Leichtathletik-Skandal Britischer Verband stellt radikalen Reformplan vor

Es ist ein Vorstoß, um Doping und Korruption in der Leichtathletik Herr zu werden: Der britische Verband plädiert in einem Maßnahmenkatalog für härtere Strafen - und will sämtliche Weltrekorde streichen lassen.


Der britische Leichtathletikverband (UKA) hat ein "Manifest für saubere Leichtathletik" veröffentlicht und sich unter anderem auch für eine Zurücksetzung aller Weltrekorde ausgesprochen. "Die Integrität der Leichtathletik wurde noch nie so infrage gestellt wie im Jahr 2015. Die sauberen Athleten und Sportfans wurden noch nie so enttäuscht. Das Vertrauen ist auf dem niedrigsten Punkt seit Jahrzehnten", sagte der UKA-Vorsitzende Ed Warner.

Der Maßnahmenkatalog ist eine Reaktion auf den Doping- und Korruptionsskandal, der die Leichtathletik-Welt erschüttert. Zuletzt waren in der vergangenen Woche teilweise lebenslange Sperren gegen hochrangige Funktionäre ausgesprochen worden. Ihnen war unter anderem vorgeworfen worden, gegen Bezahlung positive Dopingproben vertuscht zu haben.

In dem 14-Punkte-Plan schlug UKA unter anderem auch vor, ein öffentliches Register aller Dopingtests zu schaffen, nur Athleten mit gültigem Blutpass zum Start bei Weltmeisterschaften zuzulassen und bei schweren Dopingvergehen auch im ersten Fall schon eine Sperre von acht statt wie bisher maximal vier Jahren auszusprechen. Der Verband sprach sich zudem dafür aus, dass britische Dopingsünder nach schwerwiegenden Vergehen lebenslang nicht mehr für Großbritannien starten dürften. Juristische Möglichkeiten dafür würden gesucht.

"UKA glaubt, dass die Zeit für radikale Reformen gekommen ist", sagte Warner weiter: "Größere Transparenz, härtere Strafen, längere Sperren - und die Zurücksetzung der Weltrekorde für eine neue Ära. Wir sollten für alles offen sein, was die Glaubwürdigkeit unserer Sportart wiederherstellt." Zudem rief UKA Sponsoren auf, Sportler bei schwerwiegenden Dopingverfehlungen nicht weiter zu unterstützen.

mon/sid



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insgesamt 5 Beiträge
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hcbruns 11.01.2016
1. Endlich ein sinnvoller Vorschlag!
Der Vorschlag der Briten ist radikal, aber wohl noch nicht radikal genug. Jeder weiß, dass viele Weltrekorde nur durch Doping zustande gekommen sind, man denke for allem an zahlreiche unmenschliche Weltrekorde in den Laufdisziplinen. Das Streichen aller Weltrekorde ist da ein richtig Schritt. Was aber noch gemacht werde müsste, wäre der Ausschluss von Ländern, in denen keine richtigen Dopingkontrollen vorgenommen werden. Das würde nicht nur Russland betreffen, sondern auch Jamaika und zahlreiche andere Länder. Einen Sumpf kann man nur trocken legen, wenn man verhindert, das neues Wasser nachlaufen kann...
turbomix 11.01.2016
2.
Angeblich will der Sportfan bei jeder Veranstaltung eine sportliche Sensation erleben. Nein, will ich gar nicht. Ich will ehrlichen Sport sehen, mehr nicht. Der Sieger muss nicht weiter gesprungen oder schneller gelaufen sein als der vorherige Sieger. Alle Olympia-Medaillen und Weltrekorde der Letzten 30 Jahre sollten gestrichen werden. Vorher werde ich mir keine Leichtathletik mehr ansehen. Natürlich betrügt Usan Bolt und sein Verband.
citizen01 11.01.2016
3. Druck der Medien ist entscheidend
Entscheidend ist, was die TV-Medien mit ihrem finanziellen Hebel an Reformen durchsetzen können. das gilt für Leichtathletik ebenso wie für Fußball, Formel-1 und und, und ...
torflut 11.01.2016
4. Gut
Es fehlt mir an Fachwissen dazu, aber wurden längere Sperren nicht als rechtlich bedenklich angesehen weil sie defacto ein Berufsverbot darstellen? Ich schlage der Leichtathletik vor, dass Dopingsünder nach Verbüßung der Strafe bis zum Ende der Sort-Karriere in einem schwarzen Dress anzutreten haben. Schwarz ist damit für alle anderen Länder tabu! Mal sehen wie viele Sponsoren sich dann noch finden!
torflut 11.01.2016
5. Noch ein Vorschlag
Sponsorengelder sind in voller Höhe über das Internet transparent zu machen. Im Dopingfall ist der Betrag + Zinsen einer internationalen Stiftung zur wiss. Erforschung des Dopings zuzuführen!
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