Doping und Leichtathletik-EM Der große Schatten

Auch bei der Leichtathletik-EM in Berlin wird der Sport das Dopingthema nicht los. Russlands Verband bleibt bei der Veranstaltung erneut außen vor, und im deutschen Lager sorgt ein Trainer für Diskussionen.

Hochspringer Danil Lyssenko
DPA

Hochspringer Danil Lyssenko

Von , Berlin


Wenn die Leichtathletik-EM am Dienstag im Berliner Olympiastadion so richtig losgeht, werden die Titel im Hammerwurf und im Kugelstoßen der Männer zu den ersten Finals gehören. Im Hammerwurf steht der Weltrekord bei 86,74 Metern, gehalten von Jury Sedych aus dem Jahr 1986. Beim Kugelstoßen hält der US-Amerikaner Randy Barnes die Bestmarke von 23,12 Metern, aufgestellt 1990.

Es sind Uralt-Rekorde aus einer Zeit, in der nicht so genau nachgefragt wurde, wie diese Weiten zustande gekommen sind und was die Athleten dafür getan haben. Seitdem hat sich vieles in der Leichtathletik verändert, den Schatten des Themas Doping ist man aber bis heute nicht losgeworden. Da mag in dieser Woche die Sonne Berlin mit bis zu 40 Grad Hitze noch so sehr bescheinen - der kalte Schatten bleibt.

Jury Sedychs Erben - sie müssen bei dieser Europameisterschaft weitgehend zusehen. Russlands Leichtathletik bleibt auch von dieser Großveranstaltung ausgesperrt, der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF ist von seiner Linie aus dem Jahr 2016 noch nicht abgerückt. In Berlin sind stattdessen lediglich 29 russische Athleten am Start, sie firmieren unter dem Etikett ANA, "Authorized Neutral Athletes". Es sind 29 Sportler, denen zugetraut wird, sauber zu sein.

Hochspringer kurzfristig ausgeschlossen

Eigentlich waren es 30, aber Russlands Hochsprung-Ass Danil Lyssenko wurde kurzfristig von der EM ausgeschlossen, weil er mehrfach Dopingermittlern seinen Aufenthaltsort nicht mitgeteilt hatte - sodass diese ihn nicht jederzeit zum Abgeben einer Probe aufsuchen konnten.

Der Fall Lyssenko, einer der Topfavoriten auf EM-Gold, hat das Misstrauen gegen das russische Leichtathletiksystem wieder angefacht. Der deutsche Zehnkämpfer Arthur Abele sagt: "Jeder misstraut den Russen, es ist nun mal offenbar und offensichtlich." Von Speerwerfer Johannes Vetter stammt die Aussage: "Es heißt überall: Diese dopingverseuchte Sportart Leichtathletik - nur weil die Russen betrügen." Die ARD-Dopingredaktion hat recherchiert, dass die Kommission, die über die Zulassung der "Neutral Athletes" entscheidet, sich schwer damit tut, Einblicke in die russische Trainingspraxis zu bekommen.

Seit den Olympischen Spielen von Rio gilt der Bann für die russische Leichtathletik. Er bestand bei der WM in London im Vorjahr, und derzeit gibt es wenig Anzeichen, dass er nach der EM in Berlin aufgehoben werde. Während IOC-Boss Thomas Bach nichts eiligeres zu tun hatte, als den russischen Wintersportlern nach den Olympischen Spielen von Pyeongchang wieder die Tür zu öffnen, sagt Svein Arne Hansen, der Boss des europäischen Leichtathletikverbandes EAA: "Es zeigt sich, dass die Russen noch einen langen Weg gehen müssen, bevor wir sie wieder unter ihrer eigenen Flagge starten lassen."

Trainer Kollark sorgt für Aufsehen

Ein langer Weg - das heißt unter anderem, die russische Anti-Doping-Agentur Rusada müsste wieder in das globale System der Dopingermittlungen aufgenommen werden, Russland müsste zudem die Ergebnisse des McLaren-Reports anerkennen. Von all dem ist man bislang weit entfernt.

Deutschlands bester Kugelstoßer David Storl hat dieser Tage gesagt, er halte es für falsch, "allein Russland den Schwarzen Peter zuzuschieben". Vielleicht hat er das auch gesagt, da er nicht so weit gucken muss, um Gründe für die Dopingdebatte auch im eigenen Lager zu finden. Die deutsche Meisterin im Diskuswurf, Claudine Vita, wird von dem Neubrandenburger Dieter Kollark betreut. Kollark ist mittlerweile 73 Jahre alt, einer aus dem alten DDR-Trainersystem, zudem als inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi unter dem Decknamen "Alexander" schwer belastet. Zuletzt hat er auf seine alten Tage die Chinesin Gong Lijao im Vorjahr zu WM-Gold im Kugelstoßen geführt.

