Achilles' Verse: Ran an den Run

Mann oder Maus? Wer wirklich Abenteuer erleben will, sollte bei einem Lauf-Wettbewerb starten. Es muss ja nicht gleich Marathon sein. Im letzten Teil des digitalen Lauf-Camps erklärt Achim Achilles die Faszination Wettrennen - und verrät, was man schon bei der Schuhwahl falsch machen kann.

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Corbis

Jogger in Köln: "Hurra, Leben"

Das Wettlaufen ist in der DNA des Menschen fest verankert. Schon Steinzeitmenschen mussten schnell genug sein, wenn sie sich hungrigen Tieren gegenübersahen. Die Langsamen endeten hingegen als Tierfutter. Heute wird man nicht sofort zur Mahlzeit, dennoch: Auch beim Marathon will niemand Letzter sein.

Kleine Nostalgiestunde: Wie unglaublich befreiend waren die Momente, als wir Kinder einfach nur rannten, immer schneller, immer weiter. Laufen ist anstrengend, ja, aber eben auch das Erfühlen einer Freiheit.

Eines Tages kommt für jeden Anfänger dieser wundervolle Moment, wenn Anstrengung, Schmerz und Keuchen nicht mehr so wichtig sind, wenn der Kopf vielmehr mit Überraschung registriert, dass eigentlich gar nichts wirklich wehtut, sondern alles rund läuft. Prima, die nächste Stufe ist erreicht, das selbstverständliche Laufen. Die Wetzerei ist Bestandteil des Lebens geworden, all die Plackerei, die Experimente, Rückschläge und Entbehrungen haben sich gelohnt.

Wer alles probiert und vieles absolviert hat, wer sich tatsächlich regelmäßig in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett geschält, Partys abgesagt, gar die Ernährung umgestellt hat, für wen Ackerschachtelhalm ein Begriff ist und wer sich beim Kalorienzählen in der Kantine ertappt, der ist bereit für die letzte große Prüfung der Menschheit - den Wettlauf. Mittlerweile findet an nahezu jedem Tag des Jahres irgendwo in Deutschland eine Laufveranstaltung statt, bei der sich Hobbyläufer messen.

Fünf Kilometer sollten fürs erste Mal genügen. Natürlich will man sich beim ersten großen öffentlichen Auftritt nicht blamieren. Deswegen auf gar keinen Fall nagelneue Schuhe anziehen. Im besten Fall enttarnt man den Träger als Anfänger. Im schlimmsten Fall läuft er sich gewaltige Blasen, bricht das Rennen vorzeitig ab und muss Familie, Freunden und Kollegen die abgedroschenste aller Läufer-Ausreden präsentieren: "Die Schuhe waren schuld." So weit soll es nicht kommen. Bitte auch nicht im Überschwang bei Dutzenden Marathons anmelden.

Bloß nicht an der Startlinie positionieren

Wenn der große Moment gekommen ist, der Athlet mit Adrenalin vollgepumpt und voller Tatendrang an der Startlinie steht und die gespannten Blicke der Zuschauer nur auf ihn gerichtet sind, dann pulst das Blut im Hirn wie seit Hochzeit, Geburt der Kinder oder letzter Kündigung nicht mehr. "Hurra, Leben", denkt der Läufer.

Bitte nicht den klassischen Anfängerfehler begehen und sich ganz vorn an der Startlinie positionieren. Sicher, die Fotografen machen schöne Bilder, man hat eine wunderbar freie Sicht auf die Strecke - aber nebenan stehen nur die Schnellsten. Und die prügeln beim Startschuss los, als gäbe es kein Morgen. Man kann das Tempo zwar mitgehen, aber leider nur 15 Meter. Dann wird man von Dutzenden Ellenbogen nach hinten befördert. Lieber hinten wie ein Hering im Schwarm mitschwimmen, zur Not auch mal ein paar Meter gehen oder im Dixi-Klo ausruhen.

Wer es schließlich bis ins Ziel schafft, hat dieses einzigartige Gefühl, etwas Besonderes geleistet zu haben. Trotz des Muskelkaters strafft sich der Körper die nächsten Tage, das Bewusstsein, ein Athlet zu sein, verändert das ganze Leben. Zumal der Blick in die Ergebnisliste bestätigt, dass es tatsächlich noch langsamere Menschen gibt.

