Darthoffnung Max Hopp Maximal furchtlos

Max Hopp ist 16 Jahre alt, Lehrling - und doch kein normaler Teenager. Als zweitjüngster Teilnehmer der Geschichte spielt der Deutsche ab Samstag bei der Dart-Weltmeisterschaft. Ehrfürchtig ist Hopp nicht, im Gegenteil: Selbst ein Duell mit Legende Phil Taylor wäre für ihn überhaupt nichts Besonderes.

Von Amelie Schneemeier, München

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Phil Taylor ist fünfzehnmaliger Weltmeister, vierfacher Familienvater, Multimillionär, Buchautor, und wann immer er die Dartbühnen dieser Welt betritt, dann ist da dieses Gefühl der Übermacht und Überlegenheit. Aber auch dieser krasse Gegensatz: Der König des Sports ist ein kleiner Mann mit Schnauzbart und Bäuchlein. Und doch fürchten alle Dartspieler den Mann, der sich "The Power" nennt.

Also: fast alle.

"Der Kerl ist eine Riesennummer - und jeder hat irgendwie Angst vor ihm", sagt Max Hopp. Er sitzt in einem Zimmer in München-Schwabing, es ist ein PR-Termin in eigener Sache für den 16 Jahre alten Jungen aus dem beschaulichen hessischen Örtchen Idstein. Hopp wird, wenn am Freitag die Dart-WM in London beginnt, der zweitjüngste Teilnehmer der Geschichte sein. Und der vielleicht furchtloseste. Denn für ihn ist Taylor nur einer von vielen Gegnern.

"Ich bin Qualifikant, ich stufe mich aber einfach nicht als solcher ein", sagt der Schulabsolvent selbstbewusst und wirkt dabei überhaupt nicht wie ein Teenager. Ganz ruhig, bedacht, aber keineswegs unbekümmert wählt Hopp seine Worte. Immer wieder überlegt er, versucht, Dinge noch einmal, noch besser zu erklären. Und so wirkt es auch nicht wie ein schlauer Spruch aus dem Munde eines Jugendlichen, wenn er sagt: "Sollte es zu dem Duell kommen, denke ich nicht: 'Boah, ich spiele gegen diesen Phil Taylor'. Ich denke eher: 'Ach, ich spiele gegen Phil.'"

"Nun ist es also die WM"

Hopp wäre nicht der Dartspieler Hopp, würde er diese Aussage nicht genauso meinen. Er wäre nicht Jugend-Europameister, nicht der Gewinner der europäischen WM-Qualifikation. Er wäre nicht der zweitjüngste WM-Teilnehmer aller Zeiten. Hopp wäre vielleicht einer von Tausenden Fans, die im Londoner Alexander Palace in den kommenden Wochen eine riesige Dartparty feiern werden. Er würde Phil Taylor zujubeln und davon träumen, auf dieser einzigartigen Bühne zu stehen und "Pfeilchen zu schmeißen", wie er gerne sagt. Aber er wäre nicht der "Maximiser", wie er sich selbst nennt. Er wäre einer von vielen.

Dass er das nicht ist, weiß nicht nur in seinem Umfeld, sondern in der Dartszene inzwischen jeder. Als Wunderkind gilt der ehemalige Handballer Hopp, der erst vor vier Jahren seine Leidenschaft für den Dartsport entdeckte. Zunächst als Aufheiterung, als Ersatzbeschäftigung hatte Vater Hopp seinem Sohn nach einem schweren Unfall eine Dartscheibe geschenkt. "Im Dezember 2008 habe ich die ersten Pfeile geworfen. Die Erfolge auf Jugendturnieren kamen recht schnell. Ich habe daher immer größere Herausforderungen gesucht", sagt er und lacht fast ein wenig ungläubig: "Nun ist es also die WM."

