Positiver Dopingtest So geht es weiter im Fall Scharapowa

Der nächste Star ist entzaubert, Tennisspielerin Marija Scharapowa ist positiv auf eine verbotene Substanz getestet worden. Was droht ihr nun? Antworten auf die drängendsten Fragen.

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DPA

Was ist passiert?

Die russische Tennisspielerin Marija Scharapowa hat auf einer Pressekonferenz in Los Angeles bekannt gegeben, dass sie bei einem Dopingtest während der Australian Open in Melbourne positiv auf die Substanz Meldonium getestet wurde. Seit dem 1. Januar 2016 ist das Mittel verboten.

Was ist Meldonium?

Meldonium soll die Durchblutung fördern und wird unter dem Markennamen Mildronat als Herzmedikament in den baltischen Staaten und in Russland vertrieben. In Deutschland ist es als Arzneimittel nicht zugelassen. Sportler versprechen sich durch die Einnahme der Substanz eine Steigerung der physischen sowie mentalen Belastungsfähigkeit.

Wie verbreitet ist Meldonium?

Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte die Einnahme des Wirkstoffs im vergangenen Jahr intensiv beobachtet und einen hohen Missbrauch der Substanz in unterschiedlichen Sportarten festgestellt, neben Tennis auch im Biathlon und Radsport. Daraufhin wurde Meldonium verboten. Sechs Sportler waren vor Scharapowa in diesem Jahr bereits mit Meldonium erwischt worden, darunter drei Russen und zwei Ukrainer. Russlands Sportminister Vitali Mutko kündigte noch mehr Fälle von positiv getesteten russischen Sportlern an, ohne allerdings Namen zu nennen. Der Politiker wies jede Verantwortung seines Ministeriums zurück - man habe alle Athleten über das neue Verbot informiert.

  • AFP
    Marija Scharapowa, 28 Jahre alt, russische Tennisspielerin, hat insgesamt fünf Grand-Slam-Titel gewonnen, zuletzt die French Open 2014. 2005 wurde sie - als erste Russin überhaupt - an Platz eins der Tennis-Weltrangliste geführt. Zu ihren Stärken zählen vor allem Fitness, mentale Stärke, Siegeswille, sowie ein gewaltiger Aufschlag. Scharapowa gilt als Einzelgängerin, Angelique Kerber sagte einmal über sie: "Ich weiß nicht, wer sie ist. Keiner kennt sie wirklich." Aufgrund ihres akustisch lauten Spiels wurde sie auch "Queen of Scream" getauft.
Wie erklärt sich Scharapowa?

Sie gab sich bei der Pressekonferenz demütig und räumte "einen großen Fehler" ein. Mit stockender Stimme sprach sie über den positiven Dopingtest: "Ich muss die Verantwortung dafür tragen, es ist mein Körper. Ich kann niemandem außer mir selbst die Schuld dafür geben." Scharapowa erklärte, dass sie die Verbotsankündigung in einer Mail des Tennis-Weltverbands schlicht überlesen habe. Sie habe Meldonium bereits seit zehn Jahren regelmäßig genommen, 2006 sei es ihr erstmals von ihrem Arzt verschrieben worden, weil sie damals oft krank gewesen sei.

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Was droht Scharapowa nun?

Zunächst einmal wohl eine lange unfreiwillige Pause. Bei Dopingverstößen sind Sperren von mehreren Monaten bis hin zu mehreren Jahren keine Seltenheit. Scharapowas Anwalt John Haggerty spricht von "bis zu vier Jahren", hofft aber auch, dass mildernde Umstände dazu führen könnten, "dass es überhaupt keine Sperre gibt". Russlands Tennisverbandschef hofft noch, dass Scharapowa bei den Olympischen Spielen im August an den Start gehen kann. Das gilt jedoch als nahezu ausgeschlossen. Der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel rechnet mit "mindestens zwei Jahren".

Auch finanziell könnten Scharapowa empfindliche Einbußen bevorstehen. Sie war im vergangenen Jahr die weibliche Topverdienerin im Sport - vor allem wegen lukrativer Werbeverträge. 2015 verdiente Scharapowa laut Forbes-Liste 29 Millionen Dollar, davon 22 Millionen mit Werbung. Diese Gelder drohen nun wegzufallen. Sponsor Nike hat bereits angekündigt, den Vertrag für die Dauer der Ermittlungen "ruhen zu lassen".

Wie geht es jetzt weiter?

Auf die Öffnung der B-Probe hat Scharapowa verzichtet. Vom 12. März an bis zum Abschluss der Ermittlungen ist die Russin nach Angaben des Tennis-Weltverbands vorläufig gesperrt. Der Fall ist nun in den Händen des Anti-Dopingprogramms des Verbands, der auch die Sperre aussprechen wird. Ganz genau hinschauen wird die Wada, die je nach Ermittlungsergebnis den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas angekündigt hat.

Das Ende ihrer sportlichen Laufbahn sieht die 28-jährige Scharapowa noch nicht gekommen: "Wenn ich einmal meine Karriere beende, dann nicht in solch einem Hotel, in Downtown Los Angeles, mit so einem hässlichen Teppich."

