Eklat in der MotoGP Rossi schiebt Konkurrent Márquez von der Strecke

Aufruhr in der MotoGP: Serienweltmeister Valentino Rossi hat den Spanier Marc Márquez nach einem harten Zweikampf von der Strecke gestoßen. Der Italiener bestreitet Absicht - und wurde trotzdem bestraft. Das könnte ihn nun den WM-Titel kosten.

MotoGP-Fahrer Rossi (l.), Márquez: "Mein Fuß ist abgerutscht"
AFP

MotoGP-Fahrer Rossi (l.), Márquez: "Mein Fuß ist abgerutscht"


MotoGP-Rennfahrer Valentino Rossi hat mit einer rücksichtslosen Attacke gegen Konkurrent Marc Márquez womöglich seinen schon sicher geglaubten zehnten WM-Titel verspielt. Beim vorletzten Rennen der Saison in Malaysia verlor der italienische Yamaha-Pilot in einem langen und harten Zweikampf die Nerven und beförderte seinen spanischen Rivalen Márquez in der siebten Runde mit einem Schubser von der Strecke. Für Márquez war das Rennen damit beendet, Rossi wurde Dritter.

"Er hat mich gestoßen, das war ein Angriff", sagte der Honda-Fahrer Márquez. Rossi hingegen beschuldigte den Spanier, den Zusammenstoß provoziert zu haben. "Ich habe ihm keinen Fußtritt versetzt. Sein Lenker hat meinen Fuß berührt und mein Fuß ist abgerutscht. Ein Bike fällt nicht durch eine einfache Berührung um." Auf Videoaufnahmen ist jedoch deutlich zu sehen, dass Rossi sein linkes Bein ausstellte und damit Márquez von der Strecke beförderte.

Dieser hatte Rossi jedoch zuvor deutlich sichtbar aufgehalten und immer wieder ausgebremst. "Er fuhr, nur um mir im Weg zu stehen. Ich habe sogar den Verdacht, dass er auf der Geraden das Gas nicht voll aufgedreht hat", sagte Rossi anschließend.

Titelkonkurrenz Lorenzo könnte profitieren

Die Rennleitung sanktionierte den 36 Jahre alten Rossi nach stundenlanger Diskussion mit drei Strafpunkten. Da er bereits einen auf seinem Konto hat, muss er laut Reglement nun im Saisonfinale am 8. November in Valencia vom letzten Platz aus starten. Rossis Team Yamaha legte umgehend Berufung gegen das Urteil ein.

Von einer möglichen Bestrafung könnte nun der Spanier Jorge Lorenzo auf Yamaha profitieren. Sein Rückstand als WM-Zweiter auf Rossi schrumpfte auf sieben Punkte zusammen. Sollte Lorenzo in Valencia gewinnen, müsste Rossi Zweiter werden, um doch noch seine erste WM-Krone seit 2009 zu erhalten.

Rossi sagte dazu nach dem Rennen: "Márquez hat seinen Kampf gewonnen. Er hat dafür gesorgt, dass ich die Weltmeisterschaft verliere." Bereits bei der Pressekonferenz vor dem Rennen hatte Rossi Márquez vorgeworfen, ihn beim vergangenen Rennen in Australien bewusst blockiert und damit Lorenzo bevorteilt zu haben. Márquez wies das weit von sich. Der 22-Jährige sagte auch nach dem Malaysia-Rennen, "dass dieser Vorfall keinen Einfluss auf das Valencia-Rennen" habe.

