Manipulation von Dopingkontrollen Rumänischer Laborleiter vertuschte Dopingfunde

Das rumänische Dopingkontrolllabor ist seit Monaten gesperrt. Ein interner Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur zeigt nun: In Bukarest wurde wohl manipuliert, vermutlich gesteuert von einer "externen Instanz".

Flaschen für Urinproben
AP

Flaschen für Urinproben

Von , Thilo Neumann und


Im Dopingkontrolllabor von Bukarest sind mindestens zwei positive Dopingproben verschleiert worden. Das geht aus einem internen Untersuchungsbericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hervor, der dem SPIEGEL von der Hackergruppe "Fancy Bears" zugespielt wurde.

Seit Ende November 2017 ist das rumänische Labor von der Wada suspendiert. Als Grund nannte die Agentur zunächst "mehrere Abweichungen" von den internationalen Richtlinien, an die sich Labore mit Wada-Akkreditierung zu halten haben. Der Untersuchungsbericht beschreibt nun, wie dilettantisch der damalige Leiter agierte.

Bei den vertuschten Proben handelt es sich um den Urin zweier rumänischer Ringerinnen aus einem Test im April 2016. Bei der Analyse im Kontrolllabor wurde demnach der Wirkstoff Furosemid gefunden, der als Maskierungsmittel eingesetzt wird und seit Jahren auf der Verbotsliste steht. Dennoch meldete Valentin Pop, der damalige Leiter des Labors, die Befunde nicht, sondern trug sie in der Wada-Datenbank Adams als negative Proben ein.

"Ich muss zugeben, dass wir hier nicht so professionell sind"

Nachdem offenbar ein Informant die Wada darauf aufmerksam gemacht hatte, statteten deren Ermittler dem Labor am 1. Juni 2016 einen Überraschungsbesuch ab und beschlagnahmten Proben. Nur einen Tag später hätten Wada-Ermittler live in der Datenbank Adams verfolgen können, wie sich der Nutzer "valentin.pop" angemeldet und den Status der verdächtigen Proben geändert habe, von "negativ" in "auffällig". "Ich war sehr beschäftigt und habe bei dem Eintrag nicht richtig aufgepasst", erklärte Pop gegenüber den Ermittlern den Vorgang.

Insgesamt machte der Rumäne, der mittlerweile nicht mehr das Labor leitet, auf die Ermittler keinen überzeugenden Eindruck. "Ich muss zugeben, dass wir hier nicht so professionell sind", sagte Pop laut Untersuchungsbericht bei einer Befragung durch Wada-Ermittler.

Die Verschleierung von Dopingbefunden ist nicht der einzige Verstoß gegen die Richtlinien. Bei von der Wada veranlassten Tests im Juli 2016 konnte das Labor in Proben weder das Peptidhormon GHRP-2, noch das Herzmittel Meldonium finden, obwohl diese zum damaligen Zeitpunkt bereits auf der Verbotsliste standen. Pop gab an, über keine Nachweismöglichkeit für beide Wirkstoffe zu verfügen.

Der Wada-Bericht hält Valentin Pop für fremdgesteuert. "Direktor Pop hat nicht alleine gehandelt", heißt es im Report der Geheimdienst- und Untersuchungskammer der Anti-Doping-Agentur. Der Laborleiter sei von einer "externen Instanz" gesteuert worden. Auf SPIEGEL-Anfrage wollte sich die Wada nicht zu Details des Falls äußern. Weitere Untersuchungen hinsichtlich einer möglichen Einflussnahme von außen auf das rumänische Labor wurden nach SPIEGEL-Informationen allerdings eingeleitet.

Pop und seine Stellvertreterin Mirela Zorio wurden inzwischen von ihren Aufgaben entbunden. Am heutigen Mittwoch tagt in Montreal das Wada-Exekutivkomitee, das beraten soll, ob das Labor in Bukarest weiter gesperrt bleibt.

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