Fußballklubs im Fokus Missbrauchsskandal erschüttert Argentinien

In Argentinien sollen Nachwuchsspieler zu sexuellen Handlungen gedrängt worden sein - mit River Plate und Independiente stehen zwei Fußballklubs im Fokus. Offenbar sind noch weitere Sportarten betroffen.

Jugendliche am Vereinsgelände von River Plate
AFP

Jugendliche am Vereinsgelände von River Plate


Nachdem Missbrauchsvorwürfe im argentinischen Fußball bekannt geworden waren, weiten sich diese auf andere Sportarten aus. Nun soll auch der argentinische Turnverband betroffen sein. Das argentinische Olympische Komitee (COA) teilte mit, dass ein 40 Jahre alter ehemaliger Turner über Missbrauch in seiner Zeit als Minderjähriger berichtet habe.

Mehrere Jugendspieler des Rekordmeisters River Plate sowie des Spitzenklubs Independiente hatten bereits vor einigen Wochen erklärt, zu Sex mit Erwachsenen gedrängt worden zu sein. Im Gegenzug seien ihnen Geld, Beförderungen in andere Mannschaften und Sportausrüstung versprochen worden.

"Ihre Kindheit und ihre Körper wurden gestohlen"

"Die Kinder kamen mit ihren Träumen und Hoffnungen aus ihrer Heimat. Diesen Kindern wurden ihre Kindheit und ihre Körper gestohlen", sagte Maria Elena Leuzzi, Gründerin der Kinderhilfsorganisation Avivi. Diese half mit, die Vorwürfe öffentlich zu machen - und stellte inzwischen Strafanzeige.

Ein Arzt und ein Psychologe von River Plate berichteten, dass junge Fußballer und Volleyballspieler des Vereins Opfer von sexuellem Missbrauch geworden seien.

Vereinsgelände von River Plate
AFP

Vereinsgelände von River Plate

Die staatlichen Ermittlungsbehörden führen derweil Zeugenaussagen mit betroffenen Familien durch und untersuchen bei Erstligist CA Temperley auch einen möglichen weiteren Fall in einem dritten Fußballverein.

Bislang sind sechs Personen festgenommen worden, darunter ein Schiedsrichter und ein Veranstalter von Jugendturnieren. Die Vorfälle sollen zwischen 2004 und 2011 stattgefunden haben.

"Ein gesamtgesellschaftliches Problem"

"Unglücklicherweise überrascht mich das nicht", sagte Ariel Holan, Cheftrainer bei Independiente, zu den Vorwürfen: "Es ist etwas, das im Verborgenen geschieht und ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Wie Drogen- und Alkoholmissbrauch oder Menschenhandel."

Erstmals an die Öffentlichkeit kamen die Vorfälle Mitte März, nachdem zwei Jugendspieler von Independiente im Alter von 17 und 19 Jahren sich an den Vereinspsychologen wandten. Der Klub hatte daraufhin die Behörden informiert.

mru/sid



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