Finalturnier im College-Basketball Der Wahnsinn beginnt

Kaum ein Event in den USA ist so beliebt wie das Finalturnier im College-Basketball. Millionen wetten auf einen Sieger, unter ihnen Barack Obama. Doch nach etlichen Skandalen ist klar: Der Uni-Sport muss sich ändern.

AP

Von Eike Hagen Hoppmann


Der Superbowl gilt zwar als das größte Sportereignis des Jahres. Viele Amerikaner würden aber im Zweifel die College-Meisterschaft im Basketball bevorzugen: March Madness. Weil es nicht nur drei Stunden, sondern drei Wochen dauert. Und weil es nicht nur ein Spiel, sondern 63 Spiele gibt.

März-Wahnsinn? Eigentlich reicht es schon, sich dieses Video anzuschauen. Es zeigt die letzten Minuten eines der spektakulärsten Basketballspiele der jüngeren Vergangenheit. Es spielten nicht die Golden State Warriors gegen die Cleveland Cavaliers, sondern die North Carolina Tar Heels gegen die Villanova Wildcats in einem NFL-Stadion vor 74.000 Fans. Es ging 40 Minuten Auf-und-Ab, am Ende entschied Villanova das Spiel mit einem erfolgreichen Dreier mit Ablauf der Zeit.

Das war vor zwei Jahren. In dieser Woche ist es wieder so weit. Am Mittwochabend haben sich die letzten Mannschaften für das Hauptfeld qualifiziert. 64 Teams spielen nun bis zum 2. April ihren Meister aus (einzelne Spiele gibt es im Fernsehen bei Dazn und Sport1 US zu sehen).

Anders als in den Playoffs der Profiligen NBA, NHL oder MLB gibt es keine Serien mit bis zu sieben Duellen. Ein einziges Duell entscheidet. Runde für Runde. Das erhöht die Chancen der Underdogs, mit nur einem guten Spiel den Favoriten rauszuschmeißen. In fast jedem Jahr schlägt eine Universität mit 3000 Studenten eine Uni mit 50.000 Studenten. Das macht die Faszination aus.

Fast noch größer als der sportliche Reiz sind aber die Tippspiele, die es rund um March Madness gibt. Jährlich wird in den USA millionenfach das Turnierbracket ausgefüllt und der March-Madness-Sieger getippt. Sogar Ex-Präsident Barack Obama ist jedes Jahr dabei - und lag in der vergangenen Saison sogar richtig mit seinem Siegertipp.

In den ersten beiden Runden starten die ersten Spiele mittags um zwölf Uhr Ortszeit. Die letzten Spiele des Tages enden gegen Mitternacht, bis dahin gibt es zwölf Stunden Basketball ohne Pause. March Madness ist für Fans so etwas wie der ultimative Sportmarathon. Es könnten also wieder drei unbeschwerte Wochen voller Sport werden, vielleicht wieder mit einem so spektakulären Finale wie vor zwei Jahren.

Aber in diesem Jahr ist es anders: College-Basketball wird von Bestechungsvorwürfen überschattet, die den Sport nachhaltig beschädigen könnten.

  • Im September verhafteten US-Behörden zehn Personen, die im Verdacht stehen, Bestechungsgelder an Highschool-Spieler gezahlt zu haben, damit sie sich für eine bestimmte Universität entscheiden. Darunter waren mehrere Assistenztrainer und auch ein Manager des deutschen Sportartikelherstellers Adidas.
  • Im Februar erkannte die NCAA den Louisville Cardinals ihre Meisterschaft aus dem Jahr 2013 ab. Mitarbeiter sollen Sexpartys organisiert haben, um Talente an die Universität zu locken.
  • Im Februar berichtete Yahoo Sports, dass mehrere bekannte Collegespieler finanzielle und andere Vergünstigungen erhalten haben sollen. Darunter sind aktuelle Collegestars wie Michigan States Miles Bridges, aber auch ehemalige Spieler wie Dennis Smith Jr., der inzwischen in der NBA für die Dallas Mavericks aufläuft.

Diese Beispiele sind aber nur die Folgen eines grundsätzlichen Problems.

Collegesport ist in den USA offiziell Amateursport. Die Spieler dürfen kein Geld verdienen und auch nicht mit Geld verpflichtet werden. Auf der anderen Seite ist Collegesport ein Milliardengeschäft, in dem die College-Organisation NCAA und die Universitäten viel Geld umsetzen. Auch die Trainer bekommen Gehälter in Millionenhöhe. Lediglich die Spieler bekommen von allem nichts ab. Sie erhalten ein Stipendium, mehr aber nicht.

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March Madness: Das sind die Favoriten auf die Meisterschaft

Wer die besten Spieler hat, verkauft mehr Tickets, bekommt höhere TV-Einnahmen - und kann sich mit Siegen bei March Madness landesweit profilieren. Das schafft Anreize, die besten Talente des Landes mit allen Mitteln an eine Universität zu locken - auch wenn sie verboten sind. Für einen 17- bis 18-jährigen Schüler sind solche Angebote häufig lukrativ, zumal manche unter hohem finanziellen Druck stehen. So liefert das College-System den Nährboden für die Korruptionsfälle, die nach und nach öffentlich werden.

