Hamburg - Tyler Hamilton feierte als Radrennfahrer große Erfolge, dann wurde er des Dopings überführt und gesperrt. Seinen Olympiasieg von 2004 hat der US-Amerikaner verloren, der Ruhm war weg. Doch jetzt steht Hamilton wieder in der Öffentlichkeit - dank seines ehemaligen Teamkapitäns Lance Armstrong.
Zum einen soll Hamilton einer von zehn Zeugen gewesen sein, auf die sich die US-Anti-Doping-Agentur in ihrer Anklage gegen Armstrong stützte, zum anderen ist der 41-Jährige unter die Schriftsteller gegangen. "The Secret Race", das geheime Rennen, heißt sein am Mittwoch erscheinendes Buch, Hamilton erneuert darin seine Doping-Anschuldigungen gegen Armstrong und schildert den ungleichen Kampf gegen die Dopingjäger: "Wir hatten immer Vorsprung vor den Verfolgern. Die hatten ihre Ärzte, wir unsere. Unsere waren besser, vor allem besser bezahlt."
Doping sei "im Denken von Lance ein Bestandteil des Lebens, wie Sauerstoff oder die Schwerkraft" gewesen, schrieb er. Armstrong sei ein "Pionier des Dopings" gewesen. Für die Tour de France 1999 habe das US-Postal-Team Armstrongs Gärtner als Doping-Helfer angeheuert, so Hamilton. "Motoman", so der Spitzname des Mannes, der auf einem Motorrad dem Fahrerfeld folgte, habe stets eine Thermosflasche mit Epo-Einheiten, die im Team unter dem Spitznamen "Edgar Allen Poe" geläufig waren, sowie ein Prepaid-Handy bei sich gehabt. "Immer wenn wir 'Edgar' brauchten, sagten wir Bescheid, und er fuhr vor und deponierte etwas für uns", schreibt Hamilton.
Die "New York Daily News" hatte vor kurzem einen Vorabdruck des Hamilton-Buchs veröffentlicht, dort schrieb der Armstrong-Helfer über Blutdoping: "Du schluckst eine Pille oder klebst dir ein Pflaster oder bekommst eine kleine Injektion - das ist doch nichts. Aber wenn du einen großen, durchsichtigen Plastikbeutel vor dir siehst, wie er sich langsam mit deinem warmen, roten Blut füllt - das vergisst du niemals."
Hamilton hatte bereits im Mai 2011 schwere Vorwürfe gegen Armstrong erhoben. "Ich sah Epo in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat", hatte er dem TV-Sender CBS gesagt. Im Rahmen seines Doping-Geständnisses sagte Hamilton umfassend gegen Armstrong aus und bezichtigte den jetzt 40-Jährigen des Dopings. Von 1999 bis 2001 war Hamilton an den ersten drei von sieben Toursiegen des Texaners beteiligt.
Armstrong hatte Hamilton schon früher gedroht
Noch im vorigen Jahr habe Armstrong gedroht, ihm das Leben zur Hölle zu machen, falls er im Zuge der Ermittlungen gegen ihn aussagen würde. "Wenn du im Zeugenstand bist, werden wir dich in Stücke reißen", zitierte Hamilton seinen früheren Teamkollegen Armstrong. Dieser soll ihn bei einem zufälligen Treffen in einem Restaurant in Aspen im US-Bundesstaat Colorado gewarnt haben: "Dann wirst du wie ein dämlicher Idiot dastehen."
Hamilton war im April 2009 nach dem dritten Dopingvergehen für acht Jahre gesperrt worden und hatte danach seine Karriere beendet. Das IOC hatte ihm seinen Olympiasieg von 2004 nachträglich aberkannt. Die Goldmedaille wurde dem Russen Wjatscheslaw Jekimow zugesprochen, hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 10. August während der Olympischen Spiele in London mitgeteilt.
luk/dpa
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