Handballerin Visser: Leipzigs Unentbehrliche

Von Bernd Müller

Die Niederländerin Maura Visser gilt als neues Glamourgirl des HC Leipzig. Für den Bundesligisten ist die Blondine längst unentbehrlich geworden, in der Nationalmannschaft aber gibt es Probleme. Das "Handball-Magazin" stellt die 26 Jahre alte Spielmacherin vor.

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Handballerin Visser: "Ich mache das, was ich kann"

Die Klischees passen: Blond, einnehmendes Lachen, das Deutsch mit einem adretten niederländischen Akzent. Dazu eine kommunikative, eloquente Art und stets ansteckende Fröhlichkeit. Maura Visser geht als typische Niederländerin durch. Auf dem Handball-Parkett ist die Spielmacherin jedoch nicht das nette Meisje von nebenan. Die 26-Jährige vom HC Leipzig kann ein Spiel dirigieren, Tore werfen, hohes Tempo gehen, einstecken und austeilen.

Kurzum, Maura Visser hat alle Qualitäten, die einen Star ausmachen. Sie ist der Fixstern in Leipzig. Im Pokalspiel gegen den Frankfurter HC Anfang Februar zog sich Visser einen Nasenbeinbruch zu. Der HCL kam ohne sie ins Schlingern. Von Krise war die Rede, Unruhe machte sich breit.

Nach drei Wochen ist die Blondine wieder dabei. Plötzlich spielt der HCL besser, gewinnt wieder, zog ins EC-Halbfinale und ins Final Four des DHB-Pokals ein. Es gibt offenbar einen Zusammenhang zwischen ihr und den HCL-Leistungen. "Ja, es sieht so aus", sagt sie, bleibt aber bescheiden. "Ich versuche so zu spielen, dass jede Mitspielerin ihre Qualitäten einsetzen kann."

Schon ihre Mutter war Nationalspielerin

Ob sie ein Star ist? Damit will sich Maura Visser nicht beschäftigen. "Dieses Thema spielt für mich keine Rolle. Ich mache das, was ich kann." Handball spielen vor allem. Im Alter von fünf Jahren hat sie daheim in Den Haag begonnen. Kein Wunder, die Eltern spielten beide, Mutter Ingrid war sogar Nationalspielerin. Als Tochter Maura geboren wurde, beendete sie ihre sportliche Laufbahn, da war sie erst 23.

Tochter Maura reifte in den Vereinen Hellas Den Haag und Van der Voort Quintus zur Nationalspielerin. Bei der WM im vergangenen Dezember scheiterte sie mit Oranje im Achtelfinale am späteren Weltmeister Norwegen, erkämpfte aber ein Ticket für ein Olympia-Qualifikationsturnier. Um so erstaunlicher, dass Visser zum Auswahllehrgang Ende März und den Länderspielen gegen Tunesien nicht eingeladen wurde.

Zwischen ihr und Trainer Henk Groener hat es Zoff gegeben, ins Detail wollen beide nicht gehen. "Ich bin eine Spielerin, die eine Meinung hat und diese auch sagt. Ich sage offen, wenn mir etwas nicht gefällt", sagt Visser dazu. "Der Trainer denkt anders darüber."

Noch hofft sie allerdings auf eine Rückkehr in die Auswahl, um beim Quali-Turnier Ende Mai und vielleicht auch bei den Olympischen Spielen in London dabei zu sein. Aktuell bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich mit der Situation abzufinden. "So kann ich mich wenigstens voll auf den HCL konzentrieren."

Ihrem Verein kann das nur recht sein, ist der HCL doch noch in zwei Wettbewerben im Rennen. Der nationale Pokal sei der einfachste Weg, im Europacup war der dreimalige Champions-League-Sieger Viborg HK allerdings ein zu schwerer Gegner. Im Halbfinale war Endstation. In der Bundesliga zeigten alle Spitzenteams schwankende Leistungen. Da ist der Titel noch drin, ist Visser überzeugt.

Auch wegen dieser, immer vorwärts gerichteten Einstellung wurde sie vom HC Leipzig geholt. "Ich wusste, wenn Deutschland, dann nur Leipzig", sagt sie. Dass in der kommenden Saison mit Debbie Bont und Jessy Kramer zwei weitere Landsfrauen beim HC Leipzig spielen, freut sie natürlich. Sie habe auch "ein bisschen mitgeholfen", gesteht sie, "denn ich konnte über Leipzig nichts Negatives sagen".

Doch zu hoch will sie das Thema Meisjes in Leipzig nicht hängen. "In diesem Jahr war ich die Einzige hier und bin auch klargekommen." Und wie. Dass sie sich in Leipzig wohl fühlt, glaubt man ihr aufs Wort.

So kann sie nach Herzenslust mit ihrem Hund Chico, einem Chihuahua, durchs Viertel streifen oder Fußball schauen. Sie ist ein großer Fan. Visser schafft es, in 30 Sekunden die Namen aller in der Bundesliga spielenden Niederländer und deren Vereine zu nennen. Ihr Lieblingskicker spielt allerdings in England: Dirk Kuyt vom FC Liverpool. Ach ja, es gibt auch etwas, was die nette Frau Visser ganz und gar nicht mag: "verlieren."

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