Leipzig 2012 Vorermittlungen gegen Ex-Olympiabeauftragten

Die Olympiabewerbung von Leipzig versinkt immer tiefer im Sumpf. Nun hat die Staatsanwaltschaft Dresden gegen den ehemaligen Staatssekretär Wolfram Köhler, CDU, Vorermittlungen aufgenommen: wegen des Verdachts auf Untreue.


Wenn es so weiter geht, wird das olympische Feuer nie in Leipzig brennen: Offizielles Logo der Olympiabewerbung 2012
DDP

Wenn es so weiter geht, wird das olympische Feuer nie in Leipzig brennen: Offizielles Logo der Olympiabewerbung 2012

Dresden - "Wir sehen einen strafrechtlichen Ansatz, dass veruntreuende Sachverhalte vorliegen", sagte Behördensprecher Andreas Feron. Er bestätigte einen entsprechenden Bericht der Chemnitzer "Freien Presse". Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hatte Köhler Ende Oktober in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Die Vorermittlungen beziehen sich nach Ferons Angaben auf Köhlers Zeit als Oberbürgermeister von Riesa. Sie seien auf Grund von Medienberichten eingeleitet worden. Hauptgrund sei, dass Köhler möglicherweise als OB Sponsoren rekrutiert habe und dann Gelder an seine Ehefrau geflossen sein könnten. In die Wege geleitet sei die Prüfung der betreffenden Vertragsunterlagen durch die Staatsanwaltschaft.

Köhler und seiner Ehefrau wird vorgeworfen, als Riesaer Oberbürgermeister zweifelhafte Verträge zwischen der Riesaer Förder- und Verwaltungsgesellschaft für Wirtschaft, Kultur und Sport (FVG) und der Verbundnetz Gas AG (VNG) abgeschlossen zu haben. Köhlers Frau erhält Provision für eingeworbene Sponsorengelder. Im April 2002 kam zwischen VNG und FVG ein solcher Vertrag zu Stande, der durch den damaligen Oberbürgermeister Köhler vermittelt worden sein soll.

Köhler hatte die Vorwürfe der Vetternwirtschaft stets zurückgewiesen. Der Stadtrat von Riesa hatte Köhler am 1. Oktober fraktionsübergreifend von den Vorwürfen entlastet und auf Kontrollen von Wirtschaftsprüfern verwiesen, die die Vereinbarungen uneingeschränkt bestätigten. In der Anfangsphase der Leipziger Olympia-Bewerbung war Köhler eine der wichtigsten Triebkräfte.

"Wir haben international Schaden genommen"

Inzwischen ist auch DSB-Präsident Manfred von Richthofen um die Leipziger Bewerbung für die Olympischen Spielen 2012 ernsthaft um den Ruf des deutschen Sports besorgt. "Diese Bewerbung ist systematisch torpediert worden durch unerträgliche interne Vorgänge", erklärte der Chef des Deutschen Sportbundes (DSB) in einem Interview mit der "Rheinischen Post" und mehreren anderen deutschen Tageszeitungen: "Und somit haben wir bereits international Schaden genommen."

Den Vorwurf, er habe mit seinen offenen Worten die Olympia- Bewerbung sabotiert, weist er zurück. "Da hat wohl jemand den Begriff Sabotage mit dem Begriff des sauberen Umgangs verwechselt", sagte von Richthofen, "wenn die Bewerbung weiterhin belastet wird, wie sie jetzt belastet ist, bleibe ich dabei: Dann ist es besser, die Reißleine zu ziehen, statt in ein sicheres Verderben zu steuern und hinterher gefragt zu werden, ob Steuergelder sinnvoll eingesetzt wurden."

Der Verdacht auf finanzielle Unregelmäßigkeiten von ehemals verantwortlichen Mitarbeitern der Olympia-Bewerber in Leipzig "seien keine Kavaliersdelikte". Von Richthofen: "Ich kann nur hoffen, dass sich im Rahmen der rechtlichen Aufklärung herausstellt, dass es keine kriminelle Energie war. Aber die Vermutung liegt derzeit nahe."

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) werde aber gerade bei Finanz-Affären argwöhnisch sein. "Man muss einfach sehen, dass das IOC in finanziellen Dingen spätestens seit dem Bestechungsskandal um Salt Lake City hoch sensibilisiert ist", meinte von Richthofen.

Dass man durch ein Zurückziehen der Bewerbung einen Schaden für mögliche spätere Olympia-Kandidaturen anrichte, sieht er nicht. "Ich denke in diesen Dingen anders als andere. Augen zu und durch ist für mich keine Option auf dem Weg zu Olympia. Man muss Dinge verantworten und verantworten können, nur das ist der richtige Weg."

Bis zur Abgabe der Bewerbungsunterlagen am 15. Januar an das IOC müssten nun mögliche Verfehlungen in Leipzig aufgedeckt und geklärt werden. "Zuerst steht die lückenlose Aufklärung der Vorfälle. Dann erst kann weitergearbeitet werden. Dann finden wir auch einen gemeinsamen Weg", sagte von Richthofen.



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