NBA-Star LeBron James König gegen Präsident

Selten war der amerikanische Sport politischer. Ob Football oder Basketball: Athleten protestieren gegen US-Präsident Donald Trump. Allen voran der größte Superstar - NBA-Legende LeBron James.

NBA-Profi LeBron James
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NBA-Profi LeBron James

Von , New York


Der König ist gnädig gestimmt. "Ich habe tolle Laune heute", verkündet LeBron James, nimmt das Mikrofron aus dem Ständer, schiebt ihn weg und blickt herausfordernd in die Runde. "Es gibt keine Frage, die ihr mir stellen könnt, die ich nicht beantworten kann."

James hockt auf einer Bühne im Trainingszentrum seines Basketballteams, der Cleveland Cavaliers. Er trägt sein legendäres Trikot mit der Nummer 23 und hat seine tätowierten 2,03 Meter in einen Klappstuhl gefaltet. Die Reporter rufen, sie wollen so viel wissen.

Vor allem über Donald Trump.

Der "Media Day" ist Tradition im US-Sport, auch beim Basketball: Vor Saisonbeginn - die NBA startet an diesem Dienstag - öffnen sich die Spieler der Presse, geben Interviews, lassen sich fotografieren. Man redet über Strategien und Chancen, Verletzungen und darüber, wer wohin gewechselt hat und warum.

Und, in James' Fall, über seine Fehde mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Wobei das ja nicht nur James' Fehde ist. Es ist eine Fehde, die Trump aus politischem Kalkül angezettelt hat - zuerst gegen die Football-Liga NFL, aber auch gegen alle Sportler, die sich der Kniefall-Aktion des Quarterbacks Colin Kaepernick angeschlossen haben, um gegen Rassismus zu protestieren. Trump hat das zur Schändung von "Hymne, Flagge und Nation" umgedeutet.

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Sport-Stars gegen Trump: "Unser Präsident ist ein Arschloch!"

Selten waren Sport und Politik so eng verknüpft. LeBron James, der größte Sportler von allen, ist jedoch einer der wenigen, der sagt, was er will, wann er will und wie er es will - egal, welche Fans, Chefs oder Sponsoren er vergrätzt.

Neulich hat er Trump also "Penner" genannt.

"Das Weiße Haus zu besuchen war eine große Ehre, bis du aufgetaucht bist", twitterte er, als Trump eine - niemals existierende - Einladung an die Golden State Warriors "zurückzog", weil deren Star Steph Curry Trumps Verharmlosung rechtsextremer Gewalt kritisiert hatte.

Ob James das bereue, wollen die Journalisten jetzt wissen. Dumme Frage.

"Penner", wiederholt James. "Er kapiert nicht, welche Macht er hat als Anführer dieses tollen Landes. Er kapiert nicht, wie viele Kinder, egal welcher Rasse, zum Präsidenten aufschauen. Das macht mich krank, mehr als sonst was." Nächste Frage.

Was James nicht sagt, doch jeder spürt: Dieses Macht- und Moralvakuum füllt nun er selbst aus. Trumps Kleinkrieg gegen alle, die seinem Ego nicht huldigen, hat James plötzlich in die wohl wichtigste Rolle seines Lebens katapultiert - eine, die eigentlich ein Präsident erfüllen müsste.

Er ist ein Vorbild für die Kids, vor allem wenn sie in Armut und Chaos aufwachsen wie er einst auch. Er ist furchtlos, doch nicht rachsüchtig, erfolgreich, doch nicht arrogant, selbstsicher, doch nicht selbstsüchtig. Er ist ein "leader", dessen Worten Taten folgen. Er ist der Anti-Trump.

"Es geht mir um all diese Kinder"

Seine ganze Karriere hat ihn darauf vorbereitet. Der Cavaliers-Kapitän, mit 32 längst ein NBA-Senior, ist eine Kategorie für sich: bester, bestbezahlter, bekanntester Basketballer der Welt, Unternehmer, Produzent, Schauspieler, Model, Wohltäter, Multimillionär, Superstar. King James.

Auch weil seine Triumphe stets in eine kuriose Mischung aus Eigen- und Gemeinnutz münden. Schon 2010 machte James den Hype um seinen Wechsel nach Miami zu einer TV-Seifenoper, die viele Fans so verärgerte, dass sie ihre Trikots verbrannten - und die doch sechs Millionen Dollar für wohltätige Zwecke sammelte.

