Missbrauchsskandal im US-Turnen Gesamte Verbandsführung tritt zurück

Der Missbrauchsskandal um den Teamarzt des US-Turnerverbands, Larry Nassar, hat zu weiteren Konsequenzen geführt: Auf Forderung des US-Olympiakomitees erklärte der gesamte Vorstand seinen Rücktritt.

Larry Nassar
AFP

Larry Nassar


Die Führungsspitze des US-Turnverbandes USA Gymnastics ist der Forderung des Nationalen Olympischen Komitees (USOC) gefolgt und geschlossen zurückgetreten. Im Skandal um den Missbrauch junger Turnerinnen durch den früheren Teamarzt Larry Nassar entging USA Gymnastics damit dem angedrohten Entzug der Olympia-Zulassung.

Nassar war wegen sexuellen Missbrauchs junger Turnerinnen zu einer Haftstrafe von 175 Jahrenverurteilt worden. In dem Prozess waren 156 Mädchen und Frauen angehört worden, darunter auch Top-Stars wie Aly Raisman, McKayla Maroney, Simone Biles oder Jordyn Wieber. Hoch emotionalisiert und teilweise von Weinkrämpfen geschütteltschilderten sie die kriminellen Machenschaften des Mediziners.

Am vergangenen Sonntag hatten bereits Vorstandschef Paul Parilla, der Vize-Vorsitzende Jay Binder und Schatzmeisterin Bitsy Kelley ihre Rücktritte erklärt. Nun taten es ihnen die 18 verbliebenen Vorstandsmitglieder nach. "Wir stimmen überein, dass die Interessen unserer Athleten und Vereine besser geschützt werden können, wenn wir sinnvolle Veränderungen vorantreiben", teilte USA Gymnastics mit.

Zudem kündigte der Generalstaatsanwalt von Michigan, Bill Schuette, eine detaillierte Untersuchung des Falles Nassar an. "Wir werden mit einem hellen Licht in jede Ecke leuchten. Das wird gründlich geschehen, Punkt", sagte Schuette. Die Untersuchung soll sich auf die Vorgänge an der Michigan State University konzentrieren, an der Nassar bis 2016 gearbeitet hat. Opfer werfen der Universitätsführung vor, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben beziehungsweise Vorwürfen nicht nachgegangen zu sein. Uni-Präsidentin Lou Anna Simon und Athletik-Direktor Mark Hollis hatten ihre Posten bereits aufgegeben. "Wenn man den ganzen Umfang sieht, ist dies der Grund, warum ich zurücktrete. Ich hoffe, dass es ein wenig dem Heilungsprozess hilft", sagte Hollis.

sak/dpa/sid



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Seite 1
krause.bettina 27.01.2018
1.
Heuchelei hoch drei. Warum tun die jetzt alle so bedröppelt? Wenn's nicht rausgekommen wäre, würden all diejenigen, die das 'System' über Jahrzehnte 'unterstützt' haben, immer noch genau so weitermachen.
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