Frühjahrsklassiker Mailand-Sanremo Wer zu spät kommt, den bestraft Nibali

Ausreißer haben es im Radsport oft schwer, wenn Sprinter im hohen Tempo heranfliegen. Beim Klassiker Mailand-Sanremo war es mal anders, Vincenzo Nibali rettete einen minimalen Vorsprung.

Sieger Vincenzo Nibali
AFP

Sieger Vincenzo Nibali


Im Radsport ist es alltäglich, wenn sich Ausreißer bis kurz vor der Ziellinie Hoffnung auf einen Sieg machen und dann doch vom Sprinter-Express eingeholt und durchgereicht werden. So dachten sich das auch die Teams beim Frühjahrsklassiker Mailand-Sanremo, doch Vincenzo Nibali rettete wenige Meter seines Vorsprungs und feierte einen Sieg vor heimischer Kulisse.

Kurz blickte sich Nibali auf der berühmten Via Roma noch mal um, dann hob der "Hai von Messina" trotz der heranjagenden Verfolger jubelnd die Arme in die Höhe. Der Italiener hatte mit einer Attacke am Poggio die 109. Ausgabe des Klassikers entschieden und der versammelten Sprinterelite ein Schnippchen geschlagen. Nach 294 Kilometern und über sieben Fahrstunden rettete Nibali einen hauchdünnen Vorsprung ins Ziel.

Sieben Kilometer zuvor hatte der 33-Jährige an der letzten Schlüsselstelle des Tages alles auf eine Karte gesetzt. Nibali trat an und lag am Scheitelpunkt des Poggios etwa 15 Sekunden voraus. Mit seinen Abfahrtsfähigkeiten hielt er die Verfolger mit Weltmeister Peter Sagan auf Distanz und hatte auch auf den letzten flachen Kilometern das nötige Stehvermögen.

"Ich muss dem gesamten Team danken, ich konnte mich die ganze Zeit verstecken. Als ich nach meinem Angriff plötzlich 20 Sekunden Vorsprung hatte, war ich überrascht, wusste aber, dass ich jetzt alles geben muss", sagte Nibali, der von den Fans in Sanremo gefeiert wurde. Nibali siegte als erster Italiener seit 2006.

Hinter Nibali gewann der Australier Caleb Ewan den Sprint einer größeren Gruppe vor Arnaud Démare (Frankreich). Für Top-Favorit Sagan blieb nur Rang sechs. "Vincenzo hat alle überrascht. Ich wollte andere reagieren sehen, aber es gab keine Reaktion. Ich freue mich, dass jemand solche Courage gezeigt hat", sagte Sagan.

Der Rostocker André Greipel stürzte nach einem bis dahin starken Rennen wenige Kilometer vor Schluss und soll sich einen Schlüsselbeinbruch zugezogen haben. "Zu 100 Prozent", sagte Greipel noch vor der Untersuchung im Krankenhaus. "Er kennt das Gefühl", sagte auch Marc Sergeant, Greipels Teamchef bei Lotto-Soudal.

krä/sid

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