Vier Wochen digitales Lauf-Camp reichen zwar nicht für ein neues Leben aus, sind aber schon mal ein Anfang. Den Rest muss jeder selbst hinkriegen. Und dabei gilt immer und für jeden: Geschenkt gibt's nichts - Qualität kommt von Qual. Viel Spaß dabei.

Täglich Tipps, Tricks und Trainingspläne auf www.achim-achilles.de, www.facebook.com/achimachilles oder im eBook "Einfach loslaufen".

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Gut, dann aber auch die ganze Wahrheit
lizard_of_oz 27.03.2012
Zitat von sysopCorbisMann oder Maus? Wer wirklich Abenteuer erleben will, sollte bei einem Lauf-Wettbewerb starten. Es muss ja nicht gleich Marathon sein. Im letzten Teil des digitalen Lauf-Camps erklärt Achim Achilles die Faszination Wettrennen - und verrät, was man schon bei der Schuhwahl falsch machen kann. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,823687,00.html
Nämlich dass diese Flitzer, trotz all der Schwitzerei und sportlichen Betätigung, mehr Stinken als wie ein Normalbürger der kein Sportfanatiker ist. Das kann klar in Olf gemessen werden ist doch erstaunlich, von wegen Dreck und Gestank ausschwitzen, der echte Jogger zieht eine Müffelfahne hinter sich her. Und ich habs schon ein zwei Mal riechen müssen, da nicht aufgepasst. Seitdem halte ich stets rechtzeitig die Luft an, wenn sich da so ein schnaufendes und dampfendes Stück Technikverweigerer eiligen Fußes nähert. Mein Gott, der zivilisierte Mensch von heute fährt Fahrrad. Abgesehen davon finde ich Frauen mit solchen Rennquadratfüßen (klar kriegt man vom vielen Rennen große Flossen), deren Schenkel von Muskeln und Sehnen zerfurcht und sonnenverbrannt sind einfach nur abstoßend, dass die auch noch streng riechen rundet das ekelerregende Bild nach unten ab. Na ja, manche rennen sich in einen Rausch (übrigens imho einer der Hauptgründe fürs Flitzen), ich denke mich da lieber hinein.
2. Riechkolben
l:ola_69 27.03.2012
Zitat von lizard_of_ozNämlich dass diese Flitzer, trotz all der Schwitzerei und sportlichen Betätigung, mehr Stinken als wie ein Normalbürger der kein Sportfanatiker ist. Das kann klar in Olf gemessen werden ist doch erstaunlich, von wegen Dreck und Gestank ausschwitzen, der echte Jogger zieht eine Müffelfahne hinter sich her. Und ich habs schon ein zwei Mal riechen müssen, da nicht aufgepasst. Seitdem halte ich stets rechtzeitig die Luft an, wenn sich da so ein schnaufendes und dampfendes Stück Technikverweigerer eiligen Fußes nähert. Mein Gott, der zivilisierte Mensch von heute fährt Fahrrad. Abgesehen davon finde ich Frauen mit solchen Rennquadratfüßen (klar kriegt man vom vielen Rennen große Flossen), deren Schenkel von Muskeln und Sehnen zerfurcht und sonnenverbrannt sind einfach nur abstoßend, dass die auch noch streng riechen rundet das ekelerregende Bild nach unten ab. Na ja, manche rennen sich in einen Rausch (übrigens imho einer der Hauptgründe fürs Flitzen), ich denke mich da lieber hinein.
Ha-ha-ha, ich lach mich schlapp... der Beitrag ist echt sehr amüsant ;-) Als ich letzte WO vom Laufen kam und meinen Partner darum bat, mich bei meinen Dehnübungen zu unterstützen, stellte er ebenfalls fest, dass ich unangenehm riechen würde :-( ...aber er trug's mit Fassung und nach dem Duschen hatte er die unangenehme Situation auch schon wieder vergessen. Hm, für eine Frau habe ich schon große Füße: 42 - bei manchen Lauftretern sogar 43+; diese Quadratlatschen besitze ich jedoch schon immer (ok, seit der Pubertät ca.)! Darauf, dass meine Schenkel von Muskeln und Sehnen zerfurcht sind, warte ich schon seit Jahren; zugegeben, es wackelt nicht mehr so sehr, aber die stählerne Härte stellt sich bei mir wohl nie so richtig ein :-) ...und ich flitze echt viel. Was soll's - ich mag mich und kann mich gut riechen... nur diese zivilisierten Fahrradfahrer können manchmal ganz schön nervig sein, wenn sie die komplette Breite der Wege für sich allein in Anspruch nehmen! Schlussendlich plädiere ich für mehr Toleranz unter den sich nicht motorisiert Fortbewegenden: Wenn wir uns gegenseitig akzeptieren und verständnisvoll miteinander umgehen, dann können wir uns doch auch gut riechen =)
