Marcel Wüst "Die Schmerzen waren die Hölle"

Medizin ist keine Mathematik, sagt sich Radprofi Marcel Wüst. Und deswegen hat er die Hoffnung auf eine volle Sehkraft und die Rückkehr ins Fahrerlager auch noch nicht aufgegeben.


Köln - Am Mittag des 11. Augusts war es, als Marcel Wüst bei einem Rennen in Südfrankreich stürzte. Er brach sich das Jochbein und die Augenbraue, wurde dreimal operiert. Doch alles vergebens: Die Ärzte konnten sein rechtes Auge nicht retten. Jetzt beträgt seine Sehkraft rechts nur 0,5 Prozent, doch seinen Optimismus hat der Kölner mit Herz und Seele nicht verloren: "Vielleicht passiert ein kleines Wunder und ich kann mit dem rechten Auge doch bald wieder richtig gucken. Dann fahre ich auch wieder Rennen."

Marcel Wüst in der Klinik: Die Ärzte konnten sein rechtes Auge nicht retten
DPA

Marcel Wüst in der Klinik: Die Ärzte konnten sein rechtes Auge nicht retten

Marcel Wüst hat ein Jahr aller Höhen und Tiefen hinter sich. Anfang Juli stahl der Festina-Sprinter bei der Tour de France dem Team Telekom die Schlagzeilen. Gleich zum Auftakt holte er sich das Bergtrikot und schnappte Erik Zabel auf der fünften Etappe den Sieg vor der Nase weg. Vor der internationalen Presse setzt er die Show fort: "Wie hätten Sie es gern? Ich spreche sieben Sprachen, darunter natürlich Kölsch."

Wüst will zumindest "ein wenig mitrollen"


Mit seinem Sohn Alexander unterhält er sich derzeit nur auf Englisch: "Wir waren drei Monate in Australien, da haben wir damit angefangen." In Down under hat sich Wüst von der schweren Zeit in der Klinik erholt. "Die Schmerzen waren die Hölle", erinnert er sich. Kurz nach Neujahr geht es nach Mallorca: Dort trifft sich Wüst mit der Festina-Truppe zumTrainingslager - auch, wenn die Chance auf ein Rennteilnahme im Jahre 2001 praktisch gleich Null ist. "Ich will zumindest ein wenig mitrollen", sagt er.

Festina hat Wüsts Vertrag sofort verlängert. Er hat es sich mehr als verdient: Denn kaum ein anderer ist in der Profiszene so beliebt und populär wie "El Aleman" - und daran soll sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Ob als Fahrer oder im Betreuerstab, das kann er selbst entscheiden: "Im Februar komme ich zur Untersuchung nach Köln zurück, dann werden wir wissen, ob noch ein kleines Wunder geschehen ist."



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