Box-Farce um Mario Daser "This is Bullshit!"

"Kies-Millionär" Mario Daser hat gegen Ola Afolabi gewonnen. Doch der Boxsport hat verloren. Der Kampf war unansehnlich und endete dubios: Als Daser müde wurde, gab Afolabis Ecke auf.

Boxer Afolabi, Daser
DPA

Boxer Afolabi, Daser


Schlechtes Drehbuch, schwache Leistung und ein absurdes Ende: Wäre der "Boxkampf" zwischen Mario Daser und Ola Afolabi am Freitagabend in Hamburg ein Kinofilm gewesen, hätte er beste Chancen auf die "Goldene Himbeere", den Preis für den schlechtesten Film. Knapp 6.000 Zuschauer waren gekommen, um zu sehen, wie sich der eigentlich chancenlose Selfmade-Millionär und Ex-Bierzelt-Boxer Daser gegen den britischen Ex-Weltmeister schlagen würde. Die meisten waren am Ende fassungslos, weil der Deutsche gewann und keiner so richtig wusste, warum.

Drei Runden lang bemühte sich der 37-jährige Brite Afolabi nach Kräften, seinen Gegner so wenig wie möglich zu treffen, während Daser unkoordiniert und wild um sich schlug, ohne Afolabi damit ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Nach einem Körpertreffer in der zweiten Runde ging Afolabi zum ersten Mal aufs Knie und wurde angezählt, signalisierte seinem Trainer aber mit einem sehr offensichtlichen Augenzwinkern, dass alles in Ordnung sei.

"This is Bullshit!"

Auch in der dritten Runde bearbeitete Daser den Körper seines Gegners mit seltsam aussehenden Schwingern. Afolabi reagierte wieder, indem er aufs Knie sank, was seinen Coach dazu bewog, mit gezücktem Handtuch in den Ring zu springen, um aufzugeben.

Afolabi machte deutlich, dass er mit der Entscheidung nicht einverstanden war. "This is Bullshit!", rief der Brite gut vernehmlich und fragte den Trainer vor laufender Kamera: "Haben die dich gekauft, oder was?" Im Interview nach dem Kampf klang er jedoch ganz anders und gab an, sich während des Trainings eine Rippe gebrochen zu haben. "Mein Coach wusste das natürlich und wollte mich schützen."

"Wir wussten ja, was passiert"

"Kies-Millionär" Daser, der durch sein übermotiviertes Anrennen schon nach der zweiten Runde außer Atem schien und vermutlich selbst hätte aufgeben müssen, wenn der Kampf länger gedauert hätte, schnaufte ins Mikrofon: "Ich hätte gerne noch länger geboxt. Es war meine Taktik, erst mal zu überpacen." Das mache er immer so. Er wisse auch nicht, warum die Ecke von Afolabi aufgegeben habe, aber er könne nichts dafür. "Das ist sein Trainer, nicht meiner", sagte er.

Auf den Presseplätzen herrschte eine Mischung aus Wut und Verzweiflung, weil man schlicht nicht wusste, wie man mit dem Kampf umgehen soll. Vereinzelte Kollegen schienen zu hoffen, dass irgendwo Jan Böhmermann auftauchen würde, um die gesamte Show um den "Kies-Millionär" als Persiflage auf das Profiboxen zu enttarnen.

Noch schlimmer als der Kampf war die Aussage eines Mitarbeiters des Veranstalters nach Verlassen der Halle: "Wir wussten ja, was passiert, aber das es so schlimm aussehen würde, war keinem klar." In jedem anderen Sport würde eine derart skandalöse Veranstaltung Konsequenzen nach sich ziehen. Nur im Boxen offenbar nicht.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 20.05.2017
1. Habs mir gerade mal angesehen
dachte erst der Artikel übertreibt, aber genauer hätte man es kaum treffen können. Afolabi war um Welten besser, die Bewegung, die Defensive, die Geschwindigkeit, unglaublich. Daser hat geboxt, wie man es von jemandem mit seiner Geschichte erwartet. Sehr statisch, schnell aus der Puste, ohne Strategie, und deutlich langsamer und unerfahrener als sein Gegenüber. Afolabi hat in ein paar Momenten gezeigt, wie überlegen er ist, damit jedem Boxkenner klar wird, was hier läuft, und sich dann seinem Schicksal hingegeben.
IvicaMarkovic 20.05.2017
2.
Schlimmestes Krimesboxen von Daser. Afolabi ist ein sehr sympathischer Typ, dem gönne ich das Geld, das er für's Verlieren bekommen hat. Dass der gesamte Boxsport leider korrumpiert ist, ist ja lange bekannt.
lollopa1 20.05.2017
3. selber schuld wer dafür Eintritt zahlt
Ich gönne es jedem Blödmann der dafür gezahlt hat dass er/sie sich jetzt mal schwarz ärgert
movfaltin 20.05.2017
4. Typisch Bild-Zeitung
Tja, die Bildzeitung hat's natürlich gesponsert. Passt ja irgendwie auch. Schiebung beim Kampf, Schiebung bei den Nachrichten. Wer halbwegs unterhaltsame und dabei sportliche Kämpfe sehen will, der darf sich kein Prekariatsboxen anschauen, sondern muss schon MMA gucken. Boxer sind selten austrainert, außer am Ego. Hinzu kommt: Die IBO ist ohnehin nochmal suspekter als die ganzen anderen Boxverbände. Da muss eigentlich gar nicht erst die türkische Wettmafia dazukommen, damit man sich da lieber sportlich-kompetitives Profiwrestling anguckt als "Profiboxen"...
Leser161 20.05.2017
5. Ach schade
Ich dachte Afolabi verhaut den übel, aber Daser gibt nicht auf und hinterher sagen alles so "Respekt, ist vermöbelt worden, aber hat wenigstens gekämpft". Naja, so bestätigt er halt alle Klischees, über Leute, die es schnell zu Geld gebracht haben. Leute die hart arbeiten, um was zu erreichen, sind halt selber schuld.
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