World Boxing Super Series 16 Boxer - 50 Millionen Dollar

Der Boxsport sucht nach neuen Helden. Dabei helfen soll die "World Boxing Super Series", ein 50-Millionen-Dollar-Turnier. Mit dabei: Marco Huck und Jürgen Brähmer. Alles Wichtige zum neuen Box-Event.

Oleksandr Usyk (links) und Marco Huck
imago/ Mandoga Media

Oleksandr Usyk (links) und Marco Huck


"Wir brauchen neue Helden", hat Promoter Kalle Sauerland im März bei der Präsentation der "World Boxing Super Series" gesagt. Das Boxen lebt wie kaum ein anderer Sport von charismatischen Superstars - und die sind im Moment Mangelware.

Muhammad Ali, Mike Tyson und der ungeschlagen zurückgetretene Floyd Mayweather jr. haben Fans weltweit innerhalb und außerhalb des Rings begeistert. In Deutschland zogen Henry Maske, Axel Schulz oder auch die Klitschko-Brüder mit ihren Kämpfen Millionen Zuschauer in den Bann.

Ihre möglichen Nachfolger sollen jetzt also in einem jährlich ausgetragenen Turnier gefunden werden. SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zur World Series, die am Samstagabend mit dem WM-Kampf zwischen Marco Huck und Oleksandr Usyk startet (22.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sat.1).

Wie läuft das Turnier ab und wer steckt hinter der Idee?

In jedem Jahr treten in zwei Gewichtsklassen jeweils acht Boxer im K.o.-System gegeneinander an. Insgesamt bestreiten also 16 Boxer 14 Kämpfe: Pro Gewichtsklasse vier Viertelfinals, zwei Halbfinals und ein Finale. Den Auftakt machen in dieser Saison das Cruisergewicht (bis 90,719 Kilogramm) und das Supermittelgewicht (bis 76,204 Kilogramm).

Ausgerichtet werden alle Veranstaltungen von der Schweizer Comosa AG, zu der neben Sauerland auch der ehemalige Chef der US-amerikanischen Golden Boy Promotion Richard Schaefer, der Schweizer Medienunternehmer Bernhard Burgener und die skandinavische MTG Group gehören.

Nach welchen Regeln wird gekämpft?

Jeder Kampf ist auf zwölf Runden angesetzt. Durch den K.o.-Modus sind Unentschieden ausgeschlossen. Aus diesem Grund kommen in der World Series vier statt der sonst üblichen drei Punktrichter zum Einsatz.

Das vierte Urteil wird allerdings nur dann hinzugezogen, wenn die Auswertung der ersten drei Punktzettel ein Unentschieden ergibt. Sollte auch der vierte Punktrichter Unentschieden werten, gibt die letzte Runde den Ausschlag über Sieg und Niederlage.

Um Fehlurteile auszuschließen, kommt der Videobeweis zum Einsatz. Bei Verletzungen oder Kampfabbrüchen nach strittigen Aktionen wie Kopfstößen oder Tiefschlägen kann sich der Ringrichter Zeitlupen anschauen, bevor er sein Urteil fällt.

Wann und wo wird geboxt?

Die Viertelfinals finden in den kommenden acht Wochen statt - an jedem Samstag gibt es einen Kampf. Die Halbfinalbegegnungen sind für Januar und Februar 2018 geplant, das große Finale steigt dann im Mai 2018 in Las Vegas.

Die Austragungsorte legen die Organisatoren fest. In der ersten Runde gibt es unter anderem Veranstaltungen in den USA, England und Lettland. Zwei Viertelfinalkämpfe werden in Deutschland ausgerichtet: Der Auftakt zwischen Huck und Usyk in der Berliner Max-Schmeling-Halle sowie das Supermittelgewichts-Duell zwischen dem Türken Avni Yildirim und dem Briten Chris Eubank jr. am 7. Oktober in Stuttgart.

Wer nimmt teil?

Der Anspruch der Organisatoren ist es, in jeder Gewichtsklasse die besten acht Boxer der Welt zu präsentieren. Im Cruisergewicht ist das fast gelungen. Die vier amtierenden Weltmeister Usyk (WBO), Mairis Briedis (WBC), Yunier Dorticos (WBA) und Murat Gassiev (IBF) setzen ihre Titel im Turnier aufs Spiel.