Für die EM ist Kollark nicht offiziell akkreditiert, auf diesen Hinweis legt der Deutsche Leichtathletik-verband (DLV) großen Wert. Als Trainerin von Vita tritt Astrid Kumbernuss auf, die selbst als aktive Kugelstoßerin ein Kollark-Schützling war und gemeinsam mit ihm ihre größten Erfolge feierte, Weltmeisterin, Europameisterin, Olympiasiegerin. Auch Jürgen Schult, als Trainer für den Bereich Wurf beim DLV beschäftigt, kümmert sich rund um die EM um Claudine Vita. Schult, der immer noch den Weltrekord im Diskuswerfen hält: 74,08 Meter, aufgestellt im Juni 1986.



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
oliver61 07.08.2018
1. Dieter Kollark: Doper oder Spon-Opfer?
Liebe Spon-Redaktion, Sie berichten schon merkwürdig. Anhand gewisser Reizworte suggerieren Sie, daß Dieter Kollark seine Athleten dopt ("..aus dem alten DDR-Trainersystem.", ".inoffizieller Mitarbeiter der Stasi..", "..Chinesin Gong Lijao im Vorjahr zu WM-Gold im Kugelstoßen geführt.." usw.). Ist Dieter Kollark mal verurteilt worden? Wenn nicht, sollten Sie die Anspielungen unterlassen. Das wäre dann nichts anderes als Rufmord auf Blöd-Zeitung-Niveau.
kahabe 07.08.2018
2. Anders herum!
Was ist kein Doping? All die Mittelchen die nicht auf irgendwelchen Listen stehen? Also "unbedenklich" auch von sogenannten sauberen Athleten zur Leistungssteigerung, zumeist in Absprache mit ihren Übungsleitern, angewandt werden können. Und wenn die richtige Krankheit diagnostiziert wird, auch ganz offiziell das ein oder andere "verbotene"? Schöne Scheinwelt!
alt-nassauer 07.08.2018
3. Da hilft nur...
Da hilft nur Konsequentes wegschauen... Nein nicht beim der Ermittlung und Überführung, das ist so oder so ein Fass ohne Boden! Anders herum - Die können sich ihren Herzbändel abrennen! Mich interessiert es wie der Sack der in China umfällt. Nur das Doping eben ein Straftat ist und viel Härter zu bestrafen ist. Desweiteren sollte die "Sozialen" Nachteile, wie Gesundheitsschäden (Körperlich/Seelisch), Hinterbliebene Angehörige wie Waisen nicht dem Sozialen Gemeinwesen aufgebrummt werden. Das sollten mal die Sportverbände selbst machen. Bekommen ja immer hübsches Sümmchen von Sponsoren und TV Sender. Deshalb schaue ich ja konsequent weg... Ich hoffe es Folgen in Zukunft weitere diesen Weg, des Konsequenten "wegschauen" und der "Banalität" des dümmlichen (Profi-)Sports.
andros0813 07.08.2018
4.
eine sportart, deren betreiben und ergebnisse überwiegend im gerichtssaal entschieden werden, hat keine zukunft....ich schaue mir diesen sport nicht mehr an..
rainerb 07.08.2018
5. Vermutungen
Das meiste basiert nur auf Vermutungen! Wer gedopt ist, sollte lange gesperrt werden. Aber aufgrund von Vermutungen Strafen auszusprechen oder jemanden zu Verurteilen, das schadet dem Sport! Mc Laren Bericht? Den soll Russland anerkennen? Gehts noch? Mc. Laren hat kürzlich vor dem obersten Sportgericht CAS ausgesagt, dass sein Bericht lediglich auf Aussagen anderer beruht, die keine Beweise vorgelegt hätten. Er hätte niemanden angeklagt, sondern nur seine Vermutungen zu Papier gebracht. Was sollte da jemand anerkennen? Und der Kronzeuge der peinlichen ARD Doping Redaktion, allein der Name ist schon eine Anmassung, hat ebenfalls vor dem CAS ausgesagt, er hätte nie jemanden gesehen, der gedopt hat und er kenne auch niemanden, der das gesehen hätte. Und allein darauf beruhte die ganze Anklage und diese Doku von Seppelt, dem selbsternannten Dopingexperten, lach, der ARD!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.