Amateurfußball Vertragsspieler von Mindestlohn befreit

Der Mindestlohn von 8,50 Euro gilt nicht für den Amateursportbereich. Das hat Arbeitsministerin Andrea Nahles nun klargestellt. Das Gesetz hatte in den Vereinen für Verunsicherung gesorgt.

Trainer und Spieler in Waldalgesheim: Für sie gilt der Mindestlohn nicht
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Trainer und Spieler in Waldalgesheim: Für sie gilt der Mindestlohn nicht


Hamburg - Amateur-Vertragsspieler im deutschen Sport fallen nicht unter das Mindestlohngesetz. Dies stellte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Montag nach einen Treffen mit den Spitzen von Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) und Deutschem Fußball-Bund (DFB) in Berlin klar.

Vertragsspieler bekämen in der Regel eine geringe Aufwandsentschädigung als Minijobber. "In diesen Fällen steht nicht die finanzielle Gegenleistung, sondern der Spaß an der Sache im Vordergrund. Deshalb können wir hier nicht von einem klassischen Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sprechen", sagte Nahles in Berlin. Dies gelte im Übrigen nicht nur für den Fußball, sondern für alle Sportarten mit Vertragsspielern.

Der von der Bundesregierung beschlossene Mindestlohn von 8,50 Euro gilt seit dem 1. Januar dieses Jahres und hatte in vielen Vereinen große Verunsicherung ausgelöst. Insbesondere Nachwuchsathleten und Fußballspieler ab der 3. Liga abwärts erhielten bislang von ihren Klubs deutlich weniger Geld. Viele Spieler verdienten derzeit vier Euro pro Stunde, arbeiteten aber mit Training, Spielen, Besprechungen und Fahrten zu Auswärtsspielen teilweise hundert Stunden und mehr im Monat.

Auch für die vielen ehrenamtlichen Kräfte in den 90.000 deutschen Vereinen wurde eine Lösung gefunden. Demnach fallen sie ebenfalls nicht unter den Mindestlohn, wenn ihre Tätigkeit dem Gemeinwohl und nicht dem eigenen Broterwerb dient. Die neue Regelung schlägt den Vereinen vor, ehrenamtliche Kräfte nicht als Minijobber anzustellen, sondern ihnen Aufwandsentschädigungen zu zahlen. Vereinsangestellte wie hauptamtliche Platzwarte fielen dagegen unter die Mindestlohnregel, so DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel.

jop/sid/dpa



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insgesamt 2 Beiträge
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thomas_putzo 23.02.2015
1. Gewaltenteilung?
Liebe Spiegel Online Redaktion, in meinem Jurastudium habe ich gelernt, dass Bundesgesetze vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden und die Anwendung der Gesetze im Einzelfall eine Frage ist, die von den Gerichten als 3. Staatsgewalt verbindlich entschieden wird. Ich wäre für eine Erklärung dankbar, warum hier die Exekutive, sprich das Ministerium, die Auslegung eines Gesetzes für einen Einzelfall (Amateursportler) verbindlich festlegen kann, obwohl es weder das Gesetz verabschiedet hat noch Teil der Judikative ist? ist für den Bereich des Mindestlohns die Gewaltenteilung aufgehoben? Oder wäre es vielleicht doch präziser zu formulieren, dass nach Ansicht des Ministeriums das Gesetz in diesem Fall nicht anwendbar ist, die abschließende Entscheidung aber den Gerichten vorbehalten ist?
swandue 23.02.2015
2. Das Ergebnis passt so
Sport fängt irgendwann damit an, dass begeisterte junge Leute einen Verein gründen, um ihren Sport ausüben zu können. Da muss jeder Geld mitbringen! Wenn es gut läuft, hat man irgendwann alle Gebäude, Geräte, Plätze, die man braucht, es kommt halbwegs zuverlässig Geld rein durch Beiträge, Eintrittskartenverkauf, Bier- und Bratwurstverkauf, Sponsoren. Der Verein bezahlt die Fahrten zu Wettkämpfen außerhalb, Verpflegung für unterwegs und vor Weihnachten ein Essen für die Mannschaft. Wenn es noch besser läuft, hat man Geld auf dem Girokonto, Geld auf dem Sparbuch, es lässt sich absehen, dass man dieses und auch nächstes Jahr mehr Geld einnehmen als ausgeben wird. Warum sollen an dieser guten Situation nicht die Leute teilhaben, denen sie zu einem erheblichen Teil zu verdanken ist - die Leistungsträger im sportlichen Bereich? 200, 300, 400 € monatlich sind eine angemessene Anerkennung und ein nettes Zubrot für einen Schüler, Studenten oder Handwerker. Aber dieser Verein hat doch nicht zwangsläufig genug Einnahmen, um jedem Spieler mindestens 8,50 € zahlen zu können für jede Stunde Wettkampf, Training, Besprechung, Fahrt zum Wettkampf auswärts . . . Zumal die besten Spieler sagen werden, für mich sollte es aber eine Kleinigkeit mehr sein. Ich glaube nicht, dass es irgendjemand freuen wird, wenn der Verein sagt, wir gehen wieder zurück zu Fahrtkosten und Verpflegung, sonst kriegt keiner einen Euro, dann haben wir keine Schwierigkeiten.
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