Olympische Sommerspiele 2012: Happy and glorious

Was für eine Eröffnungsshow! Phantasievoll, witzig, verrückt - und sehr britisch. Die Queen hat in London die XXX. Olympischen Spiele eröffnet. Das Feuer durften sieben Nachwuchs-Athleten entzünden.

Eröffnung der Olympischen Sommerspiele: Vier Stunden Ekstase Fotos
DPA

Hamburg - Die Flamme brennt: Zum Höhepunkt der spektakulären Eröffnungsfeier der XXX. Olympischen Sommerspiel ist das olympische Feuer entzündet worden. Kurz zuvor, um 1.18 Uhr deutscher Zeit, hatte Queen Elizabeth II. das größte Sportereignis der Welt offiziell eröffnet.

Lange war darüber spekuliert worden, wer der letzte der insgesamt 8000 Fackelläufer sein und das Feuer entfachen würde. Fußballer David Beckham hatte die Fackel auf einem Boot über die Themse gebracht und sie an Ruderer Steve Redgrave übergeben. Der britische Olympiasieger trug sie ins Stadion und reichte sie an sieben Nachwuchs-Athleten weiter - und diese zündeten 204 kleine Feuerschalen an, die sich zum großen olympischen Feuer vereinten. Damit hatte bis zum Schluss kaum ein Beobachter gerechnet.

Für die erste Überraschung hatte schon ganz zu Anfang der britische Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins gesorgt: Er läutete eine große Glocke und gab damit das Startsignal für die Feier.

Auf der Ehrentribüne hatten neben der britischen Königsfamilie, unter ihnen Prinz William, dessen Frau Kate und Prinz Harry, Hollywood-Stars wie Brad Pitt, Angelina Jolie, Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones Platz genommen. Sie wurden flankiert von rund 130 Staatsoberhäuptern. Neben Bundespräsident Joachim Gauck waren unter anderem die spanische Königin Sofia, Fürst Albert von Monaco, Russlands Regierungs-Chef Dmitri Medwedew sowie Michelle Obama, Frau des US-Präsidenten Barack Obama vertreten.

15.000 Statisten präsentieren britische Geschichte

"Insel der Wunder" lautete das Motto der Inszenierung des britischen Regisseurs Danny Boyle. 15.000 Statisten stellten die vielfältige Geschichte der britischen Inseln zwischen Tradition und Moderne dar. Dafür hatte Boyle das Olympiastadion zunächst in eine große, grasbewachsene Landschaft umgestalten lassen. Vom Agrarland mit Kühen, Gänsen und Schafen im Stadion-Innenraum verwandelte sich die Szenerie in wenigen Minuten in eine Industriegebiet mit rauchenden Schornsteinen. Schauspieler schmiedeten symbolisch die olympischen Ringe, die sich glühend zum Stadiondach erhoben.

Oscar-Gewinner Boyle hatte für die Show einige Berühmtheiten gewinnen können - sogar die Queen spielte mit. Elizabeth II. hatte dafür erstmals in ihrer mehr als 60 Jahre währenden Amtszeit eine Filmrolle übernommen: Sie posierte für eine Action-Szene an der Seite des britischen Geheimagenten James Bond alias Daniel Craig. Videobilder zeigten, wie "007" die 86 Jahre alte Königin am Buckingham Palast mit dem Hubschrauber abholte. Live sprang Craig dann mit einem Double per Fallschirm ins Stadion. Im selben Moment betrat die leibhaftige Queen an der Seite ihres Ehemannes Prinz Philip die Ehrentribüne des Stadions.

Spektakuläre Show hatte nicht immer etwas mit Sport zu tun

Als Geburtsland der Olympischen Spiele betrat Griechenland beim Einmarsch der 204 Nationen zuerst das Stadion, Gastgeber Großbritannien als Letzter. Die deutsche Delegation, angeführt von Fahnenträgerin Natascha Keller, lief mit Rund 200 Athleten an sechster Stelle ein.

