Deutsche WM-Leichtathleten Das Geheimnis der Medaillenjäger

Die Hälfte der Wettkämpfe ist geschafft und der Trainerstab ist zufrieden: Fünf Medaillen hat das deutsche Team bei der Leichtathletik-WM in Moskau eingeheimst. Es ist das Resultat einer neuen Auswahlstrategie, bei der Potential mehr zählt als vergangene Erfolge.

AFP

Aus Moskau berichtet


Idriss Gonschinska scheint ein fröhlicher Mensch zu sein. Wenn er spricht, strahlen seine Augen, die Stirn legt er dann leicht in Falten. Redet der Bundestrainer der Leichtathleten dieser Tage in Moskau mit der Presse, ist er noch ein bisschen besser gelaunt als sonst. Er hat auch allen Grund dazu: Die deutschen Sportler machen bei der Weltmeisterschaft in Russlands Hauptstadt Spaß, fünf Medaillen haben sie bis zur Hälfte der Wettkämpfe gewonnen - zwei goldene, zwei silberne und einmal Bronze.

Gonschinska wird allerdings nicht müde zu betonen, dass Podestplätze für ihn zweitrangig sind. Am Tag nach Raphael Holzdeppes Sieg im Stabhochsprungfinale sagte der 45-Jährige: "Das war nicht nur okay, das war mehr als beeindruckend", um gleich darauf die gesamte Mannschaft zu loben: "Alle haben mitgefiebert, jeder war völlig außer sich. Wir haben einen außergewöhnlichen Teamspirit."

Glaubt man dem Bundestrainer und den Athleten selbst, ist die Stimmung innerhalb der deutschen Mannschaft so gut wie lange nicht. Es sei etwas gewachsen, sagt Gonschinska, etwas "Besonderes".

Dabei ist es noch gar nicht lange her, da war die deutsche Leichtathletik ein Problemkind unter den olympischen Disziplinen. Eine einzige Medaille brachte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) von den Olympischen Spielen 2008 in Peking mit nach Hause, die Speerwerferin Christina Obergföll hatte damals Bronze gewonnen. Als überaltert galt das deutsche Team, den Athleten fehle es an Perspektive und Motivation, hieß es.

Acht Medaillen bei den Olympischen Spielen in London

2004 hatte es umfassende Strukturveränderungen im Verband gegeben, die Hierarchien sollten flacher, die individuelle Förderung und Absprachen zwischen den über- und untergeordneten Trainern verstärkt werden. Der Olympiazyklus zwischen 2004 und 2008 war offenbar zu kurz gewesen, um die Neuerungen umzusetzen. Doch noch einmal vier Jahre später zeigten sie tatsächlich Erfolg: Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London schnitten die deutschen Leichathleten so gut ab wie bei den Wettkämpfen in Sydney, Athen und Peking zusammen, gewannen einmal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze.

Es hatte sich ganz augenscheinlich etwas getan in der deutschen Leichtathletik, die Frage war nur: Würde es der Verband schaffen, das zarte Pflänzchen so zu hegen, dass es sich weiterentwickeln und wirklich vielleicht einmal blühen kann?

Die bisherigen Ergebnisse der Weltmeisterschaften in Moskau lassen darauf hoffen. Gonschinska, der den Posten des alleinigen Cheftrainers zu Beginn des neuen Olympiazyklus im vergangenen Jahr übernommen hat, sagt: "Wir haben eine neue Philosophie: Wir beobachten die Entwicklung der Athleten über einen längeren Zeitraum, diese Beobachtungen sind Grundlage für die Nominierungen zu großen Wettkämpfen. Nicht die bislang gewonnenen Titel und Medaillen." Eine russische Journalistin mag diese Aussage kaum glauben: "Das müsste ich mal unseren Trainern erzählen", sagt sie.

Talente tüfteln im Stillen

Mit der Geschichte von Michael Schrader, der im Zehnkampf überraschend Vizeweltmeister geworden war, hätte sie wohl ein schlagendes Argument: "Michael hatte seit 2009 keinen richtigen Wettkampf absolviert, nach herkömmlichen Kriterien wäre er aus der Kaderförderung herausgefallen", sagt Gonschinska. "Weil uns die Zehnkampftrainer aber immer wieder sagten, wenn einer eine Medaille gewinnen kann, dann Michael, haben wir ihn weiter unterstützt." Der Sportler dankte das Vertrauen mit der Silbermedaille: "Wäre ich aus dem Kader geflogen, hätte ich vor dem Nichts gestanden. Ich hatte alles für den Sport aufgegeben - und dann war ich immer verletzt", sagt er.