"Es geht mir um all diese Kinder", sagte er, als er vier Jahre später - gegen den erklärten Wunsch seiner Familie - nach Cleveland zurückkehrte. "Um all diese Leute, die Inspiration brauchen und einen Ausweg."

Sein eigener Ausweg war Basketball, der ihn von einer schweren Jugend in die Stratosphäre der Superreichen beförderte, mit Luxusvillen und siebenstelligen Sponsorenverträgen, doch ohne die übliche Protzerei. Denn immer schon sprach sich James für die aus, die weniger hatten, vor allem keine Stimme. Nichts demonstrierte das besser als die Aufschrift auf dem T-Shirt, in dem er sich bereits 2014 zeigte: "I can't breathe", stand darauf - ein Protestslogan, der an Eric Garner erinnerte, einen Schwarzen, der im Juli jenes Jahres im Würgegriff eine New Yorker Polizisten erstickt war.

Sport als moralische Instanz. James kann es sich leisten. Andere müssen um ihre Karriere fürchten, etwa Kaepernick, der nun bei der NFL Beschwerde einlegte, weil er seit März ohne Team ist. Trotzdem sind Sportler - neben den plötzlich so politischen Late-Night-Comedians - "unsere beste Hoffnung" gegen Trump, wie Basketball-Ikone Kareem Abdul-Jabbar in einem Essay für den "Hollywood Reporter" schrieb.

"That guy", sagt James, ohne Trump auch nur einmal beim Namen zu nennen. Er redet sich in Rage. "Das Volk regiert dieses Land und nicht eine Person und verdammt noch mal nicht er. Ich werde meine Stimme, meine Leidenschaft und mein Geld nutzen, damit die Kids wissen, dass es Hoffnung gibt."

Noch Fragen? LeBron James legt das Mikrofon nieder, steht auf und geht. Der König hat gesprochen.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Fassung dieses Textes hieß es, James habe vor Kurzem ein T-Shirt mit dem Aufdruck "We march - y'all mad. We sit down - y'all mad. We speak up - y'all mad. We die - y'all silent" getragen. Tatsächlich stand jedoch der Protestslogan "I can't breathe" auf dem T-Shirt, das James bereits 2014 getragen hatte. Lesen Sie hier mehr zum Hintergrund des digitalen Schwindels.



