EM-Gold für Antje Möldner-Schmidt Ein Märchen zum Abschluss

Vor vier Jahren war die Karriere von Antje Möldner-Schmidt fast schon vorbei: Ein Tumor zwang sie zu einer Chemotherapie. Jetzt holte sie sensationell Gold über 3000 Meter Hindernis. Trotzdem fällt das deutsche EM-Fazit negativ aus.

DPA

Hamburg - Lymphzellenerkrankung, Tumor in der Schulter, Chemotherapie: Vor vier Jahren schien die Leichtathletik-Karriere von Antje Möldner-Schmidt beendet. Jetzt darf sich die 30-Jährige Europameisterin über 3000 Meter Hindernis nennen. Nach einem packenden Endspurt sicherte sich die deutsche Meisterin überraschend Gold bei der EM in Zürich.

Es war der erste EM-Titel auf dieser Strecke für die deutschen Frauen. "Ich habe erstmal geschaut, was ging und mich hinten raus auf meinen Spurt verlassen. Wahnsinn!", sagte Möldner-Schmidt.

Die 30 Jahre alte EM-Dritte von 2012 bewies Kämpferqualitäten, verwies Europas Jahresbeste Charlotta Fougberg aus Schweden auf den zweiten Platz und machte so ihr persönliches Märchen perfekt. Denn Möldner-Schmidts Laufbahn schien schon vorbei zu sein, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Bei einem Trainingslager im Januar 2010 hatte sich ihr Leben schlagartig geändert. Sie hatte Schmerzen in der Schulter und entdeckte einen Knubbel, der anschwoll, als sie daran herumdrückte.

Untersuchungen ergaben die niederschmetternde Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Der Tumor wurde entfernt, die Chemotherapie begann unmittelbar danach. Im Oktober 2010 nahm Möldner-Schmidt das Training wieder auf. "Ich war bei null und joggte, so gut es ging", sagt sie rückblickend.

Leichtathletik-EM 2014: Der Medaillenspiegel

Platz Team Gold Silber Bronze
1 Großbritannien 12 5 6
2 Frankreich 9 8 6
3 Deutschland 4 1 3
4 Russland 3 6 13
5 Niederlande 3 2 1
6 Polen 2 5 5
7 Ukraine 2 5 1
8 Spanien 2 1 3
9 Italien 2 1 0
10 Weißrussland 2 0 0
Schon 2012 meldete sie sich mit Bronze bei der EM in Helsinki auf der großen Bühne zurück. Danach wurde sie Siebte bei den Olympischen Spielen in London. "Die größten Erfolge meiner Karriere waren nach der schweren Zeit", sagte sie und "liebäugelte" vor Zürich mit einer Medaille.

Jetzt machte sie ihr persönliches Märchen perfekt.

Die Leichtathletik wurde Möldner-Schmidt praktisch in die Wiege gelegt. Ihr Vater und ihr Bruder waren Geher, ihre Schwester Silke und ihre Zwillingsschwester Berit Mittelstrecklerinnen. Seit einigen Jahren schon gehört Möldner-Schmidt zur nationalen Laufelite.

2005 hatte sie erstmals den deutschen Titel über 1500 Meter gewonnen und mischte auch international vorne mit: Bei der Hallen-WM wurde sie Sechste. Den ersten 3000-Meter-Hindernislauf bestritt sie 2008 im belgischen Neerpelt, wo sie gleich Zweite wurde und den deutschen Rekord verbesserte.

Nach ihrer Erkrankung bestritt Möldner-Schmidt ab 2011 wieder Wettkämpfe. Inzwischen hat sie fünf nationale Titel gewonnen. Bereits bei der WM im vergangenen Jahr durfte sie sich als Achte und zweitbeste Europäerin gratulieren lassen. Jetzt ist die 1,73 Meter große und 56 Kilo leichte Läuferin ganz oben angekommen.

Trotz der Goldmedaillen für Möldner-Schmidt und Kugelstoßerin Christina Schwanitz am letzten Tag der EM fällt das Fazit aus deutscher Sicht negativ aus. Insgesamt acht Medaillen sind das schlechteste EM-Ergebnis einer deutschen Mannschaft nach der Wiedervereinigung. "Wir haben die Pflicht erfüllt, bei der Kür haben sich einige Hoffnungen aber nicht realisieren können", sagt Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

Das ist noch wohlwollend formuliert: Gerade einmal die Hälfe der 16 Medaillen der EM 2012 holte das DLV-Team, selbst der gesamtdeutsche Minusrekord von elf Medaillen bei der EM 2006 in Göteborg wurde deutlich unterboten. Weniger Medaillen gewann das Team der Bundesrepublik zuletzt 1990 mit fünf - damals gab es in Split allerdings für die DDR bei ihrem letzten Auftritt 35-mal Bronze, Silber oder Gold.

buc/dpa/sid



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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
gumbofroehn 17.08.2014
1. Tja, ...
... wer Erfolge wie Großbritannien will, muss dann eben auch Fördergelder wie Großbritannien locker machen. Und das über einen längeren Zeitraum, bevor sich die Früchte einstellen. Hoffentlich setzt die Deutsche Sportlotterie da etwas in Bewegung. Im Bundesinnenministerium beschränkt man sich ja anscheinend darauf, vor Großereignissen völlig unrealistische Zielvereinbarungen mit den Fachverbänden abzuschließen.
Le Commissaire 17.08.2014
2. Sportförderung ist unnötig
Zitat von gumbofroehn... wer Erfolge wie Großbritannien will, muss dann eben auch Fördergelder wie Großbritannien locker machen. Und das über einen längeren Zeitraum, bevor sich die Früchte einstellen. Hoffentlich setzt die Deutsche Sportlotterie da etwas in Bewegung. Im Bundesinnenministerium beschränkt man sich ja anscheinend darauf, vor Großereignissen völlig unrealistische Zielvereinbarungen mit den Fachverbänden abzuschließen.
Das ist wohl war, allerdings wüsste ich nicht, warum überhaupt öffentliche Gelder für die Förderung von Spitzensportlern fließen sollten.
bekserg 17.08.2014
3. Chapeau, Fr. M-S!
Mein Respekt!
allster 17.08.2014
4. Auffällig
...wie uns kleine Nationen wie Holland in den Lauf und Sprungdisziplinen überholt haben. Wenn man sich mal die Talentsuche im Verhältnis zur Bevölkerungsgrösse überlegt. Da läuft hier vieles schief . Talentsichtung und Förderung ( auch finanziell) sind bei uns nicht gut genug um hier mitzuhalten . Umso höher ist der Sieg von Frau Möltner- Schmidt einzuordnen . Herzlichen Glückwunsch . Vielleicht kann mir mal jemand erklären, weshalb wir im Speerwurf und Weitsprung am Züricher Belag gescheitert sind und andere nicht ?
gumbofroehn 17.08.2014
5.
Zitat von Le CommissaireDas ist wohl war, allerdings wüsste ich nicht, warum überhaupt öffentliche Gelder für die Förderung von Spitzensportlern fließen sollten.
Die Frage kann man in der Tat stellen. Deswegen hat ja auch eine Lotterielösung Charme: Da kann dann jeder entscheiden, ob er fördern will oder eben nicht (und wird nicht, wie bei der künstlichen Erhaltung drittklassiger Provinztheater, über die Steuern mitverhaftet).
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