3. Stinkt es?
ddriver 27.03.2012
Zitat von lizard_of_ozNämlich dass diese Flitzer, trotz all der Schwitzerei und sportlichen Betätigung, mehr Stinken als wie ein Normalbürger der kein Sportfanatiker ist. Das kann klar in Olf gemessen werden ist doch erstaunlich, von wegen Dreck und Gestank ausschwitzen, der echte Jogger zieht eine Müffelfahne hinter sich her. Und ich habs schon ein zwei Mal riechen müssen, da nicht aufgepasst. Seitdem halte ich stets rechtzeitig die Luft an, wenn sich da so ein schnaufendes und dampfendes Stück Technikverweigerer eiligen Fußes nähert. Mein Gott, der zivilisierte Mensch von heute fährt Fahrrad. Abgesehen davon finde ich Frauen mit solchen Rennquadratfüßen (klar kriegt man vom vielen Rennen große Flossen), deren Schenkel von Muskeln und Sehnen zerfurcht und sonnenverbrannt sind einfach nur abstoßend, dass die auch noch streng riechen rundet das ekelerregende Bild nach unten ab. Na ja, manche rennen sich in einen Rausch (übrigens imho einer der Hauptgründe fürs Flitzen), ich denke mich da lieber hinein.
Nun ja, die olfaktorischen Folgen von Sonnenenstrahlung und Temperaturanstieg auf adipositasbedingte Körperfalten (ganz tolles "Klugscheißerdeutsch"!) kann man ja bei der aktuellen Wetterlage auch wieder sehr gut erriechen. Es sei denn, der "Sportmuffel" ist total "verolft" [Neusprachlich für: extrem faulenzen, gar nichts tun und sich sozial abkapseln]. Genug gestänkert! Richtig ist: Ein Starterfeld eines "Volkslaufs" riecht an manchen Stellen so unangenehm, dass ich schon häufiger die Position wechseln musste. Meine Beobachtung dabei: Je (potentiell) schneller die Starter, desto weniger Olf!
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Freundschaft mit Achim
berlin-bits.de
Deutschlands Kultläufer ist jetzt auch in einer der größten Web-Communitys unterwegs: Besuch Achim auf Facebook , werde sein Fan und verpass nie mehr seine Kolumnen oder Lesungen. Auf Twitter kannst du außerdem live erleben, was Achim sonst so treibt: schwitzen oder Training schwänzen?
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Seit einigen Jahren schreibt er seine Kolumnen, jetzt geht Kultläufer Achim Achilles online - mit seiner Web-Seite www.Achim-Achilles.de. Das Portal bietet den Millionen Läufern hierzulande Infos, Tipps und Spaß - für Einsteiger wie Laufprofis. Die lebendige Läufer-Community tauscht letzte Weisheiten aus, ein halbes Dutzend Experten berät kostenlos. Immer nach dem Motto des Bestseller-Autors Achilles: "Laufen, leiden, lachen, leben".

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Wo stehe ich? Das ist die zentrale Frage, die jeden Läufer beschäftigt. Egal ob beim Marathon oder im Fünf-Kilometer-Rennen – jeder will sich vergleichen, mit dem Chef, dem besten Kumpel oder der Ehefrau. Die Achilles-Läufer-Liste sammelt alle Wettkampfzeiten eines Kalenderjahres in einer Rangliste und kürt zum Jahresende die Deutschen Meister in den Kategorien Marathon, Halbmarathon, zehn und fünf Kilometer. Jeder kann bei der Achilles-Läufer-Liste mitmachen, und zwar unter www.achilles-laeufer-liste.de