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Minigolf-Meister Erlbruch: "Schummeln hilft immer"

Wenn Hobbyspieler mal wieder am Loch vorbei schlagen, puttet er schon drei Bahnen weiter: Walter Erlbruch ist deutscher Meister im Minigolf. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht er über Bälle auf Eis, Familienduelle und gibt Tipps für Gelegenheitsspieler.

SPIEGEL ONLINE: Herr Erlbruch, Sie sind deutscher Meister im Minigolf und Weltranglistendritter. Wie legt man so eine Karriere hin?

Walter Erlbruch: Meine Eltern haben auch viel Minigolf gespielt und konnten mich nicht immer bei Oma und Opa abgeben. Da haben sie mich halt mitgenommen, den Schläger in die Hand gedrückt und gesagt: "Kind, beschäftige dich mal." So spiele ich, seit ich laufen kann, und trainiere, seit ich sechs bin.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht das Training eines Minigolfers aus? Schlagen Sie nur Bälle oder gehen Sie auch mal in den Kraftraum?

Erlbruch: Der Schwerpunkt liegt auf dem Training einzelner Anlagen. Wenn man beruflich stark eingespannt ist, geht dafür schon öfter das Wochenende drauf. Darüber hinaus laufe ich und spiele Fußball. Wenn die Kondition stimmt, dann stimmt auch die Konzentration. Es ist schon ziemlich anstrengend, von morgens halb sieben bis abends um halb sieben auf einer Anlage zu stehen und zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Die meisten Bahnen absolvieren Sie in ein oder zwei Schlägen. Was machen Sie mit dem Rest der Zeit?

Erlbruch: Viel Zeit geht halt für die Ballpräparation drauf. Hartgummi ist sehr elastisch, und mit demselben Ball können Sie bei schwankenden Temperaturen sehr unterschiedliche Eigenschaften haben. Dieses Jahr bei der WM in Italien können es schon mal 30 oder 35 Grad werden, da ist es wichtig, dass die Bälle gekühlt werden.

SPIEGEL ONLINE: Laufen Sie dann mit der Kühltasche durch die Gegend?

Erlbruch: Zum Beispiel. Ein Wasserdepot geht auch, oder man legt den Ball in den Schatten ins Gras. Zur Not auf Eis.

SPIEGEL ONLINE: Sie gehen aber nicht nur mit einem Ball auf eine Anlage?

Erlbruch: Nein. Bei 18 Löchern brauche ich 6 bis 15 Bälle. Insgesamt habe ich sicherlich 1500 zu Hause, wobei ich vielleicht zehn Prozent davon regelmäßig spiele.

SPIEGEL ONLINE: Wozu brauchen Minigolfer so viele Bälle?

Erlbruch: Man schaut immer: Wo könnte man den Ball gebrauchen? Manche titschen mehr, manche weniger, einige sind weicher oder härter, griffiger, da hat fast jeder Ball so seine Eigenarten. Ein paar Dutzend von meinen Bällen habe ich noch nie gespielt.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es spezielle Bahnen, auf denen Sie immer eine Eins spielen und der Rest der Konkurrenz verzweifelt?

Erlbruch: Bedauerlicherweise auf diesem Niveau nicht. Technisch anspruchsvolle Bahnen liegen mir mehr. Beim Looping hat man ohne Technik eigentlich kaum eine Chance.

SPIEGEL ONLINE: Und wie sieht es mit dem bei vielen Hobbyspielern gefürchteten "Netz mit Rampe" aus?

Erlbruch: Da haut eigentlich selbst in der Bezirksliga jeder direkt rein. Das ist sehr simpel, wenn man es einmal drauf hat. Die meisten Hobbyspieler denken, sie müssten ausholen wie Bolle, das geht dann zu Lasten der Richtung.

SPIEGEL ONLINE: Welche goldenen Tipps haben Sie noch, damit man jede Familien- oder Freundes-Runde gewinnt?

Erlbruch: Die Leute halten den Schläger zu lose in der Hand, man sollte die Handgelenke schon fixieren. Und dann sollte man sich einen Punkt auf der Bahn suchen, an dem man sich orientieren kann, damit man nur die Augen bewegen muss und nicht den Kopf und den ganzen Körper dreht. Dazu einfach mal die Mühe machen und schauen, was man beim letzten Schlag falsch gemacht hat und nicht so schnell aufgeben. Was natürlich immer hilft, ist schummeln.

Minigolfer Erlbruch: "Drei Wochen Hohn und Spott"
Walter Teupe

Minigolfer Erlbruch: "Drei Wochen Hohn und Spott"

SPIEGEL ONLINE: Schummeln?

Erlbruch: Ja, beim Ballreinigen den Ball näher ans Loch legen zum Beispiel. Aber das war jetzt auch nicht so ernst gemeint, so hat man mit den Kindern ein bisschen Spaß. Schließlich zahlt man Geld dafür, man möchte sich unterhalten, deshalb sollte man auch das "Mensch-ärgere-dich-nicht"-Motto walten lassen. Noch ein Tipp: Einfach mal die Kassenbälle genau anschauen, da gibt es doch deutliche Unterschiede.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind Weltranglisten-Dritter, drei weitere Deutsche unter den Top Ten: Wie kommt es, dass Deutschland eine der führenden Minigolf-Nationen ist?

Erlbruch: Wir sind traditionell sehr gut, haben eine hervorragende Jugendarbeit und es spielen relativ viele Menschen in Vereinen. Allerdings läuft uns Schweden langsam den Rang ab. Die haben sogar einen hauptberuflichen Nationaltrainer.

SPIEGEL ONLINE: Müssen Leistungs-Minigolfer alles aus eigener Tasche bezahlen?

Erlbruch: Das meiste. Es gibt Zuschüsse, aber nur begrenzt. Man muss halt auch in die eigene Tasche greifen. Und fünf meiner sechs Wochen Jahresurlaub gehen auch drauf. Aber es macht Spaß.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie auch mal Golf gespielt?

Erlbruch: Ich hab mal ein paar Abschläge gemacht. Aber das Interesse hielt sich in Grenzen. Golf und Minigolf sind doch zwei sehr unterschiedliche Sportarten.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Erlbruch: Beim Golf geht es vor allem darum, mit den weiten Schlägen aufs Grün zu kommen und dann das Grün zu lesen und zu spielen. Wir reproduzieren viel mehr Dinge und überlegen vor jedem Schlag: mit Effet oder ohne? Kein Golfer puttet mit Effet. Golf verhält sich zu Minigolf etwa wie Tennis zu Tischtennis.

SPIEGEL ONLINE: Kein Neid auf die dicken Preisgelder von Tiger Woods und Co.?

Erlbruch: Nein, wir Minigolfer sehen das eher ungezwungen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Bruder Harald ist Europameister. Gibt es da eine besondere Rivalität?

Erlbruch: Im Gegenteil. Es macht riesigen Spaß, miteinander zu spielen. Überhaupt liegt bei meinem Verein BGS Hardenberg-Pötter die Philosophie weniger auf Leistung. Wir verstehen uns alle sehr gut, der Großteil meines Freundeskreises kommt von dort.

SPIEGEL ONLINE: Geht der deutsche Meister eigentlich noch Sonntagnachmittag mit Familie oder Freunden auf die Bahn?

Erlbruch: Ja, das gibt es noch.

SPIEGEL ONLINE: Aber dann lassen Sie die anderen doch gewinnen, oder?

Erlbruch: Um Gottes Willen, nein! Dann müsste ich mir drei Wochen lang Hohn und Spott anhören. Darauf habe ich keine Lust.

Das Interview führte Dirk Brichzi

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