Leichtathletik-WM Holzdeppe mit Salto Nullo, Molitor ohne Chance

Enttäuschungen für den DLV bei der Leichtathletik-WM in London: Raphael Holzdeppe scheiterte im Stabhochsprung ohne gültigen Versuch, Katharina Molitor landete im Speerwurf abgeschlagen auf Platz sieben.

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe
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Stabhochspringer Raphael Holzdeppe


Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist bei der Leichtathletik-WM in London ohne gültigen Versuch im Finale ausgeschieden. Der 27 Jahre alte Ex-Weltmeister scheiterte dreimal an seiner Anfangshöhe von 5,50 Metern und erlebte damit ein ähnliches Desaster wie bei Olympia 2016, als er bereits in der Qualifikation ausgeschieden war.

Holzdeppe war 2013 in Moskau Weltmeister geworden und hatte zwei Jahre später in Peking Silber geholt. In London hatte er bei Olympia 2012 Bronze gewonnen. Gold sicherte sich als zweiter US-Amerikaner nach Brad Walker (2007) der 24-jährige Sam Kendricks, der 5,95 Meter übersprang.

"Das ist frustrierend. Ich bin im Moment einfach enttäuscht über mich selber", sagte Holzdeppe: "Eigentlich lief vorher alles super, ich hatte mir viel mehr vorgenommen. Ich habe mich besser gefühlt als in der Quali, war super drauf. Ich muss jetzt erstmal analysieren, woran es gelegen hat."

Zwei Jahre nach ihrem Goldwurf von Peking ist Speerwerferin Katharina Molitor nur Siebte geworden. Die 27-Jährige kam über 63,75 Meter nicht hinaus. Ihr zweites WM-Gold nach dem Titel 2007 in Osaka gewann die Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Barbora Spotakova aus Tschechien mit 66,76 Metern. Zweite wurde die Chinesin Li Lingwei mit 66,25 Metern vor ihrer Landsfrau Lyu Huihui (65,26).

Molitor war die einzige Titelverteidigerin im 71-köpfigen deutschen Team, nachdem Kugelstoßerin Christina Schwanitz Mutter von Zwillingen geworden ist. Siebenkämpferin Carolin Schäfer, die Silber gewann, bleibt damit die bisher einzige deutsche Medaillengewinnerin in London.

Hindernis-Triumph für Kenia, van Niekerk ganz cool

In Abwesenheit von Titelverteidigerin Christina Schwanitz hat Sara Gambetta den Einzug ins Kugelstoß-Finale um neun Zentimeter verpasst. Die deutsche Meisterin kam in der Qualifikation nur auf 17,71 Meter, das reichte der 24-Jährigen als 13. nicht für das Finale. Mit ihrer Saisonbestleistung von 18,46 Metern wäre Gambetta locker weitergekommen. Schwanitz hatte Anfang Juli Zwillinge zur Welt gebracht.

Olympiasieger Conseslus Kipruto hat Gold im Hindernis-Lauf über 3000 Meter gewonnen und Kenias beeindruckende Siegesserie fortgesetzt. Der 22-Jährige setzte sich nach 8:14,12 Minuten gegen Soufiane Elbakkali aus Marokko (8:14,49) durch, Bronze ging an den Jahresweltbesten Evan Jager (8:15,53/USA).

Damit hat zum 14. Mal in Serie ein gebürtiger Kenianer WM-Gold über die Hindernis-Distanz gewonnen. 2003 und 2005 gewann Saif Saaeed Shaheen, der bis zu seinem 20. Lebensjahr Stephen Cherono hieß, den Titel für Katar.

Unterdessen hat Wayde van Niekerk aus Südafrika den ersten Teil seiner Double-Mission erfüllt. Der Olympiasieger und Weltrekordler verteidigte in 43,98 Sekunden seinen Titel über 400 Meter erfolgreich. Hinter dem 25-Jährigen gewann Steven Gardiner von den Bahamas (44,41) Silber, Bronze ging an Abdalelah Haroun aus Katar (44,48).

In London strebt van Niekerk Doppel-Gold an - nach den 400 Meter will er auch über 200 Meter gewinnen. Das hat seit Michael Johnson 1995 kein Sprinter mehr geschafft. Titelverteidiger Usain Bolt verzichtet in London auf einen Start über die halbe Stadionrunde.

