TV-Auftritt: "Sunday Times" stellt Oprah Fragenkatalog für Armstrong

Mehr als ein Jahrzehnt hat die britische Zeitung "Sunday Times" von Dopingvorwürfen gegen Lance Armstrong berichtet. Vor dessen Auftritt bei Oprah Winfrey veröffentlichte das Blatt nun zehn Fragen, die die Talk-Queen dem gefallenen Radsport-Superstar stellen solle.

Ex-Radrennfahrer Armstrong: "Direkt, ehrlich und aufrichtig antworten" Zur Großansicht
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Ex-Radrennfahrer Armstrong: "Direkt, ehrlich und aufrichtig antworten"

Hamburg - Kurz vor Lance Armstrongs Auftritt in der Talkshow von Oprah Winfrey am kommenden Donnerstag (3 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat die britische Zeitung "Sunday Times" einen offenen Brief an die Talk-Queen geschrieben. Dieser beinhaltet zehn Fragen des Sportchefs des Blattes, David Walsh, an den früheren Radrennfahrer. Der Brief wurde als Anzeige in der US-amerikanischen Zeitung "Chicago Tribune" veröffentlicht, in Chicago wird Winfreys Sendung produziert.

Walsh hatte 2004 zusammen mit dem Franzosen Pierre Ballester das Buch "LA Confidential - Die Geheimnisse des Lance Armstrong" veröffentlicht, in dem der damalige Rad-Superstar des Dopings bezichtigt wurde. Laut eigener Aussage habe Walsh 13 Jahre lang Dopingvorwürfe gegen Armstrong untersucht.

Auf seinem Twitter-Profil berichtete er zudem von Gesprächen mit der Produzentin der "Oprah Winfrey Show". Demnach sei er gefragt worden, welche Fragen er stellen würde. Zudem hätten die Produzenten auch mit Kathy LeMond, der Frau des Ex-Rennfahrer Greg LeMond, und mit Betsy Andreu, der Frau des früheren Armstrong-Teamkollegen Frankie Andreu, gesprochen.

Der Radsport-Korrespondent der "Sunday Times", Lionel Birnie, stellte ein Bild des offenen Briefs bei Twitter ein. Hier die zehn Fragen, die die "Sunday Times" Armstrong stellen würde:

  • Haben Sie den Ärzten im Krankenhaus Indiana University Hospital am 27. Oktober 1996 gesagt, dass sie Epo, Wachstumshormone, Cortison, Steroide und Testosteron zu sich genommen haben? (In der Klinik wurde Armstrong wegen seiner Hodenkrebserkrankung behandelt, Anm. d. Red)
  • Wie haben Sie die Einnahme von verbotenen Substanzen nach Ihrer Rückkehr von der Krebserkrankung gerechtfertigt?
  • Hatten Sie zumindest ein wenig Mitleid mit Gegnern, die entschlossen waren, sauber zu fahren?
  • Bereuen Sie, wie Sie Betsy Andreu, ihre frühere Masseurin Emma O'Reilly und Greg LeMond behandelt haben? (Andreu und O'Reilly hatten Armstrong frühzeitig des Dopings beschuldigt, sie waren nach eigener Aussage daraufhin genauso wie LeMond und dessen Frau von Armstrong-Vertrauten bedroht worden.)
  • Geben Sie zu, dass Ihr Freund Dr. Michele Ferrari das Doping Ihres Teams komplett unterstützt hat? (Ferrari ist ein italienischer Arzt, der bereits wegen verschiedener Verstöße gegen Antidoping-Richtlinien verurteilt worden ist. 2006 hatte ihn der italienische Radsportverband mit einer lebenslangen Sperre belegt. Er bestreitet, Armstrong beim Doping unterstützt zu haben.)
  • Haben Sie vor, die Preisgelder zurückzuzahlen, die Sie zwischen September 1998 und Juli 2010 kassiert haben?
  • Haben Sie die "Sunday Times" verklagt, um uns ruhigzustellen?
  • Führte Ihr Versagen, Floyd Landis zu verstehen, zu Ihrem Untergang? (Auf Landis' Aussage stützte sich das Verfahren gegen Armstrong.)
  • Stimmen Sie zu, dass das Belügen der Krebsgemeinde der größte Betrug von allen war?
  • Warum haben Sie Oprah Winfrey für Ihr erstes Interview als gesperrter Athlet ausgewählt?

Walsh schrieb zudem ein Postskriptum: "Die 'Sunday Times' bemüht sich um rund 1,5 Millionen Dollar, die er (Armstrong, Anm. d. Red.) durch Betrug bekam. Er nutzte Großbritanniens drakonische Gesetzte gegen Verleumdung gegen uns."

2006 hatte die "Sunday Times" Armstrong wegen Walshs Buch nach einem Vergleich rund 370.000 Euro zahlen müssen, die Zeitung fordert nun die damals getätigten Zahlungen inklusive Zinsen sowie die Anwaltskosten zurück.