NBA überlegt Änderung der Regularien

NBA-Star LeBron James nannte die NCAA vor dem Hintergrund der Skandale "korrupt". Die NBA überlegt laut einem Bericht von ESPN, ihre Regularien für Nachwuchsspieler zu ändern. Bislang mussten die nach der Schulzeit ein Jahr College spielen (oder pausieren), bevor sie mit einer professionellen NBA-Karriere beginnen durften. Sollte diese Regelung nun wegfallen, könnten die besten Talente des Landes direkt von der Highschool in die NBA wechseln - und um die Universitäten einen Bogen machen.

Die sportliche Qualität würde darunter zwar leiden, für den Collegesport insgesamt könnte es aber die Rettung sein. Die besten Spieler könnten im Profibereich Geld verdienen und müssten sich nicht mehr unter Wert verkaufen. Parallel würde auch der Druck auf NCAA und Universitäten steigen, ihre Spieler finanziell an den Gewinnen zu beteiligen.

Das würde zwar auch etwas von dem Reiz nehmen, durch den sich Collegesport auszeichnet: der Amateursport als Gegensatz zum Kommerz. Aber wenn sich nichts ändern sollte, könnte das den Collegesport zerstören. Und mit ihm das beste Turnier, das er hervorgebracht hat.



insgesamt 5 Beiträge
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palerider78 15.03.2018
1. Hier in Michigan..
... gehen gleich zwei Mitfavoriten an den Start: Die Wolverines der University of Michigan und die Spartans der Michigan State University. Die Wetten laufen, wer von beiden es weiter schafft; ein direktes Aufeinandertreffen waere erst im Finale moeglich. Korruption im (Amateur-) Sport ist nie schoen, aber wie im Artikel bereits erwahn: Es ist ein Milliardengeschaeft auch fuer die Unis und den allermeisten Zuschauern ist es das Spektakel wert. Die persoenliche Praeferenz geht aber eindeutig in Richtung der Wolverines, hier ist auch ein deutsches Talent (Moritz Wagner aus Berlin) mit am Start, der sehr vielversprechende Ansaetze besitzt und bald auch in der NBA zu sehen sein koennte. GO BLUE!
A. Merkel 15.03.2018
2. beliebt ?
ich habe jahrelang in den USA gelebt, an der West- wie an der Ostküste. Football und Baseball sind populär. Für College-Basketball interessiert sich dort kaum jemand. So wie in Deutschland für Hockey oder Volleyball oder Biathlon. Eine völlige Randsportart.
palerider78 15.03.2018
3.
Zitat von A. Merkelich habe jahrelang in den USA gelebt, an der West- wie an der Ostküste. Football und Baseball sind populär. Für College-Basketball interessiert sich dort kaum jemand. So wie in Deutschland für Hockey oder Volleyball oder Biathlon. Eine völlige Randsportart.
Deshalb tippt ein C-Promi wie Obama wohl auch mit :) Dann ist es vielleicht ortsabhaengig. Hin MI drehen viele grad ziemlich durch; bereits das BIG TEN-Turnier der Basketballer vor 2 Wochen hat grosse Aufmerksamkeit genossen. Und hatte ausserdem den 'richtigen' Sieger, hehe.
EmKay 15.03.2018
4. Oh nein
Zitat von palerider78Deshalb tippt ein C-Promi wie Obama wohl auch mit :) Dann ist es vielleicht ortsabhaengig. Hin MI drehen viele grad ziemlich durch; bereits das BIG TEN-Turnier der Basketballer vor 2 Wochen hat grosse Aufmerksamkeit genossen. Und hatte ausserdem den 'richtigen' Sieger, hehe.
Den typisch deutschen Misanthropen bekommt man nur zurück in den Bau, wenn man ihn nicht zitiert und am besten einfach ignoriert. Sonst fühlt er sich noch weiterhin genötigt uns seine Sicht der Dinge als die einzig wahre Wahrheit zu verkaufen. Es ist einfach so typisch deutsch alles schlecht und mies zu reden. Milliarden werden umgesetzt, Millionen schauen zu und freuen sich. Aber der deutsche Misanthrop weiß es besser, denn schließlich "interessiert es keine Sau". Keine Sau interessieren solche Äußerungen, deren einzige mögliche Wirkung darin besteht Dinge schlecht und klein zu reden, die andere erfreuen. Na dann: Danke für Nichts deutscher Misanthrop, ich gehe jetzt und freue mich mit allen die sich an etwas erfreuen :)
palerider78 16.03.2018
5. Zu EmKay
Pst! Das will diese Art von Menschen nun wirklich nicht hören. Es ist vor allem schade, dass selbst ein Aufenthalt in den Staaten nichts an der Grundeinstellung geändert hat... die meisten Leute hier sind so spontan, lebensfroh und freundlich... das steckt einfach an. Und sollte ich jemals wieder nach D zurückkehren: Die positive Einstellung nehme ich definitiv mit!
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