Aus dem gleichen Grund hat Gonschinska etliche Athleten mit nach Moskau genommen, die bei dieser WM noch keine Chance auf eine Medaille haben. "Darunter sind viele, die uns während der U-20- und U-23-WM aufgefallen waren. Wir planen jetzt schon für die Spiele 2016 in Rio. Die sind unser großes Ziel, bis dahin haben die jungen Talente noch drei Jahre Zeit, Erfahrungen zu sammeln und sich zu beweisen - und wo geht das besser als auf echten Großveranstaltungen mit all dem echten Stress?", fragt Gonschinska.

Diesen Mut müsse man als Trainer allerdings erst einmal aufbringen, sagt er: "Nach außen werden ja immer nur die großen Leistungen sichtbar, die Medaillen, da wird schnell Kritik laut. Aber man muss auch die kleinen Erfolge dahinter im Blick haben." Als Beispiele führt er den Geher Christopher Linke, 24, an, der in Moskau auf einen unscheinbaren neunten Platz gelaufen sei, sich dabei aber "Schritt für Schritt Richtung Rio" arbeite - verdeckt von den strahlenden Figuren wie Diskus-Weltmeister Robert Harting oder Holzdeppe.

Doch ohne deren Präsenz wäre das Tüfteln im Stillen gar nicht möglich, das weiß auch Bundestrainer Gonschinska: "Die Mischung macht's."

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Seite 1
aschu0959 14.08.2013
1. Ich hab da ja meine Zweifel
[QUOTE=sysop; "Es ist das Resultat einer neuen Auswahlstrategie, bei der Potential mehr zählt als vergangene Erfolge." Welche Auswahlstrategie? Vermutlich die nach dem besten Mittelchen. Mal im Ernst - glaubt irgendjemand noch an den sauberen Sport? Mir ist deswegen jegliches Interesse am Leistungssport abhanden gekommen.
uhrentoaster 14.08.2013
2. Sport
Zitat von aschu0959[QUOTE=sysop; "Es ist das Resultat einer neuen Auswahlstrategie, bei der Potential mehr zählt als vergangene Erfolge." Welche Auswahlstrategie? Vermutlich die nach dem besten Mittelchen. Mal im Ernst - glaubt irgendjemand noch an den sauberen Sport? Mir ist deswegen jegliches Interesse am Leistungssport abhanden gekommen.
ich nicht Leichtathletik, Radfahren, Schwimmen und Ski-Nordisch boykottiere ich seit 2006.
730andmore 14.08.2013
3. Doping
Genau das habe ich auch gedacht... Schrader im 400er... eine Welt für sich! ist wohl selber über seine Zeit erschrocken... naja, er wird wohl wie Beckenbauer in ein paar Jahren erklären, dass er nur eine Vitaminspritze bekommen habe... und er na schliesslich kein Arzt sei... langsam verkommt der ganze Sport zur Lachnummer. Aber eigentlich sind es ja keine Sportveranstaltungen, sondern Zirkusse die in moderner Form um die Welt tingeln... daher Doping für Professionals freigeben.
aorcito 14.08.2013
4. optional
schon 2009 bei der wm in Berlin gab es 9 Medaillen,da gab es noch keinen Cheftrainer Goschinska und keinen Sportdirektor Kurschilgen.Jetzt von einer neuen Philosophie, oder sogar Strategie zu sprechen entspricht nicht der Realität.
kuhlmän 14.08.2013
5. 1a und nicht immer so deutsch...
Hervorragende Leistung des Verbandes. Sie haben die Chance zur Veränderung genutzt undscheinbar die Richtigen Strukturen geschaffen. Was allerdings hier wieder geschrieben wird im sinne 'das eh alle dopen' und 'Sportarten boykottieren', etc. ist ein so typisch deutsches kleinkariertes Denken, dass einem Magengeschwüre wachsen, wenn man so etwas liest und hört. Selbstverständlich wird immer wieder getrickst, dass ist nicht zu bestreiten. Aber erstens ist das mit nichten ein Grund, alles und jeden unter Generalverdacht zu stellen und zweitens wird immer und überall getrickst, ob es jetzt in der Wirtschaft ist, in der Kultur oder sonst wo. Wir leben in einer Zeit, wo man das aber anpacken und bekämpfen kann! Weggucken und lieber woanders interesse dran finden, dass ist so richtig deutsch. Und dann schön mit Bier und Pommes ins Stadion wanken, weil da ja so überragender 'Sport' geboten wird oder lieber doch ins Museum, weil einfach schicker ist...Reißt euch ma zusammen, unterstützt die Sportarten bei der Selbstreinigung, zeigt Rückrat, aber guckt nicht weg, nur weil durch eben die investigativen Möglichkeiten von Medien und Wissenschaft Doping aufgedeckt wird. Zeigt Mut und Patriotismus zum sport und den Sportlern zu stehen! Ich bin mir sicher, mit der Unterstützung wesentlich mehr zu erreichen, als lieber wegzugucken und den Generalverdacht arbeiten zu lassen. Aber vielleicht bin ich ja nur ein sportlicher Idealist, der mal wieder keine Ahnung hat.
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