Das Gespräch zwischen Winfrey und Armstrong wird am Montag (Ortszeit) aufgezeichnet und am Donnerstag ausgestrahlt. "USA Today" und "New York Times" hatten berichtet, dass der gefallene Radstar dort das erste Doping-Geständnis seines Lebens ablegen wolle.

Der 41-Jährige kündigte der Nachrichtenagentur AP in einer Textmitteilung an: "Ich habe Winfrey gesagt, sie kann so weit gehen, wie sie möchte, und ich werde direkt, ehrlich und aufrichtig antworten."

Armstrong war nach einem umfangreichen Enthüllungsbericht der Usada vom Radsportweltverband UCI im Oktober lebenslang gesperrt worden. US-Fahnder hatten ihm aufgrund von Zeugenaussagen ehemaliger Teamkollegen, E-Mails, Geldzahlungen und Laboranalysen jahrelanges systematisches Doping nachgewiesen, seine sieben Tour-de-France-Siege wurden Armstrong aberkannt.

max

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Genial
brandtner 13.01.2013
Einfach Wahnsinn. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Betrüger doch noch öffentlich entlarvt wird. Danke an die hartnäckigen Ermittler! Es bleibt zu hoffen, dass andere Verbände und Sachverständige diesem leuchtendem Beispiel folgen und den ganzen Dopingsumpf mittelfristig trockenlegen können. Gerade hier in Deutschland ist da einiges an Aufholarbeit zu leisten.
2. Achmed1
achmed1 13.01.2013
Die Fragen sind alle längst beantwortet. Was erwarten denn die Leute vor der Werbeglotze nun von dem schlimmsten Lügner ? Jemand der 10 Jahre kriminell lügt, nun mit schadenersatzklagen konfrontiert ist und selbst vom Staatsanwalt hören wird, soll nun locker talken und sagen, war alles nur ein Scherz? Die spinnen, die Yankees.
3.
Wolffpack 13.01.2013
Zitat von brandtnerEinfach Wahnsinn. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Betrüger doch noch öffentlich entlarvt wird. Danke an die hartnäckigen Ermittler! Es bleibt zu hoffen, dass andere Verbände und Sachverständige diesem leuchtendem Beispiel folgen und den ganzen Dopingsumpf mittelfristig trockenlegen können. Gerade hier in Deutschland ist da einiges an Aufholarbeit zu leisten.
Das Ding ist, das fast alle Dopen. Die haben ja auch alle ihr Asthma-Spray ;) Es wäre sinnvoller, das Dopen zu legalisieren und zu regulieren.
4. ich kann es nicht mehr hören oder lesen
lollopa1 13.01.2013
lasst den doofen Armstrong doch mal raus aus dem Blatt, dann wird sich in 3 Tagen niemand mehr für den Lügenbold interessieren
5.
fussball11 13.01.2013
Zitat von achmed1Jemand der 10 Jahre kriminell lügt, nun mit schadenersatzklagen konfrontiert ist und selbst vom Staatsanwalt hören wird, soll nun locker talken und sagen, war alles nur ein Scherz? .
Politiker lügen doch auch und das nicht erst seit 10 Jahren. Ich wüsste nicht das sich einer deshalb jemals vor Gericht verantworten musste, oder gar Geld zurückzahlen musste. Im Gegenteil, die größten Lügner bekommen auch noch Ehrensold. Was ich aber nicht verstehe ist der Zusammenhang zwischen Doping als Regelwerk des Sports und einer Krebserkrankung, bzw die Auswirkung auf seine Krebsstiftung. EPO ist nun mal oft Bestandteil einer Krebstherapie, das Medikament ist kein Teufelszeug, sondern medizinisch wirksam aber sportlich unfair. Ich halte es für viel gefährlicher das hier ständig Sport, Medizin und Gesetzte miteinander verknüpft werden , ohne das ein Zusammenhang besteht. Mir ist auch nicht bekannt das Armstrong seit seiner Krebstherapie, bei der garantiert auch EPO verwendet wurde, wieder erkrankt ist. Das Zeigt auf das eigentliche Problem, Doping ist vor allem gefährlich wenn es nicht ärztlich überwacht wird. Was für ein Glück für den deutschen Profifußball.....
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Die Karriere von Lance Armstrong: Absturz eines Helden
Die Sieger der Tour de France
Jahr Sieger Land
2013 Chris Froome Großbritannien
2012 Bradley Wiggins Großbritannien
2011 Cadel Evans Australien
2010 Andy Schleck Luxemburg
2009 Alberto Contador Spanien
2008 Carlos Sastre Spanien
2007 Alberto Contador Spanien
2006 Óscar Pereiro Spanien
2005 Lance Armstrong* USA
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2002 Lance Armstrong* USA
2001 Lance Armstrong* USA
2000 Lance Armstrong * USA
*Aberkannt