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Dart-WM: Hoffen auf den großen Wurf
Neben Andre Welge tritt Hopp als zweiter deutscher Starter in der Qualifikationsrunde an. Am Samstag um 21.15 Uhr spielt er gegen Charl Pietersen sein "erstes Finale". Tag für Tag im rund dreistündigen Training bei ohrenbetäubender Musik ("ich tänzel dann") probt Hopp den Ernstfall: "Für mich ist jedes Spiel ein Finale. Dann gibt man immer alles. Egal, wie kaputt man danach ist. Dieses Finale muss man gewinnen." Einen Unterschied, ob er mit seiner Mannschaft in Kastellaun ein Punktspiel hat oder auf der berühmten Bühne im Ally Pally vor Tausenden Fans bei der WM steht, gibt es für ihn nicht: "Diese mentale Stärke und das Feingefühl braucht man immer. Ich sage: Komm - relax - genau wie im Training."

"Erfahrung sammeln, ein bisschen Eindruck hinterlassen"

Schon als Teamsportler sei er so gewesen, erzählt Hopp. Kritisch hinterfragen, ja. Misserfolgen nachtrauern, nein. Hat sich einer der vielen monatlichen Trips zu internationalen Turnieren in England mal nicht gelohnt, schaue er sich eben die Stadt an. "Noch bin ich gar nichts. Nicht berühmt, kein Profi", sagt er. Und es wirkt tatsächlich nicht so, als könne dem Weltranglisten-128. einen Monat nach seiner Premiere in der höchsten Spielklasse (PDC ProTour) irgendjemand diese Bodenhaftung nehmen.

"Erfahrung sammeln, ein bisschen Eindruck hinterlassen" will Hopp auf seiner ersten WM, bei der ihn sein Vater und seine Freundin begleiten. In zwei Jahren, wenn er seine Ausbildung abgeschlossen hat, will er unter den Top 32 der Welt sein, wahrscheinlich Profi werden. Dass er das Zeug dazu hat, hat er spätestens beim jüngsten Sieg gegen Terry "The Bull" Jenkins, immerhin Neunter der Weltrangliste, bewiesen. Seitdem weiß er auch, "dass die Großen mal einen schlechten Tag haben können".

Und selbst die Besten der Besten wissen, dass man sich gegen diesen jungen Deutschen keinen Fehler erlauben darf. "Max ist ein riesiges Talent, etwas ganz Besonderes", sagte vor wenigen Wochen einer der Konkurrenten. Ein kleiner Mann mit Schnauzbart und Bäuchlein.



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
elpepino 14.12.2012
1. The Power
Seit wann trägt Phil Taylor denn einen Schnauzbart? Auf allen Bildern und in allen Fernsehübertragungen ist Taylor immer glattrasiert. Auch auf seiner offiziellen Homepage http://www.philthepower.com/ ist kein Bild von ihm mit Schnauzer.
DJ Doena 14.12.2012
2.
Darth Offnung? Star Wars-fan ist er auch noch? ;-)
akalvin 14.12.2012
3. Jaja, die Sith
Nach Darth Vader und Darth Maul jetzt auch Darth Offnung...
BMerkenswert 14.12.2012
4.
Bildunterschrift Bild 1: "...das älteste Dartunier der Welt". Wo bleiben die Korrekturleser?
bremde 14.12.2012
5. Interessanter Artikel - inhaltsleere Kommentare
Schnauzbart, Star Wars, Korrekturlesen - schon erschreckend, wie inhaltsleer die ersten Kommentare auf diesen Artikel sind. Da ich früher selber ein paar Jahre Darts gespielt habe, fand ich diesen Artikel sehr interessant. Auch bei uns gab es jugendliche Talente, die ein gutes Auge, einen ruhigen Arm und das nötige schnelle Kopfrechnen für ein gutes Finish drauf hatten. Wenn aber einer der britischen Cracks als Gegner mit vor der Scheibe stand, dann war keiner so cool, wie es Max Hopp scheinbar ist. Und diese mentale Stärke könnte ihn tatsächlich ganz nach oben bringen, denn in Meisterschaften konnte ich immer wieder beobachten, dass die wichtigen Spiele neben der Wurfstärke durch reine Nervenstärke gewonnen wurden. Ich wünsche ihm auf jeden Fall viel Glück!
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