Besuch abgesagt Leiterin von Özils ehemaliger Schule wehrt sich gegen Vorwürfe

Nachdem er an der Seite des türkischen Präsidenten abgelichtet wurde, sei er an seiner ehemaligen Schule in Gelsenkirchen unerwünscht gewesen, sagt Mesut Özil. Die Leiterin begründet die Absage nun mit Terminproblemen.

Mesut Özil
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Mesut Özil


Fußballspieler Mesut Özil hat am Sonntag in drei Statements scharfe Kritik geübt: am Deutschen Fußball-Bund, an DFB-Sponsoren, an Medien - und auch an seiner früheren Schule. Die Gelsenkirchener Gesamtschule Berger Feld habe einen geplanten Besuch von ihm abgesagt, nachdem er an der Seite des türkischen Präsidenten für Fotos posiert hatte. Die Schule habe seinem Management mitgeteilt, "dass sie mich nicht länger sehen wollen, weil sie aufgrund meines Fotos mit Präsident Erdogan 'Angst vor den Medien haben', vor allem angesichts 'des Aufstiegs der rechten Partei in Gelsenkirchen'", schrieb Özil (seine Erklärungen im Wortlaut können Sie hier nachlesen). Die Absage habe "wirklich weh getan".

Schulleiterin Maike Selter-Beer verteidigte sich nun gegen die Kritik und begründete die Absage mit Terminproblemen. "Es hätte einen Termin in den Pfingstferien geben sollen, aber da wären ja auch keine Schüler da gewesen", sagte sie der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Allerdings könne es schon sein, dass es auch terminliche Abstimmungsprobleme unter den Schulleitungsmitgliedern gegeben habe.

Wie die "WAZ" aus anderer Quelle erfahren haben will, gab es jedoch auch Terminangebote von Özil vor den Pfingstferien. Kurz vor der Absage im Mai habe es zudem eine interne Schulleitungssitzung zum Thema gegeben.

Selter-Beer sagte der Zeitung nun auch, sie habe gegenüber Özils Anwalt erwähnt, dass man in Gelsenkirchen Vorsicht walten lassen müsse wegen der starken Präsenz rechter Parteien. Özil sei weiterhin an der Schule willkommen, sagte Selter-Beer. Man sehe ihn als ehemaligen Schüler und Förderer, nicht als politischen Menschen. Mit Özils Anwalt habe sie einen neuen Termin für den frühen Herbst vereinbart. Darauf freue man sich.

Özil wurde 1988 in Gelsenkirchen geboren. Am Sonntag erklärte er seinen Rücktritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft und kritisierte dabei besonders scharf DFB-Präsident Reinhard Grindel. "In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren."

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Mesut Özil: Der Missverstandene

Einen Kommentar zum DFB-Versagen im Fall Özil lesen Sie hier. Eine Chronologie der Ereignisse - vom Foto mit Erdogan im Mai bis zum Rücktritt am Sonntag - finden Sie hier. Und Reaktionen auf Özils Rücktritt von deutschen und türkischen Politikern können Sie hier nachlesen.

aar/dpa

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Seite 1
galliooo 23.07.2018
1. ich Frage mich wer naiv ist
ein Denkspiel : Ösil hat verwandte in der Türkei und er weigert sich, sich mit Erdodiktator ablichten zu lassen wie genau wird es seinen Verwandten in der Türkei deswegen ergehen? mann bedenke die Mehrheit hat Erdogan gewählt und sie stehen hinter ihm. Das Ösil und seine Verwandten deswegen als Verräter gelten ist das mindeste. Wir denken weiter: mein President... eben viele seiner Verwandten könnten selber Erdogan Anhänger sein die ihm oder seinen Eltern immer wieder berichten wie gut es der Türkei doch geht seit Erdogan und wie viel er für das Volk erreicht hat. Naja ich denke die Türken werden noch merken wem sie vertraut haben wenn es zu spät ist aber fakt ist noch haben sie es nicht gemerkt und Ösil ist kein Politiker ich glaube auch nicht das er so viel Zeit hat sich damit zu beschäftigen wäre es da so verwunderlich wenn er Erdodiktator gut findet ? Unwissenheit... jetzt langsam ergibt es sinn es wäre respektlos gewesen das Foto abzulehnen abstrakt aber plausibel. Aber wenn es so wäre dann muss der shitstorm der damit losgetreten wurde Ösil schwer zugesetzt haben den verstehen kann er das nicht. Ösil fühlt sich von der DFB und den deutschen Fans verletzt, nicht Akzeptiert und rassistischen Äußerungen ausgesetzt. oder ??? oder bin ich Navi es gibt kein schwarz oder weiß das Leben ist bunt glücklicherweise darf in Deutschland jeder eine Meinung haben !??? Ösil ich werde dich vermissen und die deutsche 11 bestimmt auch ;)
brunosacco 23.07.2018
2. Opfer
Der Arme - bietet einen Termin in den Ferien an und die Schule weigert sich da für ihn zu öffnen. Skandal, was glauben die eigentlich wer die sind? Rassismus pur, alles Nazis, keiner mag ihn. Vermutlich hat dich dies der fiese DFB ausgedacht. Pfui! Mama, Hilfe!
dasfred 23.07.2018
3. Es ist und bleibt beschämend
Offensichtlich gibt es nur ein Volk auf der Welt, dass in xter Generation im Ausland leben darf, und trotzdem stolz auf seine Vorfahren zeigen kann. Allen anderen wird das nicht zugestanden. Deutschtümelei ist ja so großartig. Aber wenn sich ein Fussballer mit dem Präsidenten des Landes trifft, in dem er aufgrund seiner Herkunft viele Fans und Familie hat, ist er plötzlich untragbar. Es ist nicht zu erwarten, dass dieser Fussballer, nur weil einen deutschen Pass hat, auch die deutsche Meinung gegen Erdogan übernehmen muss. Keiner hat sich je damit befasst, wie es seinen Verwandten unter Erdogan geht, ob sie ihn ablehnen, oder ob sie unter seiner Regierung besser leben. Immerhin sind ja auch nur so Erdogans Wahlerfolge zu erklären. Wie man Özil heute teilweise vor den Kopf stößt, um den Befindlichkeiten der Wutbürger genüge zu tun, ist beschämend.
derspiegeldesspiegel 23.07.2018
4.
Eigentlich mochte ich ihn nie, aber die Art und Weise ist genial. Diese Heuchler-Gesellschaft richtig zu präsentieren. Da werden Nazis im NSU-Prozess minimalst bestraft und vom Verfassungsschutz gedeckt, Aufklärer in den Bau geschickt und international aber überall den Zeigefinger gehoben! Das ist Deutschland. Und das fängt auf dieser Ebene der Lehrer schon an. Mega wie das Özil durchgezogen hat. Er hätte auch einfacher zurücktreten können.
sven2016 23.07.2018
5.
Das wird jetzt schon so ein bisschen gesommerlocht oder?
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