Basketball-Talent Wagner im College-Finale Nowitzki wartet schon

Moritz Wagner hat im Halbfinale der College-Meisterschaften begeistert, auch Dirk Nowitzki ist vom deutschen Nachwuchsspieler beeindruckt. Gewinnen der 20-Jährige und die Michigan Wolverines nun den Titel?

Moritz Wagner
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Moritz Wagner

Von Eike Hagen Hoppmann


68.000 Zuschauer waren in der Halle dabei, als Moritz Wagner eine der wohl besten Leistungen in einem Halbfinale um die College-Basketball-Meisterschaft ablieferte. Und einer von ihnen, CBS-Kommentator Bill Raftery, konnte sogar ein Andenken von diesem historischen Abend mit nach Hause nehmen: seine demolierte Brille.

Wagner selbst war für den Schaden verantwortlich: Kurz vor Schluss, die Partie war schon entschieden, versuchte der 20-Jährige einen Ball artistisch vor dem Aus zu retten und rauschte dabei in den Tisch der TV-Kommentatoren.

Moritz Wagner
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Es war eine Szene mit Symbolcharakter: Wagner war an diesem Abend nicht zu stoppen - und wird deshalb nicht nur Raftery in Erinnerung bleiben. Mit 24 Punkten und 15 Rebounds beim 69:57-Sieg gegen Loyola Chicago sorgte Wagner fast im Alleingang für den Finaleinzug seiner Michigan Wolverines. In der Nacht von Montag auf Dienstag (3.20 Uhr MESZ, Stream: Dazn) können die Wolverines mit einem Sieg im Finale gegen die Villanova Wildcats die College-Meisterschaft gewinnen.

Wagner, 2,11 Meter groß, in Berlin geboren, hat sich als einer der besten College-Spieler des Landes etabliert. Schon im vergangenen Jahr spielte er sich während des Turniers erstmals ins Licht der Öffentlichkeit. In diesem Jahr toppte er seine Leistungen nochmal, das zeigt eine Statistik: Wagner ist erst der dritte Spieler in den vergangenen 40 Jahren, der in einem Halbfinale auf mindestens 20 Punkte und 15 Rebounds kam. Die anderen beiden: Larry Bird (1979) und Hakeem Olajuwon (1983). Beide wurden anschließend zu Stars in der NBA.

Michigan spielte über weite Teile des Halbfinals fürchterlich. In der ersten Hälfte erzielte das Team gerade einmal 22 Punkte und lag Anfang der zweiten Hälfte sogar zweistellig zurück. Wagner hielt seine Mannschaft erst im Alleingang im Spiel und übernahm in der zweiten Hälfte endgültig die Kontrolle. Sogar der beste deutsche Basketballer der Geschichte meldete sich bei Twitter.

Während der regulären Saison war lange nicht davon auszugehen, dass Michigan es bis ins Finale schaffen würde. Erst in der elften Saisonwoche tauchte das Team zum ersten Mal in der Rangliste der besten 25 Mannschaften des Landes auf, die von der Nachrichtenagentur AP wöchentlich erstellt wird. Dass das Team nun um die Meisterschaft spielt, liegt vor allem an Wagner. In seinem dritten Jahr an der University of Michigan ist er der unumstrittene Star der Mannschaft. Wagner erzielte in dieser Saison im Schnitt 15 Punkte pro Spiel.

Allerdings liefen die March Madness für Wagner lange durchwachsen. Im Viertelfinale gegen Florida State traf er keinen seiner sieben Würfe von der Dreierlinie, in der ersten Runde gegen Montana kam er auf lediglich fünf Punkte. Nur im Achtelfinale gegen Texas A&M konnte er mit 21 Punkten überzeugen. Dann kam das Halbfinale gegen Loyola.

Tür in die NBA steht auf

Mit seiner überragenden Leistung vor dem landesweiten Publikum dürfte sich Wagner auch einen Platz in der NBA erspielt haben. Schon im vergangenen Jahr hatte er mit der Teilnahme am Draft geliebäugelt, in dem die NBA-Teams die besten Nachwuchsspieler auswählen. Kurz vorher verwarf er die Idee und entschied sich für ein weiteres Jahr am College. Wagner dürfte diese Entscheidung nicht bereut haben: Er steht nun dicht vor der Meisterschaft und hat seinen Wert deutlich gesteigert.

Und doch würde es diese Geschichte nicht geben, wenn Wagners Teamkollege Jordan Poole nicht diesen sensationellen Buzzer Beater getroffen hätte. In der zweiten Runde des Finalturniers sahen die Wolverines schon wie der sichere Verlierer aus. 3,9 Sekunden vor dem Ende hatte Michigan zwei Punkte Rückstand - und Gegner Houston zwei Freiwürfe. Houston traf keinen einzigen und gab Poole so die Chance, die Partie mit einem Verzweiflungswurf noch zu drehen. Er tat es.

Und nur wenige Tage später hat Michigan nun die Chance auf den Titel. Im Finale gegen Villanova ist Wagners Team allerdings nur Außenseiter. Die Wildcats überrannten im Halbfinale förmlich die ebenfalls hoch eingeschätzten Kansas Jayhawks und sind auch im Endspiel deutlich favorisiert. Auch wenn es schwer möglich ist: Wagner wird noch so ein überragendes Spiel wie gegen Loyola zeigen müssen, um die Meisterschaft gewinnen zu können. An der University of Michigan würden sie ihm dann ein Denkmal bauen.

Und Bill Raftery könnte seine demolierte Brille für viel Geld versteigern.

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Seite 1
palerider78 03.04.2018
1. Top Talent
Leider sieht es für die Wolverines aktuell zur Halbzeit nicht so gut aus... 9 Punkte hinten trotz gutem Start und 11 Punkte von Moe.
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