Doping-Vorwürfe Armstrong fordert Benennung der Zeugen

Gegenangriff von Lance Armstrong: Der Ex-Radprofi wehrt sich gegen die neusten Vorwürfe der US-Anti-Doping-Agentur. Sein Anwalt kritisiert die Ermittlungsmethoden und will die Namen der anonymen Zeugen. Bei einer Verurteilung droht Armstrong die Aberkennung seiner sieben Tour-Triumphe.

Ehemaliger Radprofi Armstrong: "Ich denke, es sind einige Fragen zu beantworten"
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Ehemaliger Radprofi Armstrong: "Ich denke, es sind einige Fragen zu beantworten"


Hamburg - Der siebenmalige Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong erwägt rechtliche Schritte gegen die US-Anti-Doping-Agentur (Usada). Nach der neusten Anklage kritisiert der 40-Jährige die Ermittlungsmethoden und will Transparenz in dem Verfahren.

In einem Schreiben an die Anti-Doping-Agentur fordert Armstrongs Anwalt die klare Benennung der Zeugen, die den ehemaligen Radprofi mit ihren Aussagen in Bedrängnis gebracht haben. "Wir können die Rechte von Herrn Armstrong nicht schützen, wenn wir nicht wissen, wer was gesagt hat und welche vermeintlichen Ereignisse über die Dauer von eineinhalb Jahrzehnten vorgefallen sind", teilte sein Anwalt mit.

Die Usada verweigert die Veröffentlichung von Zeugennamen zu diesem Zeitpunkt, um diese vor dem Versuch der Einflussnahme zu schützen. Armstrong meint, die Vorgehensweise, den Zeugen selbst Immunität bei gestandenem Dopingmissbrauch zu garantieren, zeige ihm gegenüber eine Vorverurteilung. "Ich wäge alle meine Optionen ab, das beschränkt sich nicht nur auf die Usada. Ich denke, es sind einige Fragen zu beantworten", sagte Armstrong.

"Die Usada verliert ihre Fälle fast nie"

Die Usada hatte Armstrong des Dopings angeklagt und sich auf Zeugenaussagen berufen, denen Anonymität und Immunität versprochen wurde. Es handelt sich um mehr als zehn namentlich nicht genannte Fahrer und Teamangestellte. Das geht aus einem Schreiben an Armstrong und fünf enge Vertraute, darunter Johan Bruyneel, sein Teamchef bei allen Tour-Erfolgen hervor.

Armstrong wurde umgehend für alle Wettkämpfe gesperrt - auch für die Triathlon-Rennen, an denen er seit dem Ende seiner Radsport-Laufbahn teilnimmt. Bei einer Verurteilung droht dem Amerikaner neben einer lebenslangen Sperre auch die Aberkennung seiner sieben Tour-Triumphe.

US-Medien bewerten die Dopinganklage als bislang "ernsthafteste Bedrohung" für Armstrong. "Die Usada verliert ihre Fälle fast nie", schrieb die Tageszeitung "Washington Post". "Das ist der richtige Ort, um herauszufinden, ob eine der größten Ikonen des US-Sports in Wahrheit ein Betrüger ist", schrieb "USA Today".

Ins Zwielicht gerät auch der Radsportweltverband UCI: Laut der Usada soll eine Urinprobe aus der Tour de Suisse 2001 Armstrong des Epo-Dopings überführt habe. Usada-Mitarbeiter hätten dazu Martial Saugy befragt, den Direktor des Anti-Doping-Labors in Lausanne. Nicht nur Saugy habe von der positiven Probe gesprochen - laut der Zeugen auch Armstrong selbst. Das Testergebnis sei aber vertuscht worden.