Für den möglichen Nutznießer Lorenzo war die Strafe gegen den drittplatzierten Rossi hingegen sogar zu mild. "Wir haben den Respekt vor ihm als Sportler verloren. Valentino sollte so viele Punkte wie Marc bekommen. Es ist unfair. Er hat nur aufgrund seines großen Namens keine härtere Strafe bekommen."

bka/sid/dpa

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insgesamt 67 Beiträge
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Leser161 25.10.2015
1. Auf den ersten Blick
Auf den ersten Blick haut der Marquez seine Schulter in den Rossi rein und fliegt dann plötzlich weg. Wenn man nochmal guckt sieht man das Rossi mit einem Tritt auf den Stoss reagiert. Ja keine Ahnung. Die haben Experten die das besser wissen als ich. Aber ich finde man sollte sich gegen unfaire Attacken wehren dürfen. Das ist Motorsport und kein Ich-halte-auch-die-andere-Wange-hin-Battle.
w.diverso 25.10.2015
2. Auch wenn der Kniestoß absolut unnötig war
und auch geahndet gehört, würde auch Márquez eine Strafe gebühren. So wie er gefühlte zwanzigmal Rossi am letzten Drücker überholt hat, in einer Art, dass der mehrfach nur mit Mühe einen Sturz vermeiden konnte, hätte auch Márquez der eine oder andere Strafpunkt gebührt. Es war ziemlich offensichtlich, dass Márquez Rossi behindern oder aufhalten wollte. Ob das war, um Lorenzo zu helfen, oder ob er sich nur über Rossi wegen dessen Vorwürfen geärgert hat und sich dafür revanchieren wollte, ist unklar. Aber zumindest hat Márquez jetzt gesehen, dass er nicht mit jedem alles machen kann. In Zukunft ist er hoffentlich etwas zurückhaltender.
unhappy_truth 25.10.2015
3. Welch Glückes Geschick tirili...
Endlich ist der Spiegel geneigt, auch anderen Sport wahrzunehmen als Fußball und die langweilige Formel 1! Gerade in der F1 wird jeder Quadratzentimeter von deutschen Fahrern mit Werbung deutscher Firmen "bepflastert". Und die deutschen Fahrer in einer Rennserie mit MEHR Action und Spannung...sie fahren mit der Werbung spanischer Unternehmen "durch die Gegend". Denn sie haben, im Gegensatz zu anderen Teams, ein Problem: Gleichviel Talent, aber deutlich weniger finanzielle Unterstützung. Die Firmen suchen doch nach spektakulären Events sich dynamisch und outstanding darzustellen. Da ist sie, die Chance. Spanien macht es vor...
unhappy_truth 25.10.2015
4. P.s.
Marquez ist erwachsen geworden! M. E. er aber FALSCH gelernt. Das was man früher seinem jugendlichen Ungestüm zugeschrieben hat und toleriert hat, ist nach der Erkenntnis, dass die Konkurrenten lernwillig und -fähig sind, einem "Behinderungs-Fahrstil" gewichen. Nach dem Motto: "Wenn ich nicht gewinnen kann, mache ich Euch das Leben schwerer sls nötig!". Das die anderen sich dies nicht kommentarlos gefallen lassen ist eindeutig. Auch Marquez hat sich zu ähnlichen Aktionen hinreißen lassen, die ungeahndet blieben. "Willkommen in der Welt der Großen!"
uzsjgb 25.10.2015
5.
Zitat von unhappy_truthEndlich ist der Spiegel geneigt, auch anderen Sport wahrzunehmen als Fußball und die langweilige Formel 1! Gerade in der F1 wird jeder Quadratzentimeter von deutschen Fahrern mit Werbung deutscher Firmen "bepflastert". Und die deutschen Fahrer in einer Rennserie mit MEHR Action und Spannung...sie fahren mit der Werbung spanischer Unternehmen "durch die Gegend". Denn sie haben, im Gegensatz zu anderen Teams, ein Problem: Gleichviel Talent, aber deutlich weniger finanzielle Unterstützung. Die Firmen suchen doch nach spektakulären Events sich dynamisch und outstanding darzustellen. Da ist sie, die Chance. Spanien macht es vor...
Nein, nicht wirklich. Es wird ja weniger der Sport wahrgenommen, als der "Skandal". Über Randsportarten wird ja meistens nur berichtet, wenn dort etwas außergewöhnliches passiert. Z.B. über amerikanischen Motorsport nur, wenn es dort schwere Unfälle gibt. Am Sport an sich hat Spiegel wenig bis kein Interesse.
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