Leichtathletik-WM Krauses Titelträume platzen in Chaos-Rennen

In einem kuriosen 3000-Meter-Hindernis-Finale ist Gesa Krause um ihre Medaillenhoffnungen gebracht worden. Vor dem Finaltag brachten sich zwei deutsche Zehnkämpfer in eine gute Ausgangsposition.

Gesa Krause (r.) im Finale über 3000 Meter Hindernis
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Gesa Krause (r.) im Finale über 3000 Meter Hindernis


Europameisterin Gesa Krause hat die erhoffte Medaille bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften verpasst. Die 25-Jährige kam nach einem chaotischen 3000-Meter-Hindernis-Rennen in London als Neunte ins Ziel. Nach dem Sturz einer Konkurrentin und diversen Rempeleien war sie schon in der ersten Rennhälfte zurückgefallen. Nach 9:23,87 Minuten erreichte Krause dann das Ziel. Bei der WM vor zwei Jahren in Peking hatte sie mit Bronze überrascht.

"Ich habe einen Schlag auf den Kopf bekommen und dachte erst ans Aufhören. Ich war den ersten Kilometer benommen", sagte Krause nach dem Rennen in der ARD: "Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Ich habe ein Jahr dafür trainiert. Ich bin stolz auf mich, dass ich durchgelaufen bin. Ich habe mich vorne gesehen, wo jetzt die beiden Amerikanerinnen gelandet sind. Das ist bitter, wenn man nicht eingreifen kann."

Gold gewann überraschend die US-Amerikanerin Emma Coburn in 9:02,58 Minuten vor ihrer Teamkollegin Courtney Frerichs (9:03,77). Bronze holte die Titelverteidigerin und Olympia-Zweite Hyvin Kiyeng Jepkemoi aus Kenia.

Deutscher Weitspringerin fehlen zwei Zentimeter zum Finale

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Ebenso vom Pech verfolgt war Claudia Salman-Rath im Weitsprung-Finale. Die Frankfurterin, die im Siebenkampf beim Silber-Triumph von Klubkollegin Carolin Schäfer Achte geworden war, verpasste als Zehnte mit 6,54 Meter den Einzug in den Endkampf um zwei Zentimeter. Besonders bitter: Sie verschenkte in ihrem letzten Durchgang beim Absprung 8,7 Zentimeter."Das tut schon ein bisschen weh, ich hätte so gerne sechs Versuche gemacht. Ich habe den Siebenkampf schon gespürt", sagte Salman-Rath. Gold sicherte sich mit 7,02 Meter zum vierten Mal nach 2009, 2011 und 2013 Brittney Reese aus den USA vor Darya Klischina (7,00), die unter neutraler Flagge startende Russin.

Deutsche Zehnkämpfer schielen auf Silber

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Der Traum von der Medaille lebt, nur Gold scheint vergeben: Rico Freimuth und Kai Kazmirek haben im Zehnkampf nach dem ersten Tag Silber im Blick. Nur der Olympiazweite und Top-Favorit Kevin Mayer (4478 Punkte/Frankreich) hat zur Halbzeit mehr Punkte gesammelt als Freimuth, der 2015 in Peking Bronze gewann, und Kazmirek, der mit 4421 Zählern als Zweiter übernachtet. Direkt dahinter folgt Freimuth auf Rang drei (4361). "Ich liege ganz gut auf Kurs. Morgen muss ich meinen starken zweiten Tag ausspielen, ich fühle mich bereit für den nächsten Schritt in meiner Karriere", sagte Freimuth in der ARD.

Pole Fajdek krönt seine Aufholjagd mit dem WM-Titel

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Hammerwerfer Pawel Fajdek hat sein WM-Triple perfekt gemacht. Der Pole setzte sich im Londoner Olympiastadion mit einer Weite von 79,81 Metern durch und gewann sein drittes Gold in Serie. Silber sicherte sich als neutraler Athlet Waleri Pronkin aus Russland (78,16), Dritter wurde Wojciech Nowicki (78,03). Fajdek, der im Vorjahr bei den Olympischen Spielen als Top-Favorit bereits in der Qualifikation gescheitert war, hatte auch in London mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen und lag nach dem zweiten Versuch nur auf Platz sieben.

