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Dopingsünderin Scharapowa: Diabetes schützt vor Strafe nicht

Von Philipp Joubert

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Marija Scharapowa

Marija Scharapowa hat mit ihrem Doping-Geständnis für einen Skandal gesorgt. Mit einer beispiellosen PR-Aktion will die Russin einer langen Sperre entgehen. Dabei wirft ihr Vergehen doch viele Fragen auf.

Marija Scharapowas Dopinggeständnis hat die Tenniswelt aufgerüttelt. Möglicherweise regt der Fall sogar zum Umdenken an. Zwar hatte der Tennissport in den vergangenen Jahren einzelne Dopingfälle wie den von US-Open-Sieger Marin Cilic und Viktor Troicki gesehen. Doch trotz einiger Mutmaßungen und öffentlicher Aufforderungen von Spielern wie Andy Murray, die Frequenz der Kontrollen zu erhöhen, umwehte das Tennis bisher kaum Anrüchiges.

Dabei ist der Sport in den vergangenen Jahren viel physischer geworden. Die Athleten brauchen nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern vor allem ein anhaltend hohes Level an Konzentration. Daher wird es interessant, wie hart die ehemalige Weltranglistenerste bestraft werden wird. Vor allem aber auch, ob ihr Vergehen eine breite Doping-Diskussion im Tennis anstößt. Ist der Fall Scharapowa einfach nur ein technisches Missgeschick, ein Einzelfall oder gibt es vielleicht doch ein größeres Problem?

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    Marija Scharapowa, 28 Jahre alt, russische Tennisspielerin, hat insgesamt fünf Grand-Slam-Titel gewonnen, zuletzt die French Open 2014. 2005 wurde sie - als erste Russin überhaupt - an Platz eins der Tennis-Weltrangliste geführt. Zu ihren Stärken zählen vor allem Fitness, mentale Stärke, Siegeswille, sowie ein gewaltiger Aufschlag. Scharapowa gilt als Einzelgängerin, Angelique Kerber sagte einmal über sie: "Ich weiß nicht, wer sie ist. Keiner kennt sie wirklich." Aufgrund ihres akustisch lauten Spiels wurde sie auch "Queen of Scream" getauft.
Es ist bekannt, dass einige Spieler, zum Beispiel Novak Djokovic, umstrittene Methoden wie Überdruckkammern zur Regeneration benutzen. Aber zumindest in der Eigenwahrnehmung hat Tennis kein großes Dopingproblem. Wo im Radsport oder Mannschaftssportarten Asthma- und Scherzmittel als legalisierte Leistungsnachhilfen verbreitet sind, ist im Tennis nichts oder nur wenig bekannt über solche Methoden. Das liegt an dem nur langsam steigenden, öffentlichen Druck. Aber auch an der Struktur des Sports.

An der Grenze zum Legalen

Es gibt wenig Grund zur Zusammenarbeit unter den radikalen Einzelkämpfern. Gerade die Allerbesten konzentrieren sich vollkommen auf sich selbst, ein Informationsaustausch über Hilfsmittel jedweder Art ist wenig sinnvoll. Dass viele Tennisspieler wie andere Sportler trotzdem an der Grenze zum Legalen agieren, ist - wenn auch unbewiesen - wohl doch wahrscheinlich. Die wenigen Dopingfälle der vergangenen Jahre wurden in dieser Individualkultur allerdings nicht als Problem des Sports wahrgenommen, sondern als Einzelfälle oder Missgeschicke dargestellt.

So wie Scharapowa, die gestern vom Blatt ablas, was sie seit letzter Woche wusste. Sie war bei den Australian Open im Januar positiv auf das Dopingmittel Meldonium getestet worden. Was Scharapowa zu Gute gehalten wird und sicherlich löblich ist: Auch auf Nachfragen gab es keine Ausreden, sie schob die Schuld nicht auf ihr Team oder die Ärzte ab. Stattdessen übernahm sie die volle und alleinige Verantwortung.

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Tennisstar Scharapowa: "Ich habe einen großen Fehler gemacht"
Laut den Regularien der ITF dürfen nur Spieler ein Dopingvergehen öffentlich machen. Den Verantwortlichen ist dies bis zum Urteil nicht gestattet. Ist diese Richtline in Zeiten notwendiger Transparenz noch zeitgerecht, gerade wenn eine Spielerin wie Scharapowa, hier die Chance bekam, beste PR- und Mitleidsarbeit in eigener Sache zu leisten?