Scharapowa im Video: "Habe einen großen Fehler gemacht"

Doping im Tennis
  • Getty Images
    Im Tennis gab es schon einige Dopingfälle, auch bekannte Spieler und Spielerinnen waren darunter. 2007 wurde die einstige Weltranglisten-Erste Martina Hingis in Wimbledon mit Kokain im Körper erwischt. Zwei Jahre später bekannte sich André Agassi in seiner Autobiografie, Crystal Meth genommen zu haben. Auch in den vergangenen Jahren war der Gebrauch von Dopingmittel nachgewiesen worden, etwa bei Marian Cilic 2013. "Es ist ein weißer Sport, aber noch nie übertrieben anständig, was den Bereich Doping anbetrifft", sagt der Dopingexperte Fritz Sörgel.

Mit Material von dpa und sid



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Seite 1
f-rust 08.03.2016
1. ich finde: alles halb so wild.
"wild geworden" sind eher wada u.a., die mehr und mehr mittel auf eine seltsame liste setzen. bis 31.12.2015 erlaubt; ab 1.1.2016 verboten? ich glaube M.S. das sie bzw. ihr Stab das schlicht übersehen hat. Und: erst am 22. Dezember (? falls das stimmt) eine solche Info zu verschicken, die aber weniger als 2 Wochen danach bereits in Kraft tritt - Transparenz sieht anders aus. Da wird es genügend Neider/innen egben, da M.S. reich jung und schön ist ;-)
f-rust 08.03.2016
2. ja und?
bricht hier irgendwas zusammen? respekt, dass m.s. selbst vor die presse tritt. ich wünsche ihr alles gute. (und verhungern wird sie auch bei einer zweijährigen sperre nicht - und wird, siehe m. hingis, u.U. stark zurückkommen)
der_gärtner13 08.03.2016
3. Naivität!
Zitat von f-rust"wild geworden" sind eher wada u.a., die mehr und mehr mittel auf eine seltsame liste setzen. bis 31.12.2015 erlaubt; ab 1.1.2016 verboten? ich glaube M.S. das sie bzw. ihr Stab das schlicht übersehen hat. Und: erst am 22. Dezember (? falls das stimmt) eine solche Info zu verschicken, die aber weniger als 2 Wochen danach bereits in Kraft tritt - Transparenz sieht anders aus. Da wird es genügend Neider/innen egben, da M.S. reich jung und schön ist ;-)
Meldonium steht schon seit dem 16. September 2015 auf der WADA Liste verbotener Substanzen (die dann zum 1.1.16 in Kraft getreten ist) und stand Monate davor schon auf der Liste mit Substanzen, die unter Beobachtung stehen. Alles ist seit Monaten einsehbar. Und dass eine Multimillionen-Sportlerin mit Trainerstab, Management, Betreuern etc.pp so etwas nicht im Blick hat, glauben Sie doch selber nicht.
duiveldoder 08.03.2016
4. Tja
"Seit dem 1. Januar 2016 ist das Mittel verboten." D.h. wer mit dem Mittel am 31 Dezember Gold gewonnen hat hat es legal gewonnen und wer am ersten Januar Gold gewonnen hat nicht. Schon krass jetzt fast ganz Russland des Dopings vorzuwerfen. Eine Aberkennung der Leistung nach 1.1.2016 ist denke hier gerechtfertigt. Verboten ist verboten. Aber weitere Sanktionen ausser die Aberkennung der Leistung wuerde ich bis 1.1.2017 aussetzen. Bzw. bestrafen wuerde ich die Sportler nun nicht sofort. Da sollen schon uebergangsfristen gesetzt werden. Ich finde irgendwie diese anti-Doping ist zwar gut, aber im Moment uebertreiben die es doch. Ullrich, Armstrong, jetzt sind die Russen drann. Richtig es versuchen auszubannen, das dopen. Aber muss das mit der Haerte die man hier anwendet? Vorallem, alle nutzen Mitteln und staendig entwickeln die Firmen neue "Medikamente" zur Leistungssteigerung die erst aml einige Jahren "Legal" sind, bzw. zumindest nicht verboten. Richtig nach und nach es zu verbieten. Aber da alle das mitmachen, muss nicht unbedingt die Strafe so hoch ausfallen. Sonst bekommt man Selektionsjustiz. Wie im Fall von Ullrich und Armstrong. Das waren Spitzenatlethen. Also musste man die unbedingt das Leben zerstoeren. Contador, Vinokurov, usw. kamen mit leichten Strafen davon, weil sie nicht soooo beruehmt waren. Das ist so, als wuerde Ulli Hoeness nur weil er bekannt ist auf einmal 200 Jahren Haft bekommen. Meine Vergleiche sind sicherlich nicht optimal gewaehlt. Aber ich meine nur, unter dem Druck und Stress worunter vorallem die Atlethen stehen, die alle wissen alle nutzen sie irgendetwas, solle man doch aufgrund der psychologischen Belastung bei der Strafe auch Milde walten lassen.
sagichned 08.03.2016
5.
Zitat von der_gärtner13Meldonium steht schon seit dem 16. September 2015 auf der WADA Liste verbotener Substanzen (die dann zum 1.1.16 in Kraft getreten ist) und stand Monate davor schon auf der Liste mit Substanzen, die unter Beobachtung stehen. Alles ist seit Monaten einsehbar. Und dass eine Multimillionen-Sportlerin mit Trainerstab, Management, Betreuern etc.pp so etwas nicht im Blick hat, glauben Sie doch selber nicht.
Wie immer bei solchen Aussagen gilt: wenn Sie glauben wollen, gehen Sie in die Kirche. Ein systematischer Dopingbetrug kann ihr nicht nachgewiesen werden.
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