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Motorsport-Skandal

Gegner an die Bremse gefasst - Team schmeißt Fahrer raus

Der italienische Motorradfahrer Romano Fenati hatte seinem Rivalen an die Bremse gegriffen - bei 200 Stundenkilometern. Zunächst wurde er überraschend milde bestraft, dann reagierte sein Team.

imago/Buzzi

Romano Fenati

Montag, 10.09.2018   12:44 Uhr

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Moto2-Pilot Romano Fenati ist für seinen Griff an die Bremse von Stefano Manzi mit einer Sperre von zwei Rennen bestraft worden. Der 22-jährige Italiener hatte seinen Landsmann am Sonntag beim Grand Prix von San Marino in Misano in Lebensgefahr gebracht, als er bei einer Geschwindigkeit von rund 200 Kilometern pro Stunde die Vorderradbremse seines Rivalen zog. Manzi nannte die Aktion "unverzeihlich".

Fenatis aktuelles Team Marinelli Snipers gab unterdessen bekannt, den Vertrag mit dem Fahrer umgehend aufzulösen. "Dafür gibt es keine Entschuldigung", schrieb es in einem Statement. Fenatis verantwortungsloses Verhalten habe "das Leben eines anderen Fahrers aufs Spiel gesetzt."

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Auch Giovanni Castiglioni, Chef von MV Agusta, hat sich zu Wort gemeldet. Seine Firma wird in der kommenden Saison Motorenpartner von Forward, dem Team dem sich Fenati eigentlich ab 2019 anschließen soll. Castiglioni kündigte nun jedoch an, sich persönlich darum zu kümmern, das dieses Engagement nicht zustande kommen wird. "Das ist das Schlimmste und Traurigste, was ich jemals in einem Motorradrennen gesehen habe. Wahre Sportsmänner würden sich niemals so benehmen", sagte der Erbe des legendären Claudio Castiglioni. "Wenn ich Renn-Promoter Dorna wäre, würde ich ihn für den Wettbewerb sperren."

"Ich wünschte, es wäre alles nur ein böser Traum"

Namhafte Piloten hatten harte Strafen gefordert. "Er sollte nie wieder ein Motorrad fahren dürfen", sagte der Brite Cal Crutchlow, der im MotoGP-Rennen in Misano Dritter geworden war. "Das Team hätte ihn sofort aus der Box werfen sollen. Man darf einem anderen Rennfahrer so etwas nicht antun, denn wir riskieren hier ohnehin schon unser Leben." Der spanische MotoGP-Fahrer Pol Espargaro sprach von einer "Schande", so etwas dürfe ein Rennfahrer "niemals tun".

Hier können Sie die Szene im Video sehen:

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Fenati war unmittelbar nach seiner Aktion mit der schwarzen Flagge aus dem Rennen geholt worden. Die Rennleitung stufte den Zwischenfall als "verantwortungslose Fahrweise" ein.

Der Fahrer zeigte sich immerhin reumütig. "Ich entschuldige mich bei der Sportwelt", ließ er mitteilen: "Heute morgen bin ich mit klarem Kopf aufgewacht und wünschte, es wäre alles nur ein böser Traum." Die Aktion sei "schändlich" gewesen, "ich war kein Mann. Ein Mann hätte das Rennen beendet, um anschließend zur Rennleitung zu gehen."

Fenati hatte bereits vor zwei Jahren für Schlagzeilen gesorgt, als er während des Rennens im österreichischen Spielberg von Valentino Rossi aus dem Moto3-Team geworfen wurde. Insider berichteten, dass es damals innerhalb des Teams zu Handgreiflichkeiten gekommen sei.

bka/dpa

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