Von Christian Paul
Casey Stoner hat sich ausgeruht, ein paar Freunde besucht und nur ab und zu einmal trainiert. Im sonnigen Kalifornien genoss der Australier die etwa zweiwöchige Sommerpause der MotoGP. Jetzt richtet der Honda-Pilot eine Kampfansage an die Konkurrenz. "Ich fühle mich entspannt und bereit für die zweite Saisonhälfte", sagte der Gesamtführende motorsport-total.com. Sein großer Konkurrent um den Titel, Vorjahressieger Jorge Lorenzo (Yamaha), antwortete prompt. "Nach der Sommerpause kommen wir erholt und kampfbereit zurück nach Brünn, um den Abstand auf Casey zu verringern", sagte der Spanier vor dem Großen Preis in Tschechien (Sonntag, 14 Uhr) speedweek.de.
Mit dem insgesamt zehnten Saisonlauf geht die WM in die entscheidende Phase. SPIEGEL ONLINE berichtet ab sofort live über die Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft. Der neue Liveticker in der linken Spalte informiert sie über jedes Rennen, Sie verpassen keine Minute. Kann Stoner Lorenzo auf Distanz halten? Oder mischt sogar Andrea Dovizioso (Honda), derzeit Dritter im Klassement, noch einmal mit?
Beim bisher letzten Saisonrennen in Laguna Seca (USA) kam Stoner als erster ins Ziel, mit mehr als fünf Sekunden vor dem zweitplatzierten Lorenzo (24). Der Australier baute seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf 20 Punkte aus. Doch Verfolger Lorenzo fühlt sich in Brünn traditionell wohl. "Dies ist eine Strecke, die ich sehr mag, ich habe dort letztes Jahr gewonnen. Ich hoffe, wir können die zweite Hälfte der Saison auf dem Podium einläuten", sagte der Spanier.
Rossi doktert an der Ducati herum
Mit dem Podium dürfte Motorrad-Superstar Valentino Rossi auch in Tschechien nichts zu tun haben. Der Italiener hat als Fünfter der Gesamtwertung bereits 85 Punkte Rückstand auf die Spitze. Monate nach seinem Wechsel von Yamaha zum italienischen Hersteller Ducati ist kaum noch etwas von der anfänglichen Freude über die vermeintliche "Traumehe" übrig. Die Beziehung zwischen der Diva (Ducati) und dem "Doctor" (Rossi) steckt längst in der Krise. Der 32-Jährige versteht seine Maschine nicht.
"Die Ducati ist anders als die Motorräder, die ich bisher hatte. Ich muss meinen Fahrstil anpassen, um schneller zu sein", sagte er der "Bild"-Zeitung. Trotzdem gibt er sich vor dem Tschechien-Grand Prix optimistisch. "Brünn ist etwas ganz Besonderes, hier konnte ich meine erste Pole-Position, meinen ersten Sieg und meinen ersten WM-Titel holen", sagt der neunfache Weltmeister, der in dieser Saison aber noch kein Rennen gewinnen konnte.
Bradls Aufstieg sehr wahrscheinlich
Der Nachfolger von Stoner bekommt die als schwierig geltende Ducati nicht in den Griff. Und das, obwohl Rossi zwischen 2004 und 2010 aus der kaum konkurrenzfähigen Yamaha eine Siegermaschine gemacht und vier Weltmeistertitel geholt hatte. Während der Italiener in dieser Saison hinterherfährt, ist es ausgerechnet sein Vorgänger bei Ducati, der in Tschechien vor seinem sechsten Saisonsieg steht: Stoner.
Er könnte 2012 Konkurrenz aus Deutschland bekommen. Es ist möglich, dass Stefan Bradl in Brünn seinen erwarteten Wechsel in die MotoGP vermeldet. "Neuigkeiten gibt es. Ob die Entscheidung an diesem Wochenende fällt, weiß ich allerdings noch nicht. Die Chancen, dass wir mit Stefan eine Saison MotoGP machen, stehen sehr, sehr gut", sagte Bradls Teambesitzer Stefan Kiefer Sport1.
Der Moto2-Pilot, der seinem ersten WM-Titel entgegensieht, führt bereits seit längerem Gespräche mit potentiellen Maschinenlieferanten. "Der Gang in die MotoGP ist ein logischer Schritt. Ich habe das Potential", sagte Bradl, der am Wochenende vor etwa 150.000 Zuschauern seinen fünften Saisonsieg holen will.
Kommt sein Wechsel zustande, dürfte er sich sofort auf ein Motorrad mit 1000 Kubikzentimetern schwingen. Die Erhöhung des Hubraums (derzeit 800 Kubikzentimeter) zur neuen MotoGP-Saison hat der Motorradweltverband Fim beschlossen. Mehrere Teams wollen nach dem Grand Prix in Brünn an den Maschinen für das nächste Jahr testen.
Mit Material von dpa
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