Positiver Doping-Test Welt-Anti-Doping-Agentur lässt Scharapowa hoffen

Kann Marija Scharapowa doch noch an den Olympischen Spielen teilnehmen? Die Welt-Anti-Doping-Agentur will die Regularien bei positiven Meldonium-Tests lockern. Russland ist zufrieden.

Marija Scharapowa
Getty Images

Marija Scharapowa


Dutzende Sportler wurden in den vergangenen Wochen positiv auf die seit dem 1. Januar verbotene Substanz Meldonium getestet. Nun lenkt die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada offenbar ein - und eröffnet Athleten wie Tennisstar Marija Scharapowa wohl die Möglichkeit einer schnellen Rückkehr in den Sport.

Demnach können Sportler, die vor dem 1. März 2016 mit weniger als einem Mikrogramm des Herzmittels erwischt worden sind, auf Gnade hoffen. "Bei der Bewertung von Meldonium fehlen weiterhin wissenschaftliche Informationen zum Abbau des Mittels im Körper", hieß es in einem Statement der Wada. Die Dopingbekämpfer wollen daher nicht ausschließen, dass Athleten, die vor dem 1. März wegen der Einnahme von weniger als einem Mikrogramm gesperrt wurden, das Mittel womöglich vor dem 1. Januar 2016 eingenommen haben.

Die Wada hatte das Präparat zum Jahresbeginn auf die Dopingliste gesetzt. Daraufhin war es bei bis zu 140 Athleten, speziell aus dem russischen Raum, nachgewiesen worden. Scharapowa war bei den Australian Open Anfang Januar positiv auf die verbotene Substanz getestet worden. Sie hatte argumentiert, den Verbotshinweis in der entsprechenden E-Mail der Wada überlesen zu haben.

"Richtige und ausgewogene Entscheidung"

Auch zahlreiche andere Sportler wollen von dem Verbot nichts mitbekommen haben. Das Präparat war vor allem in Russland und den baltischen Staaten verbreitet, da die Sportler es dort legal kaufen konnten. In Deutschland etwa war die Substanz nicht frei erhältlich.

Russlands Sportminister Witali Mutko hatte zuletzt rechtliche Schritte gegen die Wada angedroht. Die neue Wada-Entscheidung wurde in dem Land positiv begrüßt. Moskau fühle sich aber nicht als "Sieger", sagte Alexander Schukow, Chef des Nationalen Olympischen Komitees von Russland: "Ich denke, dass die Wada eine sehr richtige und ausgewogene Entscheidung gefällt hat", sagte er der russischen Agentur Tass.

Auch Russlands Sportminister Mutko betonte: "Die Wada benimmt sich hier absolut korrekt, weil es das Ziel der Organisation ist, verantwortungsvolle Sportler zu schützen und nicht zuzulassen, dass unschuldige Athleten bestraft werden."

Ob Scharapowa nun tatsächlich am olympischen Tennisturnier in Rio de Janeiro teilnehmen darf, bleibt unklar. Zumindest der russische Verband ist positiv gestimmt: "Wir hoffen sehr, dass Scharapowa antreten darf", teilte Verbandspräsident Schamil Tarpischtschew mit.

Die russischen Leichtathleten sind derzeit von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen, nachdem im vergangenen Jahr ein weitverbreitetes Doping- und Korruptionsnetzwerk enthüllt worden war. Der nationale Leichtathletikverband Rusaf hatte daraufhin neue Strukturen und Reformen angekündigt hat. Dieser Prozess wird von einer Taskforce des internationalen Verbands IAAF überwacht.

bka/dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eryx 13.04.2016
1.
Es ist nicht wirklich glaubhaft, dass man so eine Information überliest. Man kann ja gerne mit Fristen argumentieren und über Nachweisgrenzen, aber so eine Ausrede? Eigentlich hat man schon keine Lust mehr, sich die Wettbewerbe anzusehen.
rolf.piper 13.04.2016
2. Sie hatte argumentiert, den Verbotshinweis in der entsprechenden E-Mail der Wada überlesen zu haben.
den Verbotshinweis in der entsprechenden E-Mail der Wada überlesen zu haben. Auch das ist falsch! Sie hat die übliche Wada-Information, die in un/regelmäßigen Abständen an die Fachwelt geschickt wird, gar nicht gelesen! Da hat Herr Knaack (ich kenne einen Knaack, der als Jugendlicher die DDR-Bestenliste über 100m anführte) offensichtlich eine Information eines Journalisten gehört/gesen, der wiederum etc.etc
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.