Mixed Zone Erdeis Gegner wiegt zu viel, Vorwürfe gegen Handball-Weltverband

Herausforderer zu dick, Titelverteidigung gesichert: Zsolt Erdei kann seinen WM-Gürtel gegen Juri Baraschian nicht verlieren. Der Handball-Weltverband hat angeblich gegen den Doping-Code der Wada verstoßen. Bei der Rallye Dakar gab es erneut einen tragischen Unfall.


Hamburg - Der ungarische Profiboxer Zsolt Erdei kann am Samstag (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Magdeburg seinen WM-Gürtel im Halbschwergewicht des Verbandes WBO im Kampf gegen Herausforderer Juri Baraschian nicht verlieren. Beim Wiegen am Freitag brachte der Ukrainer 80,6 Kilogramm auf die Waage und lag damit 1,22 kg über dem erlaubten Limit von 79,38 kg. Drei Stunden später beim Nachwiegen waren es nach einem Saunagang immer noch 920 Gramm zu viel.

Gürtelträger Erdei (l.), Herausforderer Baraschian: Kein Titelkampf
DPA

Gürtelträger Erdei (l.), Herausforderer Baraschian: Kein Titelkampf

Zsolt Erdei wird nun am Samstag zwar gegen Juri Baraschian in den Ring steigen, aber selbst bei einer Niederlage wäre er weiter Weltmeister. Baraschian würde sich mit einem Sieg allerdings das Recht auf ein zweites Duell mit Erdei erkämpfen, der zudem seine erste Niederlage im persönlichen Kampfrekord aufweisen würde. Baraschian muss nun mit Konsequenzen seitens der WBO rechnen. Das kündigte Verbandspräsident Paco Valcarcel aus Puerto Rico in Magdeburg an. Welcher Art diese sein sollen, ließ er zunächst offen.

Zweiter WM-Kampf der Veranstaltung ist das Duell der Universum-Stallkollegen Denis Inkin (Russland) und Karoly Balszay im Supermittelgewicht um den WM-Titel der WBO. Beide Boxer sind noch ungeschlagen.

Box-Weltmeister Vitali Klitschko aus der Ukraine wird seinen Schwergewichtstitel des Verbandes WBC nun doch zuerst gegen Pflichtherausforderer Juan Carlos Gomez verteidigen. Dies gab WBC-Präsident Jose Sulaiman offiziell bekannt. Wie Klitschko-Manager Bernd Bönte am Freitagabend bestätigte, hat das Lager des Kubaners ein entsprechendes finanzielles Angebot Klitschkos angenommen. Der Kampf wird Ende März oder im April in Deutschland stattfinden.

Klitschko wollte seinen Gürtel nach seinem geglückten Comeback im vergangenen Oktober gegen Samuel Peter eigentlich zuerst freiwillig gegen den britischen Newcomer David Haye aufs Spiel setzen. Sollte Klitschko den Kampf gegen Juan Carlos Gomez verlieren, wartet das Duell gegen David Haye. "Diesen Fight wird es geben", sagte Bernd Bönte. Der 28-jährige Brite hatte sich wenige Stunden vor Klitschkos Comeback gegen Samuel Peter durch einen provokanten Auftritt im Hotel der Klitschkos als Gegner ins Gespräch gebracht. Dabei hatte Haye Witali Klitschko beim Essen ein Magazin mit einer Fotomontage gezeigt, die Haye mit Wladimirs abgeschnittenem Kopf zeigte.

Der Handball-Weltverband IHF verstößt möglicherweise gegen den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Nach einem Bericht von ZDF online erfülle die IHF drei wesentliche Anforderungen nicht. So gebe es nach Angaben der Dänin Inge-Lis Kanstrup, Mitglied der medizinischen Kommission des Verbandes, keine Vor-Wettkampf-Kontrollen, ein begleitendes pädagogisches Programm fehle ebenso wie unabhängige Anti-Doping-Kontrollen. Kanstrup lasse deshalb aus Protest ihr Amt derzeit wie der Österreicher Hans Holdhaus ruhen. Sie glaubt, die Versäumnisse könnten auch zu Sanktionen durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) bis hin zum Olympia-Ausschluss der Sportart führen.

Eine gewichtige Rolle bei den Verstößen soll dem ZDF-online-Bericht zufolge IHF-Präsident Hassan Moustafa spielen. Der Ägypter beharre darauf, dass jede Ansetzung einer Vor-Wettkampf-Kontrolle über seinen Tisch gehe. Das widerspreche jedoch den internationalen Standards im Anti-Doping-Kampf. Zudem habe Moustafa die Anti-Doping-Unit der IHF aufgelöst. Die Wada habe die IHF bereits um Stellungnahme zu der Sache gebeten, schreibt ZDF online. "Der olympische Status des Handballs ist in absoluter Gefahr", wird Holdhaus zitiert. IHF-Geschäftsführer Ekke Hoffmann gab unterdessen an, dieser Vorgang sei ihm unbekannt. Die Doping-Kontrollen für die anstehende WM in Kroatien (16. Januar bis 1. Februar) seien bereits organisiert.

Die deutschen Handballer haben in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Kroatien den vierten Sieg im vierten Spiel gefeiert. Zum Auftakt des Vier-Nationen-Turniers im spanischen Algeciras bezwang der Weltmeister am Freitagabend Portugal mit 26:21 (13:10) und bleibt damit in diesem Jahr unbezwungen. Vor 1200 Zuschauern warf Pascal Hens (6) die meisten Tore für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), die in der zweiten Partie an diesem Samstag (20.00 Uhr) auf Argentinien trifft. "Das war eine schöne Herausforderung. Wir mussten um den Sieg kämpfen", sagte Bundestrainer Heiner Brand.

Zum Abschluss des "Memorial Domingo Bárcenas" spielt Deutschland am Sonntag (19.00 Uhr) gegen Gastgeber Spanien, der sich in der Eröffnungspartie mit 37:18 (19:8) gegen die Südamerikaner durchgesetzt hatten. Die Partie gegen den Weltmeister von 2005 ist der letzte Test vor Beginn der WM in Kroatien. Dort trifft der EM- Vierte in der Vorrunde auf Russland, Tunesien, Algerien, Mazedonien und Polen.

Noch vor der ersten Chile-Etappe der Rallye Dakar hat der Unfall eines Transportfahrzeuges zwei Todesopfer in dem Anden-Staat gefordert. Zwei Peruaner kamen bei Pejerreyes, 400 km nördlich der Hauptstadt Santiago, in ihrem Pkw ums Leben, der argentinische Fahrer des Begleit-Lkw, wurde zur Vernehmung festgenommen. Durch den Unfall wird die erstmals in Südamerika gefahrene Marathon-Rallye nun schon von drei Todesfällen überschattet. Zu Wochenbeginn war der französische Motorradpilot Pascal Terry tot aufgefunden worden. Als Todesursache war bei der Obduktion ein Lungenödem festgestellt worden, das zu einem Atmungs- und Herzstillstand geführt hatte.

Ausgeschieden ist derweil Rekordgewinner Stéphane Peterhansel. Der 43 Jahre alte Franzose, der sich bei der Dakar neunmal in die Siegerliste eintragen konnte, schied auf der Etappe vom argentinischen Mendoza in die chilenische Hafenstadt Valparaiso wegen eines überhitzten Motors seines Mitsubishi Lancer aus. Bis zu seinem Ausfall lag Peterhansel hinter dem führenden VW-Trio und seinem spanischen Teamkollegen Juan Roma auf dem fünften Platz.

luk/sid/dpa



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