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5 Minuten Rückstand: Marathon-Läufer kommt zu spät - und gewinnt trotzdem

Marathon-Läufer Nagahoo: "Ich war sauer auf mich selbst" Zur Großansicht
Matthias Hoch

Marathon-Läufer Nagahoo: "Ich war sauer auf mich selbst"

Dieses Rennen wird Firaa'ol Eebbisaa Nagahoo nicht so schnell vergessen: Der Äthiopier verpasste den Start des 16. Fränkischen-Schweiz-Marathons um fünf Minuten - und gewann dennoch.

Firaa'ol Eebbisaa Nagahoo sorgte am vergangenen Wochenende für ein kurioses Rennen. Als der Äthiopier im Startbereich des Fränkischen-Schweiz-Marathons ankam, waren die anderen bereits losgelaufen. Für den Afrikaner allerdings kein Grund, der Konkurrenz das Feld kampflos zu überlassen. Der 26-Jährige, der im Januar 2014 nach Deutschland kam, nahm die Verfolgung auf - mit großem Erfolg.

Mit über fünf Minuten Rückstand war Nagahoo ins Rennen gegangen. Ein Nachteil war dies allerdings nicht. Am Ende gewann er in einer Zeit von 2:34 Stunden das Rennen und die Herzen der Zuschauer. Der Äthiopier, der vor über vier Jahren über Kenia nach Belgien flüchten musste, wohnt mittlerweile in Hof an der Saale an der tschechischen Grenze.

SPIEGEL ONLINE sprach mit dem Sieger über den wohl kuriosesten Marathon seiner Laufbahn.

SPIEGEL ONLINE: Herr Nagahoo, warum sind Sie zu spät gekommen?

Nagahoo: Ich dachte eigentlich, dass das Rennen erst um 9.30 Uhr beginnt. Deswegen bin ich zu 8.35 Uhr mit dem Zug angereist. Leider begann es aber schon um 8.30 Uhr.

SPIEGEL ONLINE: Was waren Ihre Gedanken, als Sie dies realisierten?

Nagahoo: Ich war vor allem sauer auf mich selbst. Nach all dem harten Training in den vergangenen Monaten. Ich hatte keine großen Erwartungen mehr, aber ich wollte unbedingt laufen. Ich habe nicht wirklich dran geglaubt, das Rennen noch zu gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie die Ersten eingeholt?

Nagahoo: Nach fünf Kilometern habe ich die ersten Läufer aus der Ferne gesehen. Ungefähr nach neun Kilometern habe ich dann die ersten überholt. In dem Moment habe ich realisiert, dass noch etwas gehen könnte.

SPIEGEL ONLINE: Was dann ja auch geklappt hat.

Nagahoo: Ja, das war etwas ganz Besonderes. Das Wetter war sehr schlecht, die Bedingungen extrem hart, es ging ständig auf und ab. Trotz des Sieges bin ich nicht wirklich glücklich mit meiner Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange betreiben Sie Ihre Sportart schon?

Nagahoo: Wirklich professionell bin ich nie gelaufen. Besonders geprägt hat mich meine Jugend in Afrika, als ich immer eineinhalb Stunden zur Schule laufen musste. Möglicherweise habe ich daher die gute Ausdauer. In meiner Zeit in Belgien habe ich fast drei Jahre keinen Sport betrieben, weil ich psychische Probleme hatte. In Deutschland habe ich dann das Training wieder aufgenommen.

Die Fragen stellte Bastian Midasch

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1. Herzlichenn Glückwunsch!
CommonSense2006 08.09.2015
Das nenne ich Sportsgeist! Er kam, weil er laufen wollte und wurde für seine spprtloche Haltung belohnt, so muss es sein. Weiter so
2. ein Siege durch eine Aufholjagd ...
pierreluetzelstein 08.09.2015
... ist der Beste, den es gibt ! Wer so ein Rennen noch gewinnt, nimmt ein Höchstmaß an Rückenwind in den weiteren Verlauf der Saison mit. Erinnert u. a. an das 7:4 des FCK gegen die Bayern nach einem 1:4-Rückstand in der 58. Minute.
3.
steffen_linkser 08.09.2015
Die Geschichte kann aber so nich stimmen. 1. Bei dem Lauf gabs ne elektronische Zeitmessung, sprich es wurde so oder so die individuelle Zeit gemessen 2. Laut Homepage ist die Strecke relativ flach 3. Nach 5km gibt es eine Wende, sprich er muss die ersten Laeufer schon deutlich eher gesehen haben, da sie im auf der anderen Strassenseite bereits entgegengekommen sind.
4.
crunchy_frog 08.09.2015
Zitat von steffen_linkserDie Geschichte kann aber so nich stimmen. 1. Bei dem Lauf gabs ne elektronische Zeitmessung, sprich es wurde so oder so die individuelle Zeit gemessen 2. Laut Homepage ist die Strecke relativ flach 3. Nach 5km gibt es eine Wende, sprich er muss die ersten Laeufer schon deutlich eher gesehen haben, da sie im auf der anderen Strassenseite bereits entgegengekommen sind.
Wenn Sie schon auf der Homepage des Marathonlaufs waren, hätten Sie auch mal einen Blick auf die Ergebnisliste werfen können, dann hätte sich vieles geklärt. Da wird eben diese Person als Schnellster geführt, mit netto über neun Minuten Vorsprung vor dem Zweitplazierten. Passt also alles, der war nicht nur individuell der Schnellste, sondern hat auch seinen relative Rückstand aufgeholt und damit als erster das Band durchbrochen. Erwähnen sollte man aber, dass das Niveau des Marathons nicht eben hoch war. Selbst mit drei Stunden wäre man noch 16ter geworden.
5. Einlaufreihenfolge entscheidet über Sieg, nicht Zeit
morgen_wurde 08.09.2015
Zitat von steffen_linkserDie Geschichte kann aber so nich stimmen. 1. Bei dem Lauf gabs ne elektronische Zeitmessung, sprich es wurde so oder so die individuelle Zeit gemessen 2. Laut Homepage ist die Strecke relativ flach 3. Nach 5km gibt es eine Wende, sprich er muss die ersten Laeufer schon deutlich eher gesehen haben, da sie im auf der anderen Strassenseite bereits entgegengekommen sind.
Für die Platzierung auf dem Siegerpodest zählt die Reihenfolge des Zieleinlaufs bzw. wer das dort gespannte Band beim Einlauf zuerst berührt. Das ist jedenfalls die übliche weltweite Regelung bei Laufwettkämpfen. Es soll dadurch gerade die kuriose Situation vermieden werden, dass der erste Zieleinläufer gar nicht der Gewinner ist oder dass sich Läufer nicht der direkten Konkurrenz stellen, indem sie sich ihre eigene Startzeit machen, ohne dadurch Nachteile zu haben.
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