MotoGP-Debütant Bradl: Lehrling mit Tempo 330

Von Tim Röhn

An diesem Wochenende startet Motorrad-Pilot Stefan Bradl in seine erste Saison in der MotoGP. Der 22-Jährige ist der erste Deutsche in der Königsklasse seit fünf Jahren. Die Konkurrenz traut Bradl durchaus etwas zu - wenn er in Zukunft mutiger fährt.

Motorrad-WM: Ein Weltmeister als Anfänger Fotos
Getty Images

Den Respekt der Konkurrenz hat Stefan Bradl jetzt schon. "Deutschland hat jetzt einen Fahrer, der das Zeug hat, den Titel zu holen. Wenn er noch dazulernt, nicht so oft ausfällt und motiviert bleibt, kann er das schaffen", sagte Spaniens Motorradpilot Jorge Lorenzo, der im Jahr 2010 den WM-Titel in der MotoGP gewann.

Erstmals seit fünf Jahren ist wieder ein Deutscher in der Königsklasse des Motorradsports am Start. An diesem Wochenende feiert der 22-Jährige aus dem bayerischen Zahling beim Großen Preis von Katar in Doha sein Debüt. Bradl wurde im Vorjahr Weltmeister in der Moto2-Klasse, quasi der zweiten Liga, nun misst er sich als Fahrer des LCR-Honda-Teams mit den Besten der Welt.

Noch ist kein Rennen absolviert - der beste Zeitpunkt für Optimismus: "Wir sind wirklich zufrieden. Wir sind in einer guten Situation, die Wintertests waren erfolgreich. Er arbeitet gut mit seinem Team zusammen", sagte LCR-Chefingenieur Christophe Bourguignon. Teamchef Lucio Cecchinello ergänzte: "Das Potential ist definitiv da. Stefan ist ein Fahrer mit einer sehr schlauen Herangehensweise."

Selbst der Champion hat lobende Worte parat

Nachdem Bradl am vergangenen Wochenende die abschließenden Testfahrten in Jerez de la Frontera als Zehnter absolviert hatte, wurde er sogar vom amtierenden Weltmeister gelobt. "Er ist eine sehr gute Runde gefahren", sagte der Australier Casey Stoner. Bradl soll es in jedem Fall besser machen als sein Vorgänger im LCR-Team, der Spanier Toni Elias. Der hatte die vergangene Saison als 15. beendet und musste gehen.

Von Druck will Bradl aber nicht reden, er nennt es "eine gewisse Grunderwartung". Erst wenn es mit den Rennen wirklich ernst wird, "werden wir sehen, was möglich ist". Was möglich sein soll, ist klar: "Die Plätze fünf bis neun sind mein Ziel für die erste Saison."

Mehr wird es auf Anhieb wohl auch nicht sein, denn LCR ist nur ein Durchschnittsteam. Seit 2006 sind die Italiener in der MotoGP dabei, das beste Ergebnis war ein achter Platz in der Debütsaison - eingefahren vom späteren Champion Stoner.

Bradl will "nicht nur mitfahren"

"Ich will hier nicht einfach nur mitfahren, sondern mich in der MotoGP durchsetzen", sagte Bradl SPIEGEL ONLINE. Beim ersten Training in Doha landete er auf Rang zwölf und erklärte danach: "Ich bin mir sicher, dass wir das noch viel besser machen können." Die ersten Rennen sollen noch der Eingewöhnung dienen.

Als der Deutsche im Vorjahr bei Kiefer fuhr und Weltmeister wurde, hatte seine Kalex-Maschine 140 PS. Jetzt sind es 250 PS, das Motorrad ist aber nur 20 Kilogramm schwerer. In fünf Sekunden kann Bradl seine 1000-cm³-Honda auf 200 Stundenkilometer beschleunigen, das ist schneller als Sebastian Vettel mit seinem Formel-1-Boliden. Erst bei Tempo 350 ist Schluss.

Bradl ist der erste deutsche Fahrer in der MotoGP seit Alex Hoffmann, der 2007 ausschied und heute als TV-Experte arbeitet. Während sie in Italien und Spanien im Kampf um ein Ticket für die Königsklasse Schlange stehen, gibt es in Deutschland kaum Fahrer, die auf höchstem Niveau fahren könnten. Mit Bradl hat es wieder einer geschafft.

Damit er auch ein Großer wird, müsse Bradl noch mutiger werden, ist Lorenzo überzeugt. "Er war sehr konstant, aber am Ende ist er für den Titel zu sehr auf Sicherheit gefahren", sagte er über Bradls erfolgreiche Vorsaison. Damals hatte der Bayer schon früh einen komfortablen Vorsprung in der Gesamtwertung, am Ende kam ihm der Spanier Marc Márquez noch bedrohlich nah.

Bradl selbst sagt: "Mit 330 Stundenkilometern fahren macht Spaß." Es klingt allerdings noch ein bisschen so, wie jemand, der eine neue Welt, ein neues Abenteuer entdeckt. Aber MotoGP ist kein Abenteuer, das ist Motorsport am Limit. In Katar beginnt für Bradl ein neues Sportlerleben: Der Weltmeister fängt als Lehrling wieder an.

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
ftrenkam 07.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesAn diesem Wochenende startet Motorrad-Pilot Stefan Bradl in seine erste Saison in der MotoGP. Der 22-Jährige ist der erste Deutsche in der Königsklasse seit fünf Jahren. Die Konkurrenz traut Bradl durchaus etwas zu - wenn er in Zukunft mutiger fährt. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,826027,00.html
Auf Bild 9 wird Casey Stoner als "MotoGP Champion 2011 auf Honda" genannt - lustig, dass er in diesem Bild noch auf einer feuerroten Ducati fährt. ;) Linke Hand zum Gruß! :)
2.
der.letzte.dodo 07.04.2012
Was schafft eigentlich so eine Renn-125er an Spitzengeschwindigkeit? Weiss das jemand?
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***bis 2001: 500ccm-Klasse, seit 2002: MotoGP

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