Wayde Van Niekerk (2.v.l.) nach dem Zieleinlauf
AFP

Wayde Van Niekerk (2.v.l.) nach dem Zieleinlauf

Pierre-Ambroise Bosse hat als erster Franzose Gold über 800 Meter gewonnen und die afrikanische Dominanz über die zwei Stadionrunden durchbrochen. Der 25-Jährige setzte sich in 1:44,67 Minuten vor dem polnischen Europameister Adam Kszczot (1:44,95) durch, der wie vor zwei Jahren in Peking Silber holte. Dritter wurde der Kenianer Kipyegon Bett (1:45,21).

Seit dem Triumph des Schweizers Andre Bucher 2001 hatten nur in Afrika geborene Läufer WM-Gold über 800 Meter geholt. Bosse ist nach Willi Wülbeck (1983) und Bucher der dritte in Europa geborene Weltmeister über diese Distanz.

aha/sid/dpa



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FK-1234 08.08.2017
1. Armutszeugnis
...logische Konsequenz der indiskutablen Sportförderung, die seitens der Politik gefahren wird. Eines der reichsten Länder der Erde ist nicht in der Lage, Spitzensportler wirtschaftlich langfristig zu unterstützen, damit sie in der Lage sind, professionell zu trainieren.
herm16 08.08.2017
2. liegt
ganz sicher am Geld, das ist alles suspekt
herm16 08.08.2017
3. kommentar fk-1234
das ist in Deutschland ein Problem, spiegelt unsere Gesellschaft wieder. Alles schreit nach Geld. Holzdeppe, Molitor sind ja auch schon bei den besten gewesen. Manchmal denke ich, die Einstellung stimmt nicht
sanko1212 09.08.2017
4. Dieses frustrierende Ergebnis
liegt m. E. nicht an der Sportförderung oder am (Sponsoren)Geld, sondern an einem etwas Grundsätzlichen: Im Zuge des ideologisch basierten Feldzugs gegen alles, was es in der ehemaligen DDR gab, wurde auch das gesamte System vor allem in der Bildung und im Sport zerstört, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, positive Elemente im System (nicht den ideologisch verbrämten Inhalt) zu übernehmen. Und offenbar gehörte dazu auch die Fähigkeit der DDR-Trainer, die Leistungskurve der Sportler genau zum Zeitpunkt der Saisonhöhepunkte kulminieren zu lassen. Denn die sich abzeichnende Medaillenpleite in London gab es in diesem Jahr bereits bei der Schwimm-WM in Budapest. Und zunehmend kann man diese Tendenz auch bei einst zur Weltspitze gehörenden Mannschaftssportarten beobachten.
taste-of-ink 09.08.2017
5.
Zitat von sanko1212liegt m. E. nicht an der Sportförderung oder am (Sponsoren)Geld, sondern an einem etwas Grundsätzlichen: Im Zuge des ideologisch basierten Feldzugs gegen alles, was es in der ehemaligen DDR gab, wurde auch das gesamte System vor allem in der Bildung und im Sport zerstört, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, positive Elemente im System (nicht den ideologisch verbrämten Inhalt) zu übernehmen. Und offenbar gehörte dazu auch die Fähigkeit der DDR-Trainer, die Leistungskurve der Sportler genau zum Zeitpunkt der Saisonhöhepunkte kulminieren zu lassen. Denn die sich abzeichnende Medaillenpleite in London gab es in diesem Jahr bereits bei der Schwimm-WM in Budapest. Und zunehmend kann man diese Tendenz auch bei einst zur Weltspitze gehörenden Mannschaftssportarten beobachten.
Da ist etwas dran. In der Panik, bei den jeweiligen Meisterschaften ein Debakel zu erleben, werden die Qualifikationsnormen besonders hoch angesetzt. Um nicht das Risiko einzugehen, dass ein Athlet die Qualifikationsnorm eine geraume Zeit vor der Meisterschaft erfüllt, wird die Qualifkation zeitlich zu dicht an die eigentliche Meisterschaft gesetzt. Für die Athleten ist dann schon die Qualifkation der eigentliche Wettbewerb und bei der Meisterschaft ist dann die Konzentration dahin. Aber natürlich macht es schon einen Unterschied, ob ein Spitzenathlet ausschließlich Zeit für seinen Sport zur Verfügung hat, oder aber noch einer regulären Tätigkeit nachgehen kann, um den Sport zu finanzieren.
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