Hinzu kommen die Ex-Champions Huck und Krysztof Wlodarczyk sowie der schlagstarke Russe Dmitriy Kudryashov und der ehemalige Schwergewichtler Mike Perez. Von den Top-Stars der Gewichtsklasse fehlt eigentlich nur der Russe Denis Lebedev.

Das Supermittelgewicht ist deutlich schwächer besetzt und eher eine erweiterte britische Meisterschaft als eine Weltliga. Vier der acht Teilnehmer sind Engländer: Eubank jr., George Groves, Callum Smith und Jamie Cox. Sie bekommen es mit dem Türken Yildirim, dem Schweden Erik Skoglund, Rob Brant aus den USA und dem deutschen Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer zu tun.

Zumindest Cox, Skoglund und Brant haben in einem Turnier der Besten eigentlich nichts zu suchen. Dafür fehlen unter anderem der ungeschlagene WBO-Weltmeister Gilberto Ramirez aus Mexiko, der britische IBF-Champion James DeGale, die starken amerikanischen Brüder Anthony und Andre Dirrell sowie aus deutscher Sicht Arthur Abraham und WBA-Weltmeister Tyron Zeuge.

Was verdienen die Boxer?

Insgesamt wird durch garantierte Antrittsbörsen und Siegprämien ein Preisgeld von 50 Millionen Dollar ausgeschüttet. Bei der Präsentation sprachen die Veranstalter von 400.000 Dollar Startgeld für alle Viertelfinalisten, Huck wollte das nicht bestätigen.

"Über Geld spricht man nicht", sagte der Ex-Weltmeister im Rahmen der Pressekonferenz auf die Frage, was er in seinem Duell mit Usyk verdiene. Fest steht: Wer drei Kämpfe und damit das Turnier in seines Gewichtsklasse gewinnt, geht unterm Strich mit über 10 Millionen Dollar nach Hause.

Zudem können sich die Sieger über die "Muhammad Ali Trophy" freuen, einen Pokal, der vom mittlerweile verstorbenen italienischen Bildhauer Silvio Gazzaniga entworfen wurde. Von Gazzaniga stammt auch der Entwurf zum Fifa Word Cup.

Gab es schon vergleichbare Turniere?

Normalerweise sind Boxkämpfe Einzelevents wie das Spektakel zwischen Mayweather jr. und Conor McGregor Ende August. Turniere gibt es im Amateurboxen bei den Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, bei den Profis sind sie unüblich.

Sauerland startete aber schon 2009 mit dem "Super Six World Boxing Classic" einen ersten Versuch, ein vergleichbares Format zu etablieren. Damals traten die sechs besten Supermittelgewichtler der Welt nicht im K.o.-System, sondern in einer Gruppenphase gegeneinander an, um jedem Boxer mindestens drei Kämpfe zu garantieren.

Das Super Six brachte zwar einige packende Duelle, wurde aber auch kritisiert, weil Kampftermine immer wieder verschoben wurden, das Turnier deswegen zu lange dauerte und drei der sechs ursprünglichen Teilnehmer schon in der Gruppenphase ausgetauscht wurden. In der World Series wollen Sauerland und seine Mitstreiter diese Probleme vermeiden, vor allem der strikte Zeitplan soll konsequent eingehalten werden.

Welche Chancen haben die deutschen Teilnehmer?

Huck trifft gleich im ersten Kampf auf den Top-Favoriten auf den Gesamtsieg. Der Ukrainer Usyk wurde schon als Amateur Europa- und Weltmeister sowie Olympiasieger und ist als Profi noch ungeschlagen. Vor einem Jahr krönte er sich durch einen haushohen Punktsieg gegen Glowacki zum WBO-Weltmeister.

Diesen Titel hatte Huck zwischen 2009 und 2014 gehalten, dann aber in einem spektakulären Kampf an Glowacki verloren. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Huck im Viertelfinale ausscheiden.

Wesentlich besser stehen die Chancen für Brähmer, der es am 28. Oktober mit dem international unerfahrenen US-Amerikaner Brant zu tun bekommt. Wenn Brähmer die Form früherer Tage erreicht, wird er Brant schlagen und ins Halbfinale einziehen. Dort droht dann allerdings ein Duell mit Callum Smith, der mit 1,91 Meter im wahrsten Sinne des Wortes eine Nummer zu groß für Brähmer sein dürfte.



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