Eishockey Massenschlägerei überschattet NHL-Spiel

Trainer rasteten aus, Spieler drehten durch: Beim Match zwischen den NHL-Rivalen Vancouver und Calgary ist es zu massiven Auseinandersetzungen gekommen. Spieler beider Mannschaften prügelten aufeinander ein, die Schiedsrichter sprachen insgesamt 204 Strafminuten aus.

Calgarys Giordano (l.), Vancouvers Burrows: Eishockey war Nebensache
DPA

Calgarys Giordano (l.), Vancouvers Burrows: Eishockey war Nebensache


Hamburg - Als sich in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL am Samstag die Spieler der Vancouver Canucks und der Calgary Flames gegenüber standen, war ihnen der Ausgang des Matchs offenbar egal. Unmittelbar nachdem der Puck ins Spiel gebracht wurde, zogen die zehn Feldspieler der kanadischen Rivalen ihre Handschuhe aus und fielen übereinander her: Überall auf dem Eis bildeten sich prügelnde Pärchen, die Schiedsrichter versuchten einzugreifen, konnten die Raufbolde aber nicht trennen. Mehr als eine Minute lang droschen die Spieler aufeinander ein, wie ein Video auf der Internetseite der NHL zeigt.

Nach zwei "gespielten" Sekunden wurden bereits 152 Strafminuten ausgesprochen und acht Profis vom Eis geschickt. Insgesamt standen am Ende 204 Strafminuten auf dem Spielbericht. Canucks-Coach John Tortorella versuchte während der ersten Drittelpause wild schimpfend in die Flames-Kabine einzudringen, wurde davon aber von Spielern und Offiziellen des Gegners abgehalten.

Ganz unerwartet kam die Schlägerei nicht, hatte doch Calgarys Trainer Bob Hartley zu Beginn nicht wie üblich seine Top-Reihe aufgestellt, sondern "Enforcer", also fürs Grobe zuständige Profis. Tortorella reagierte und ließ seinerseits die wertvollsten Spieler - wie etwa die schwedischen Sedin-Zwillinge - zunächst auf der Bank.

"Der Trainer (Tortorella - d. Red.) hat uns gesagt, der Gegner habe seine 'Idioten' aufgestellt. Also müsse er dasselbe tun", sagte Canucks-Profi Tom Sestito nach der Partie laut ESPN.com. Tortorella selbst erklärte, er habe mit der Nominierung seiner "Enforcer" auf die Aufstellung des Gegners reagieren müssen. "Ich bin nicht stolz darauf, so gehandelt zu haben, und habe mich bei jedem meiner Spieler dafür entschuldigt." Flames-Coach Hartley sagte hingegen, er habe keine böse Absicht gehegt, sondern seine Startformation aus sportlichen Gründen nominiert.

Nach den Prügeleien wurde übrigens auch noch Eishockey gespielt: Die Canucks setzten sich nach Penaltyschießen 3:2 durch.

mon/ap/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
haltetdendieb 19.01.2014
1. Das ist Eishockey, wie die Zuschauer und das TV ihn lieben
Ich erinnere mich gerne an die frühen Sechziger. USA gegen Russland, es dauerte keine Minute und der Kampf der Systeme begann, ein schöner Check und darauf die obligatorische Prügelei. Das gehörte damals dazu, wenn Kanada und die USA auf Russland oder die Tschechei trafen. Aber die richtigen Beulereien gab es nur im Kampf gegen Russland. Oder wenn der EV Füssen auf Spartak Moskau traf. Bei den Prügeleien erreichten die USA und Kanada noch ein unentschieden, die Titel holte dann meistens Russland! Ansonsten, geben wir es doch gerne zu, ist Eishockey reichlich langweilig. Da muss Schmackes drin sein!
algenib 19.01.2014
2. Langweilig ?
Zitat von haltetdendiebIch erinnere mich gerne an die frühen Sechziger. USA gegen Russland, es dauerte keine Minute und der Kampf der Systeme begann, ein schöner Check und darauf die obligatorische Prügelei. Das gehörte damals dazu, wenn Kanada und die USA auf Russland oder die Tschechei trafen. Aber die richtigen Beulereien gab es nur im Kampf gegen Russland. Oder wenn der EV Füssen auf Spartak Moskau traf. Bei den Prügeleien erreichten die USA und Kanada noch ein unentschieden, die Titel holte dann meistens Russland! Ansonsten, geben wir es doch gerne zu, ist Eishockey reichlich langweilig. Da muss Schmackes drin sein!
Eishockey ist der schnellste Mannschaftssport den es gibt. Dazu der ehrlichste. Da gibt es keine Schauspieleinlagen wie im Fussball. In Deutschland ist diese Sportart medial total untervertreten. Bei guter Kameraführung ist dieser Sport hoch attraktiv
flessan 19.01.2014
3. Grunz grunz...
Da werden einfach Urinstinkte wach im Manne. Und obwohl ich Fan der Tölzer Löwen bin kam ich bis dato ohne schwere Verletzungen davon. Klingt "saudoof" aber ohne das würden wohl knapp 50% der kleinen Vereine aussterben.
funnyone2007 19.01.2014
4.
Zitat von algenibEishockey ist der schnellste Mannschaftssport den es gibt. Dazu der ehrlichste. Da gibt es keine Schauspieleinlagen wie im Fussball. In Deutschland ist diese Sportart medial total untervertreten. Bei guter Kameraführung ist dieser Sport hoch attraktiv
aber nicht als Zuschauer im Stadion.
jaduk 19.01.2014
5. optional
Also da "überschattet" gar nichts das Eishockeyspiel, sondern ein Eishockeyspiel hat eben so angefangen. Das ist kein Basketball. Das ist ein harter Sport. Und wer sich da Video (gibt's auf YouTube) ansieht, der erkennt auch, wie einer etwas hilflos nach einem Gegner sucht und den dann am Arm ranzieht, damit die beiden auch "mitmachen" oder wie die beiden in der Mitte des Eises aufhören und sich gegenseitig noch nett abklatschen. Vieles davon ist auch einfach Show. Es ist auch bekannt, dass sich manche Spieler vor einem Spiel absprechen für einen kleinen Faustkampf, da geht's dann auch nur darum, wer den anderen auf den Boden bringt. Und dann wird aufgehört. Vielleicht etwas Gebalze, oft mehr WWE statt NHL, aber gehört dazu. "Überschattet" kann nur jemand schreiben, der keine Ahnung von diesem Sport hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.