joe/sid/dpa



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Seite 1
PublicTender 15.06.2012
1.
Zitat von sysopAFPGegenangriff von Lance Armstrong: Der Ex-Radprofi wehrt sich gegen die neusten Vorwürfe der US-Anti-Doping-Agentur. Sein Anwalt kritisiert die Ermittlungsmethoden und will die Namen der anonymen Zeugen. Bei einer Verurteilung droht Armstrong die Aberkennung seiner sieben Tour-Triumphe. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,839089,00.html
Das die Top-Fahrer alle geladen sind/waren ist ja kein Geheimnis. Armstrong unterscheidet sich lediglich durch die professionelle Art in der er Doping betrieben hat und es vertuschen konnte. Wenn der nicht permanent mit seinen Anwälten drohen würde hätten sie den schon lange kassiert. Dass die UCI da massiv Dreck am Stecken hat ist auch kein Geheimnis, das sind Verbrecher wie sie im Buche stehen.
TLR9 15.06.2012
2.
Zitat von sysopAFPGegenangriff von Lance Armstrong: Der Ex-Radprofi wehrt sich gegen die neusten Vorwürfe der US-Anti-Doping-Agentur. Sein Anwalt kritisiert die Ermittlungsmethoden und will die Namen der anonymen Zeugen. Bei einer Verurteilung droht Armstrong die Aberkennung seiner sieben Tour-Triumphe. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,839089,00.html
Die Aufmachung mit der Aberkennung seiner sieben Tour-Triumphe finde ich übertrieben. Solange es keine Beweise gibt, steht immer noch Aussage gegen Aussage. Und eine Urinprobe von 2001 berechtigt mit Sicherheit nicht zur Aberkennung der Toursiege von 1999 und 2000. Jan Ullrich bleibt schließlich auch Toursieger von 1997, obwohl man mittlerweile der Meinung sein kann, dass im Team Telekom systematisches Doping die Regel war. Und irgendwann wird es auch sportjuristisch verjährt sein.
breisig 15.06.2012
3.
Zitat von sysopAFPGegenangriff von Lance Armstrong: Der Ex-Radprofi wehrt sich gegen die neusten Vorwürfe der US-Anti-Doping-Agentur. Sein Anwalt kritisiert die Ermittlungsmethoden und will die Namen der anonymen Zeugen. Bei einer Verurteilung droht Armstrong die Aberkennung seiner sieben Tour-Triumphe. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,839089,00.html
ja wie, er war ungedopt gar nicht über viele jahre besser als seine gedopte konkurrenz?! kaum zu glauben..
n.holgerson 15.06.2012
4. Das sehe ich ganz anders
Zitat von TLR9Die Aufmachung mit der Aberkennung seiner sieben Tour-Triumphe finde ich übertrieben. Solange es keine Beweise gibt, steht immer noch Aussage gegen Aussage. Und eine Urinprobe von 2001 berechtigt mit Sicherheit nicht zur Aberkennung der Toursiege von 1999 und 2000. Jan Ullrich bleibt schließlich auch Toursieger von 1997, obwohl man mittlerweile der Meinung sein kann, dass im Team Telekom systematisches Doping die Regel war. Und irgendwann wird es auch sportjuristisch verjährt sein.
Also, erstens heißt es nirgends, dass alleine diese eine Urinprobe für die Aberkennung der Grund ist. Es ist anscheinend nur eine Beweis (ein in Bezug auf die Anzahl). Und was wollen Sie eigentlich mit der These "Solange es keine Beweise gibt, steht immer noch Aussage gegen Aussage" ausdrücken? Selbstredend kann eine oder mehrere Aussagen, trotz Widerspruch des Beschuldigten, zu einer Verurteilung ausreichen. Und zwar in jedem Rechtsstaat der Welt! Warum also nicht auch in der Sportgerichtsbarkeit? Es kommt ja in diesem Fall auf die Glaubwürdigkeit der Personen an und für diese Bewertung gibt es ja die Richter. Auch Ihre Aussage wegen der Verjährung scheint im krassen Gegensatz zu der Realität zu stehen. Weil warum sollte man z.B. im Artikel von der Aberkennung schreiben, wenn Verjährung eingetreten ist? Auch ist es ja gerade in diesen Fällen eben "gerecht" wenn es nicht verjährt. Strafrechtlich bzw. Zivilrechtlich wird man ja i.d.R. nichts mehr machen können. Warum soll man Ihn dann seinen sportlichen Erfolg lassen? Wenn er gedopt hat, dann gehört er auch aus den Listen gestrichen. PS: Der Fall Jan Ullrich liegt doch ganz anders. Wie Sie richtig schreiben, gibt es eine "Meinung". Meinungen sind aber irrelevant. Niemand wird wegen einer Meinung gesperrt bzw. Titel aberkannt. Armstrong soll ja nicht wegen einer "Meinung" bestraft werden, sondern weil die Ankläger glauben, in einem Verfahren in Doping nachweisen zu können. Das ist ein gehöriger Unterschied.
n.holgerson 15.06.2012
5. Machen Sie ihn nicht größer als er ist.
Zitat von PublicTenderDas die Top-Fahrer alle geladen sind/waren ist ja kein Geheimnis. Armstrong unterscheidet sich lediglich durch die professionelle Art in der er Doping betrieben hat und es vertuschen konnte. Wenn der nicht permanent mit seinen Anwälten drohen würde hätten sie den schon lange kassiert. Dass die UCI da massiv Dreck am Stecken hat ist auch kein Geheimnis, das sind Verbrecher wie sie im Buche stehen.
Ihr Geheimnis ist nichts mehr als eine Vermutung. Ich wäre mit Beschuldigungen sehr vorsichtig. Weiterhin sollte Ihnen klar sein, wenn Sie z.B. der UCI vorwerfen Sie seinen Verbrecher, dass Sie sich persönlich auf sehr dünnes Eis begeben. Diese Aussage kann Ihrerseits schon eine strafrechtliche Handlung sein. Also, ich wäre an Ihrer Stelle mal ein wenig vorsichtiger. Nur zur Klarstellung, wir sind inhaltlich wahrscheinlich gar nicht so weit voneinander entfernt. Nur als "Doping Gegner" sollten Sie sich angewöhnen sich ein wenig "intelligenter" auszudrücken. Ihre Grundaussage können Sie auch tätigen, ohne dass Sie sich persönlich so angreifbar machen. Und auch zu Armstrong und der "Professionalität mit der er sich von anderen unterscheidet" sehe ich auch ein wenig anders. Ich kann dies auch ganz einfach erklären. Fiktion das Fahrerfeld war zum großen Teil gedopt. Dann zählen Sie mal die tatsächlichen positiven Fälle. Wie gesagt, selbstredend gab es im Radsport viele und auch spektakuläre. Aber wenn man unterstellt, viele seien gedopt, dann sind eben doch die Mehrheit nicht entdeckt worden. Also, war Armstrong nichts besonderes.
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