sind rund 1400 Athleten zusammengefasst, zu denen A-Kader und A-Nationalteams der Sportarten der Gefährdungsstufe I gehören. Sie müssen nicht nur bis zum 25. des Vormonats Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit für ein Quartal machen, sondern auch die Ein-Stunden-Regelung beachten. Im Nationalen Testpool (NTP) für Kader-Athleten der Gefährdungsstufe II und III gilt diese Regel nicht. Alle anderen Athleten werden im Allgemeinen Testpool (ATP) zusammengefasst.