Olympia-Bewerber Los Angeles Sexy und stolz darauf

Das Boston-Debakel ist vorbei, Los Angeles greift nach den Olympischen Sommerspielen 2024. Der US-Bewerber hat gute Chancen. Arenen und Hallen sind vorhanden, der Rückhalt ist so groß wie die Erfahrung mit Mega-Events.

Los Angeles: "Die Stadt ist der Welt größte Bühne"
Corbis

Los Angeles: "Die Stadt ist der Welt größte Bühne"


Nun also doch Los Angeles. Natürlich Los Angeles. Gastgeber 1932 und 1984, die heimliche Heimat der Sommerspiele in den USA. Dass die Stadt der Engel das größte Sportereignis der Welt mal wieder in die erfolgreichste Sportnation der Olympia-Geschichte holen soll, war nach dem Rückzug der Bostoner Bewerbung Ende Juli so vorhersehbar wie der Wechsel des Fußballers Kevin De Bruyne vom VfL Wolfsburg zu Manchester City.

"Los Angeles ist gemacht hierfür, die Stadt ist der Welt größte Bühne", sagte Bürgermeister Eric Garcetti stolz. Auch Scott Blackmun klang erleichtert. Der Geschäftsführer des nationalen Olympischen Komitees, USOC, bedankte sich bei Los Angeles dafür, dass die Stadt "einmal mehr als US-Bewerber einspringt." Der Stadtrat hatte zuvor einstimmig (15:0) dafür votiert, die Mission anzugehen - und somit das USOC nach dem frühen Scheitern der Olympia-Bewerbungen von New York 2012 und Chicago 2016 vorerst vor einer weiteren Blamage bewahrt. Man fühle sich glücklich, betonte Blackmun.

Er stand am Strand von Santa Monica, als er L.A. als US-Bewerber bekannt gab. Die Sonne schien, der Himmel war blau, eine leichte Brise vom Meer - Kalifornien wie aus dem Reiseführer. Es passte ins Bild, dass Blackmun nicht mit Anzug und Krawatte auftrat und den obersten Knopf an seinem hellen Hemd offen ließ. Er sprach von "unglaublichem Enthusiasmus", einer "wirklich guten Partnerschaft" sowie einer "starken Bewerbung."

Was hatte man sich bei Boston gedacht?

Knapp neun Monate zuvor hatte es noch ein ganz anderes Bild gegeben. Am 9. Januar war Blackmun im Convention Center von Boston. Und bereits damals gab es von ihm die Worte "starker Partner" und "großartige Bewerbung". Draußen rieselte der Schnee, die Luft war diesig. Tags zuvor hatte sich das USOC bei einem Treffen am Flughafen von Denver überraschend für die Massachusetts-Metropole und gegen Los Angeles entschieden. Die Frage muss gestattet sein, was Amerikas Ober-Olympioniken sich dabei gedacht hatten.

Los Angeles hat Olympia-Geschichte und ein riesiges Renommee. Eröffnungs-und Abschlussfeier sowie die Leichtathletik-Wettbewerbe wieder im Coliseum: Erinnerungen an den "Rocket Man", der am 28. Juli 1984 vor dem Einmarsch der Nationen durch die Arena flog, oder an Carl Lewis, den viermaligen Goldmedaillen-Gewinner der Spiele, werden wach. Der Marathon und das Straßenrennen der Radsportler auf dem Hollywood-Boulevard, Beachvolleyball am Strand von Santa Monica - das klingt nicht nur sexy.

Los Angeles kann wieder Retter sein

Bis auf ein Aquatic Center sind nahezu alle Wettkampfstätten, unabhängig von den Spielen bereits in Planung oder vorhanden - wenngleich viele, wie das Coliseum, renoviert werden müssen. Boston hatte fast nichts von alledem - im Gegensatz zum kalifornischen Kontrahenten jedoch schon vor dem USOC-Entscheid eine Olympia-Opposition, die die Bevölkerung skeptisch werden ließ und den Machern jeglichen Spaß an ihrem angedachten Ringe-Zirkus nehmen sollte.

Coliseum in Los Angeles (1984): Event-erprobte Arena
Getty Images

Coliseum in Los Angeles (1984): Event-erprobte Arena

Blackmun war nun sichtlich bemüht, das Kapitel Boston zu umgehen, wich Fragen danach aus und sprach viel lieber über Los Angeles, das zum zweiten Mal als Retter auftritt. Als 1978 das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Gastgeber der Sommerspiele 1984 ernennen wollte, gab es nur einen Kandidaten - Los Angeles. Teheran hatte ein Jahr zuvor als letzter Mitstreiter seine Kandidatur zurückgezogen, andere Städte waren bereits vorher abgesprungen. Das Beispiel Montreal hatte sie abgeschreckt. Die Spiele dort hatten im Sommer 1976 einen immensen Schuldenberg verursacht, für den die Steuerzahler mehr als 30 Jahre brauchten, um ihn zu tilgen.

Los Angeles hingegen ließ sich nicht einschüchtern, lieferte glanzvolle Spiele ab, erwirtschaftete einen Reingewinn von fast 100 Millionen Dollar, nutzte jedoch auch seinen Status als alleiniger Bewerber. Die Stadt unterschrieb nicht den IOC-Knebelvertrag, der besagt, dass die Gastgeber für eventuelle Mehrkosten aufkommen müssen. Um diese Unterschrift wird Garcetti angesichts der Mitstreiter Hamburg, Paris, Rom und Budapest jetzt jedoch nicht herumkommen.

Knapp sechs Milliarden Dollar soll das Olympia-Budget betragen, rund 1,7 Milliarden Dollar kommen von privaten Investoren. Allein 925 Millionen Dollar dieser Summe sollen ins Athletendorf gesteckt werden, das auf einem 125 Hektar großen Bahn-Gelände geplant ist. Problem: Das Areal gehört nicht der Stadt. Wirtschafts-Professor Andrew Zimbalist vom Smith-College in Massachusetts hat deshalb bereits gewarnt, dass die anvisierten Kosten auch schnell in das Zwei- oder gar Dreifache ausufern können.

Dennoch sehen die Bürger von Los Angeles die Bewerbung als "lohnendes Risiko." Eine USOC-Umfrage ergab, dass 81 Prozent der Bewohner für das Großereignis sind. Los Angeles und die Sommerspiele 2024 - das wäre, so schrieb Kolumnist Bill Plaschke in der "Los Angeles Times", die "Hollywood-Hochzeit des Jahrhunderts".

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
flaviussilva 02.09.2015
1. Drücke ihnen ganz fest die Daumen.
Wenn es L.A. wird, dann hat man auch im Fernsehen seine Ruhe davor, der Zeitverschiebung sei Dank.
deus-Lo-vult 02.09.2015
2.
War doch erst 1984. Wenn es L.A. wird, dann wohl ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen.
qewr 02.09.2015
3. Fantastisch!
Dann kann man Olympia genießen *und* arbeiten gehen!
Boesor 02.09.2015
4.
wieso hat man dann im TV seine Ruhe? Wenn es dort losgeht ist bei uns beste Sendezeit
PhysMar 02.09.2015
5. Nicht so ganz...
Zitat von flaviussilvaWenn es L.A. wird, dann hat man auch im Fernsehen seine Ruhe davor, der Zeitverschiebung sei Dank.
Da werden Sie (wie immer bei Olympia) Rund-um-die-Uhr-Beschallung haben: Liveübertragungen Ortszeit in Deutschland von ca. 19 Uhr bis 9 Uhr morgens, direkt im Anschluss Wiederholungen was nachts so passiert ist...
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