insgesamt 6 Beiträge
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stefangr 17.10.2017
1. Phänomenal
Dieser König gehört gekrönt, er hat gezeigt, dass man nie vergessen sollte, woher man kommt. Er hat zu Recht keinen Respekt vor Trump und seine Rassisten. Chapeau! Echt, genial und phänomenal. Er zeigt, dass es einen Weg aus dem Elend gibt.
dumovic 17.10.2017
2. Lebron in sympathisch
Recht hat er, der Herr James. Leisten kann er sich das auch, so unanfechtbar er ist.. Und ich finde es großartig, dass er, der Dirk Nowitzki Amerikas sozusagen, die Chuzpe hat, seinen Präsidenten einen Penner zu nennen. Damit hat er meine Sympathie gewonnen, die ich ihm als Basketballer nicht so richtig schenken konnte. Wenn wir vor 10 Jahren noch dachten, dass es so schnell keinen wie G.W. Bush mehr auf dem Posten geben wird, keinen Dummkopf mehr im weißen Haus, so muss man nun erkennen, dass Trump alles bisher da gewesene in den Schatten stellt. So, wie dieser Mensch sich äußert und verhält, wäre seine Unterbringung in der Psychiatrie das beste für Amerika und die Menschheit. Trump ist unglaublich!
Turbo 17.10.2017
3. Ein bisschen differenzieren
In dem Artikel wird so getan, als ob LBJ immer schon „der King“ war, zu dem Teile Amerikas aufschauen und er der Fels in der Brandung ist, beim Thema Rassismus. Das ist so aber nicht richtig. Als Sportler war Lebron trotz seines Talents den Großteil seiner Karriere umstritten, auch bei den Schwarzen. Zum einen wegen seinen Selbst-Inszenierungs–Tendenzen und (vermeintlich) mangelnden Führungsschwäche, zum anderen der Tatsache, dass er die ersten Titel nur mit Superstars holte. Dies änderte sich schlagartig mit der letzten Meisterschaft für Cleveland, die fast alle Kritiker verstummen ließ. Dass er nun in der Öffentlichkeit deutlich mehr Ansehen und Glaubwürdigkeit hat, ermöglicht ihm, in eine neue Rolle hereinzuwachsen: als akzeptierter Gegenpart zu Trump und Hoffnungsträger für Millionen. Früher hätte ihm dafür schlicht die Credibilty gefehlt. Num entsteht gewissermaßen gerade eine neue Rolle für ihn und es bleibt spannend zu beobachten, wie er sie weiter ausfüllen wird.
hyperlord 17.10.2017
4. Billig
Einerseits ist es ja schön, wenn sich Menschen wie Herr James engagieren, aber wo war denn deren Engagement, als Friedensfürst Obama mit seinen Drohnenmorden den Staatsterrorismus salonfähig gemacht hat? Gegen Trump zu protestieren ist einfach, da man damit schon eher den Mainstream bedient, insbesondere in der Medienwelt. Jemanden dafür abzufeiern, der genau gar keine Konsequenzen zu befürchten hat für seine Kritik und sich noch dazu das einfachste Opfer aussucht, ist doch reichlich übertrieben. Davon mal abgesehen zeichnet der Artikel ein überzogen positives Bild von Lebron James. Sein Wechsel zu Miami war blanker Opportunismus - die TV-Inszenierung war nur die Kirsche obendrauf, aber die Leute hätten die Trikots auch verbrannt ohne TV-Show. Und wo ist überhaupt der konstruktive Teil der Äußerungen von James - oder gab es die gar nicht? Reicht es jetzt schon, Trump als Penner zu bezeichnen, um als Vorreiter der Demokratie gefeiert zu werden?
mazzeltov 17.10.2017
5. Gemeinsamkeiten?
Zitat von hyperlordEinerseits ist es ja schön, wenn sich Menschen wie Herr James engagieren, aber wo war denn deren Engagement, als Friedensfürst Obama mit seinen Drohnenmorden den Staatsterrorismus salonfähig gemacht hat? Gegen Trump zu protestieren ist einfach, da man damit schon eher den Mainstream bedient, insbesondere in der Medienwelt. Jemanden dafür abzufeiern, der genau gar keine Konsequenzen zu befürchten hat für seine Kritik und sich noch dazu das einfachste Opfer aussucht, ist doch reichlich übertrieben. Davon mal abgesehen zeichnet der Artikel ein überzogen positives Bild von Lebron James. Sein Wechsel zu Miami war blanker Opportunismus - die TV-Inszenierung war nur die Kirsche obendrauf, aber die Leute hätten die Trikots auch verbrannt ohne TV-Show. Und wo ist überhaupt der konstruktive Teil der Äußerungen von James - oder gab es die gar nicht? Reicht es jetzt schon, Trump als Penner zu bezeichnen, um als Vorreiter der Demokratie gefeiert zu werden?
LeBron James engagiert sich in seinem Land und für seine Leute, ja. Er hat sich (wenigstens hier) schlichtweg gar nicht zur internationalen Politik oder zu Fragen der Menschenrechte außerhalb der USA geäußert. Wer will, kann das für egoistisch, ja meinetwegen sogar für rassistisch (weil ja für die Rechte von Schwarzen) halten. Ich nehme an, wenn man das tut, legt man selbstredend gleiche Maßstäbe an sich selbst an, und verzichte deshalb großzügig auf die Frage, was denn Sie gegen den Staatsterrorismus getan haben... Möglicherweise ist die Erklärung für das von Ihnen empfundene moralische Defizit aber auch ganz simpel: Die anwesenden Journalisten haben LeBron James zu Trump (und vielleicht noch ein bißchen zum Sport) befragt und nicht zum Einsatz von Drohnen unter Obamas Präsidentschaft. Ich würde das sogar, bei näherer Betracht, für eine einigermaßen plausible Theorie halten... Aber Schwamm drüber. Natürlich kann man, wenn man will, bei LeBron James - wie wahrscheinlich bei den meisten Menschen - moralische Schwächen entdecken; ich selbst muss gestehen: Wenn einer so viel gelobhudelt wird, macht mich das vorsichtig... Eines ist dabei aber nicht zu übersehen: LeBron James versteht es, den Leuten das Gefühl zu geben, ein Vorbild zu sein. Er stellt sich hin und verkündet: Leute, ich bin einer von euch, ich bin für euch da! Und einige - beispielsweise relativ offensichtlich der Autor des Artikels - glauben ihm das. Trump hingegen, ihr Präsident, sagt es ihnen erst gar nicht. Zu Obama allerdings - um auf Ihren Kommentar zurückzukommen - hat er einiges zu sagen. Trump, meine ich. Scheint, Sie haben was gemeinsam...
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