Zweifellos war die Eröffnungsfeier von London eine große Show - auch wenn sich im Publikum viele fragten, was es noch mit einem Sportfest zu tun hat, wenn die Pop- und Literaturgeschichte Englands derart ausführlich ausgebreitet wird. Manches Mal schien Regisseur Boyle, berauscht von der eigenen, rund 34 Millionen Euro teuren Inszenierung, den Zweck dieser Veranstaltung aus dem Sinn verloren zu haben - ging es schließlich darum, die Athleten dieser Spiele zu feiern, nicht an New Order oder die Rolling Stones zu erinnern.

Für das Auge war es dennoch jederzeit ein Fest: Glänzend illuminiert, die Hundertschaften von Tänzern und Sängern perfekt in Szene gesetzt. Irgendwann erschien ein Spruch, den Regen erleuchtend: "This is for everyone." Und das stimmte wohl: Für die Queen, für die Fans von Mister Bean und die Freunde von Sir Simon Rattle oder Paul McCartney, der die Feier mit dem Beatles-Song "Hey Jude" beendete. Boyle hatte für jeden der 62.000 Zuschauer im Stadion und die bis zu vier Milliarden Menschen weltweit vor den TV-Geräten etwas dabei. Manchmal war es nur einen Tick zu viel.

Nach der rauschenden Auftaktparty gehören die Arenen bis zum 12. August den Sportlern, die in 302 Wettbewerben um Gold, Silber und Bronze kämpfen. An diesem Samstag stehen die ersten zwölf Entscheidungen auf dem Programm.

aha/psk

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Gratulation
titopoli 28.07.2012
Sehr intelligent, sehr witzig, im Vergleich zur Massendemonstration in Peking nicht so spektakulär, dafür aber mit mehr Sprit, Ideen, Geist. Gratulation nach London: absolut superior.
2.
female4 28.07.2012
ja, sind sie eröffnet ? - und, wie wars ? Spektakulär kostspielig ? Bestimmt !
3. Die Show von Labertaschen zerstört.
Gluehweintrinker 28.07.2012
Hier meine Mail an das ZDF: Sehr geehrte Damen und Herren, diese Dreier-Laberrunde war das Schlimmste, was sie dieser wundervollen Veranstaltung antun konnten. Allein die elenden Schwimm- und nochmal Schwimm-Monologe, ellenlange Rezitationen über Belohnungs-Kreuzfahrten, immer wieder Einblendungen der deutschen Mannschaft, die sich unter ihren Modehütchen zusammendrängt, während zahllose Mannschaften ungesehen und unkommentiert einmarschieren - DAS ist eine Zumutung für einen Zuschauer, der etwas von der Atmosphäre und dem Zauber dieser Veranstaltung miterleben will. Ihr Sportreporter geht mir schon im Mittagsmagazin mächtig auf die Nerven, aber wenn das alles ist, was das ZDF zu bieten hat, nein danke - dann geben sie das Geschäft doch gefälligst an die ARD ab. Die zahllosen Kommentare auf Facebook sprechen Bände... Wann haben Sie gelernt, Fernsehen zu machen und vor allem: von wem? Ein guter Tipp zum Schluss: Fistelstimmen, und seien sie noch so kompetent, gehören nicht ins Radio und auch nicht ins Fernsehen. Warum wohl liest Susanne Daubner die Tagesschau und nicht Verona Pooth? Leider wurde es ein ärgerlicher Abend.
4. Falsch
Thomas Kossatz 28.07.2012
der James Bond Darsteller sprang nicht live up, sondern im Film aus einem am Boden stehenden Hellicopter. Dann wurde auf zwei ganz andere Fallschimspringer umgeschnitten.
5. Und an der Olympischen Flagge: Ban Ki Moon!
laolu 28.07.2012
Zitat von sysopWas für eine Eröffnungsshow! Phantasievoll, witzig, verrückt - und sehr britisch. Die Queen hat in London die XXX. Olympischen Spiele eröffnet. Das Feuer durften sieben Nachwuchs-Athleten entzünden. London 2012: Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,846879,00.html)
OK, der Friedensnobelpreis ist schon lange diskreditiert, warum soll es den Olympischen Spielen anders ergehen.
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