Tennisstars als TV-Experten Navratilova wirft der BBC Männerbündelei vor

Als Spielerin war sie eine Legende, auch als TV-Expertin ist Martina Navratilova gefragt. Doch der frühere Tennisstar fühlt sich von der BBC unterbezahlt, sie bekomme weit weniger als Kollege John McEnroe.

Martina Navratilova
REUTERS

Martina Navratilova


Die Tennislegende Martina Navratilova hat dem britischen Sender BBC vorgeworfen, den früheren Tennisstar John McEnroe für Kommentatorentätigkeiten deutlich besser zu bezahlen als sie. McEnroe bekomme offenbar "mindestens zehnmal mehr Geld", sagte die einstige Weltklassespielerin in der BBC-Sendung "Panorama" vom Montag. Das sei "schockierend".

Die aus Tschechien stammende US-Bürgerin bekam nach eigenen Angaben für Kommentatorenjobs beim Tennisturnier in Wimbledon rund 15.000 Pfund (17.000 Euro). Aus einer Veröffentlichung der BBC geht hervor, dass McEnroe zwischen 150.000 und 200.000 Pfund erhielt.

"Wenn McEnroe nicht noch haufenweise Sachen außerhalb von Wimbledon macht, bekommt er mindestens zehnmal mehr Geld", sagte die 61-Jährige. Das sei "das Netzwerk der guten alten Jungs".

Die BBC wies die Vorwürfe zurück: Die Verträge zwischen der neunfachen Wimbledon-Gewinnerin und McEnroe seien "komplett verschieden". Navratilova sei während des Turniers 2017 zehnmal eingesetzt worden und habe unter anderem drei Spiele live kommentiert. McEnroe sei dagegen das gesamte Turnier über im Einsatz gewesen und habe viel mehr gearbeitet.

Der Sendeanstalt wurde wiederholt vorgeworfen, Männer deutlich besser zu bezahlen als Frauen. Im Januar gab die BBC-Büroleiterin in China, Carrie Gracie, aus Protest gegen die ungleiche Behandlung ihren Posten auf.

aha/afp



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
crazy_swayze 19.03.2018
1.
McEnroe ist der geborene Entertainer. Wer dagegen will denn eine Navratilova im TV sehen? McEnroe macht einfach mehr Spaß.
royal_flush 19.03.2018
2.
Einfaches Spiel von Angebot und Nachfrage. Navratilova soll verhandeln und das Gleiche Geld fordern wie McEnroe. Wenn die Verantwortlichen damit einverstanden sind, ist gut, wenn nicht, sollte sie die Zusammenarbeit beenden und gegebenenfalls dort anheuern, wo man sie besser bezahlt.
ucr 19.03.2018
3. Quote für langweilige Entertainer?
Das mit der angemessenen Bezahlung haben die Frauen beim Gender Pay-Gap offensichtlich noch immer nicht verstanden. Wenn McEnroe mehr arbeitet als Navratilova, dann darf er auch mehr verdienen. Wenn McEnroe als Kommentator einfach für mehr Termine gebucht wird als Navratilova, dann ist das eine ganz andere Frage und liegt vielleicht an dem höheren Unterhaltungswert von McEnroe. Was kommt als nächstes, eine Quote für langweilige Entertainer? ucr
C-Hochwald 19.03.2018
4. Überbewertung der Gastkommentatoren
Für mich stellt sich die Frage anders. Welchen zusätzlichen Nutzen habe ich als Zuschauer, wenn ein(e) ehemalige(r) Sportler(in) über alte Zeiten spricht und über das aktuelle Spiel orakelt. Gilt übrigens nicht nur für Tennis. Wir alle wollen und müssen sparen, wollen keine Erhöhung der GEZ-Beiträge, oder nur geringe Abo-Gebühren beim Pay-TV. Hier gibt es Sparpotentiale. Dann erübrigen sich Diskussionen über Interviewgagen von selbst.
conillet 19.03.2018
5. Navratilova als Kommentatorin
Wie viel die beiden relativ zueinander arbeiten / gearbeitet haben, kann ich nicht beurteilen. Über die Qualitäten von Martina Navratilova als Kommentatorin möchte ich aber zu Protokoll geben, dass sie da meines Erachtens einsame Spitze ist. Sie ist nicht nur unschlagbar kenntnisreich und auf der Höhe der Tennis-Aktualität, sondern auch ausgesprochen eloquent. Zudem kommt sie jederzeit sympathisch und entspannt rüber (letzteres unterscheidet sie beispielsweise von der anderen Tennis-Legende Chris Evert, die gelegentlich etwas herumzickt).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.