Und weitere Fragen bleiben offen: Wie konnte jemand wie Scharapowa die Nachricht verpassen, dass Meldonium mit Jahresbeginn von der Beobachtungsliste der Wada auf die Dopingliste gesetzt wurde? Schließlich reicht eine einfache Google-Suche, um zu sehen, dass Athleten schon im Herbst 2015 ausführlich über die neuen Bestimmungen gewarnt worden waren.

Meldonium in Russland weit verbreitet

Aber viel wichtiger, warum nahm sie eigentlich seit zehn Jahren ein Medikament, dass in den USA und auch Deutschland, zwar nicht verboten, aber auch nicht zugelassen ist? Gab es wirklich keine Alternativen zur Behandlung für den auf der Pressekonferenz angeführten Magnesiummangel und die Diabetes-Vorzeichen?

Ebenfalls interessant: Warum verkauft ein Mensch Süßigkeiten, wenn es wohl schon Familienprobleme mit Diabetes gibt? Vor allem in Großbritannien gab es immer wieder Kritik dafür, wie offen sie ihr Produkt "Sugarpova" bewarb. Im Licht ihrer Erklärungen für die jahrelange Einnahme des leistungssteigernden Mittels hinterlässt die Businessidee dann aber doch besondere Zweifel.

Scharapowas Anwalt John Haggerty berichtete den anwesenden Journalisten nach dem Ende der siebenminütigen Veranstaltung in Los Angeles, dass seine Mandantin die B-Probe nicht öffnen lassen werde.

Durch die Anerkennung der Realität wird Scharapowa nicht nur auf Milde der Dopingrichter hoffen, sondern auch versuchen, ihr Image zu beschützen. Ganz sicher will sie vermeiden als Teil eines größeren Dopingproblems wahrgenommen zu werden. Aus sportlicher Sicht hätte der Fall nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen können: In fünf Monaten stehen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro an - da will eine Scharapowa eigentlich nicht fehlen.

In einer früheren Version des Textes fehlte der Hinweis, dass der Internationale Tennisverband sich bis zum offiziellen Abschluss des Verfahrens nicht offiziell dazu äußern darf. Dies haben wir entsprechend ergänzt.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Witzig
schlumpf515 08.03.2016
"Wo im Radsport oder Mannschaftssportarten Asthma- und Scherzmittel als legalisierte Leistungsnachhilfen verbreitet sind, ist im Tennis nichts oder nur wenig bekannt über solche Methoden." Jetzt will man im Sport auch noch Scherzmittel verbieten? Gilt das nur für Witze über Minderheiten oder allgemein? Und wie will man das kontrollieren? Außerdem dürfte der Effekt auf die Leistung doch eher gering sein. ;)
2. Werbung - Sport
smokey55 08.03.2016
Zitat:"Warum verkauft ein Mensch Süßigkeiten, wenn es wohl schon Familienprobleme mit Diabetes gibt? Vor allem in Großbritannien gab es immer wieder Kritik dafür, wie offen sie ihr Produkt "Sugarpova" bewarb. Im Licht ihrer Erklärungen für die jahrelange Einnahme des leistungssteigernden Mittels hinterlässt die Businessidee dann aber doch besondere Zweifel." Also ich kann mich an einen dt. Fussballspiler erinnern, der hat Werbung für Fenster gemacht .... Hat jemand mal Moderatoren/Schauspieler gefragt ob sie Alkoholkrank sind, Diabetes haben obwohl sie Werbung für Alk. bzw. Lakritze machen? Dümmliche Suche nach Zusammenhängen die keinen interessieren.
3. Diabetes
HuFu 08.03.2016
"Ebenfalls interessant: Warum verkauft ein Mensch Süßigkeiten, wenn es wohl schon Familienprobleme mit Diabetes gibt?" Was soll dieser Schmarren an Frage? Auch Diabetiker dürfen Zucker essen und hach, vor allem auch Süßigkeiten verkaufen! Warum auch nicht? Ist das ein Verbrechen, dass man als Diabetiker Sweets & Candies verkaufen darf? Interessant an der Sache sind nur diese suggestiven Fragestellungen!
4. Es gibt in vielen
hwdtrier 08.03.2016
Ländern Medikamente die bei uns nicht, aber dort zugelassen sind. Medikamentös sind wir und die US nicht der Nabel der Welt. Und vielleicht erfolgte die Einstufung weil es bei nichts vergleichbares gibt. Das ist ein Wettbewerbsnachteil für uns gewesen.
5. Die Frage:
aurichter 08.03.2016
Warum wurde jetzt dieses Mittel auf die Dopingliste gesetzt und mit welcher Begründung? Welche angebliche Leistungssteigerung wird damit verbunden? Im Moment etwas diffus das Ganze.
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Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.

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