lst/dpa/sid



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Seite 1
C-Hochwald 12.08.2017
1. Lauftaktik
Weltklasse bedeutet nicht nur das Vorhandensein eines läuferischen Potentials, sondern auch das Vermögen einer Renntaktik. Diese war nicht ersichtlich! Als Kandidatin für die forderten Plätze würde eine erfahrende Läuferin oder ein erfahrender Läufer spätestens nach dem "Umweg" der Kenianerin am Wasergraben sich taktisch klug im forderten Drittel platzieren. Die Rempeleien finden erfahrungsgemäß weiter hinten statt. Daher hält sich mein Mitleid mit Krause in engen Grenzen. Wenn ich mit ihrer Form und den hohen Ambitionen ins Rennen gehe, verhalte ich mich offensiver als heute und umgehe die Scharmützel in den hinteren Rängen. Meine Meinung mag hart klingen, aber Weltklasse erreicht niemand im Kuschelkurs. Wer etwas erreichen will, braucht mehr als nur Sponsoren und Begleitung des Freundes zum Lauftraining ins Ausland, sondern die konsequente Zielorientierung auch im nicht Wettkampf. Das habe ich heute vermisst; nicht zum ersten Mal bei einem Deutschen Athleten bei internationalen Meisterschaften.l
lupenreinerdemokrat 12.08.2017
2.
Offenbar war die kenianische Läuferin Beatrice Chepkoech geistig verwirrt, nachdem sie bereits kurz zuvor am Wassergraben vorbei lief und umkehren musste, um nicht disqualifiziert zu werden. Jedenfalls war es großes Pech für Gesa Krause, denn eine Platzierung ganz vorne wäre ihr sicher gewesen. Wie der Mitforist schon schrieb: vielleicht nächstes mal von Anfang an weiter vorne einordnen und somit die Wahrscheinlichkeit etwas verringern, in Stürze und Gedrängel verwickelt zu werden. Aber zumindest hatten die Teilnehmerinnen der 3000m Hindernislauf das Glück, dass keine Männer mitliefen, was man bei den Damen der 800m ja nicht sagen kann, die gegen die 3 mitlaufenden "Männer" schlicht und ergreifend nicht die geringste Chance haben. Wenn Semenya, Wambui und Niyonsaba "ernst" machen würden, wäre der Vorsprung zum Damenfeld wohl mehr als 20m an der Ziellinie, aber es ist ziemlich deutlich zu erkennen, dass die 3 sich vornehm zurückhalten, um die Diskussionen nicht noch mehr anzufachen....
fördeanwohner 12.08.2017
3. -
Zitat von C-HochwaldWeltklasse bedeutet nicht nur das Vorhandensein eines läuferischen Potentials, sondern auch das Vermögen einer Renntaktik. Diese war nicht ersichtlich! Als Kandidatin für die forderten Plätze würde eine erfahrende Läuferin oder ein erfahrender Läufer spätestens nach dem "Umweg" der Kenianerin am Wasergraben sich taktisch klug im forderten Drittel platzieren. Die Rempeleien finden erfahrungsgemäß weiter hinten statt. Daher hält sich mein Mitleid mit Krause in engen Grenzen. Wenn ich mit ihrer Form und den hohen Ambitionen ins Rennen gehe, verhalte ich mich offensiver als heute und umgehe die Scharmützel in den hinteren Rängen. Meine Meinung mag hart klingen, aber Weltklasse erreicht niemand im Kuschelkurs. Wer etwas erreichen will, braucht mehr als nur Sponsoren und Begleitung des Freundes zum Lauftraining ins Ausland, sondern die konsequente Zielorientierung auch im nicht Wettkampf. Das habe ich heute vermisst; nicht zum ersten Mal bei einem Deutschen Athleten bei internationalen Meisterschaften.l
Ja, klingt aber nicht nur zu hart, sondern ist es auch. Der "Umweg" und der Sturz der Kenianerin lagen zeitlich viel zu nah beieinander, als dass man da bereits die Taktik hätte verändern können. Zum anderen passieren solche Dinge auch anderen Weltklasseathleten. Dass Gesa Krause eine richtig Gute ist, konnte man an ihrer Aufholjagd und ihrem Statement nach dem Lauf erkennen. Ich finde es beeindruckend, wenn eine junge Frau nicht rumjammert und womöglich anderen die Schuld gibt, sondern unter für sie schwierigsten Umständen weitermacht und dann anerkennt, dass Sport eben auch so sein kann. Das ist professionell und zeichnet einen Sportler ebenfalls aus.
steingärtner 12.08.2017
4. Meinen Respekt
Für ihre Tapferkeit und ihren gezeigten Charakter zolle ich Frau Krause meinen Respekt.
Champagnerschorle 12.08.2017
5. vertan
Es zieht sich schon ein wenig wie ein roter Faden durch die Ergebnisse. Die deutschen Sportler/-innen landen nicht auf den Rängen, die ihren Möglichkeiten entsprächen. Andere Nationen hingegen scheinen in der Lage zu sein, bei Großveranstaltungen nochmals ein Plus an Leistung abzurufen. Ich spreche hier nicht das Thema Doping an, sondern den Bereich Leidenschaft und leiden. Bei diesem Rennen kommt nun noch hinzu, daß die Renntaktik von Gesa Krause sehr unglücklich gewählt war.
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