Motorradsport: Weltmeister Bradl träumt vom Aufstieg in die MotoGP

Klappt es jetzt doch mit dem Wechsel in die Königsklasse? Stefan Bradls Testfahrten auf einem MotoGP-Motorrad waren erfolgreich, sein Vater verkündete bereits den Ausstieg seines Sohnes aus der Moto2-Klasse. Der war bei seinem möglichen neuen Team allerdings nicht die erste Wahl.

Motorradpilot Bradl: "Jetzt muss ich erstmal schauen, dass wir etwas unterzeichnen" Zur Großansicht
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Motorradpilot Bradl: "Jetzt muss ich erstmal schauen, dass wir etwas unterzeichnen"

Hamburg - Eigentlich war alles klar. Stefan Bradl, gerade erst Weltmeister in der Moto2-Klasse geworden, fährt auch in der nächsten Saison nicht in der MotoGP, der Königsklasse im Motorradsport. "Ich habe mich bereits mit einer weiteren Moto2-Saison abgefunden und bin nicht traurig darüber", sagte der Pilot des Kiefer-Racing-Teams dem Fachmagazin "Speedweek". Das war Ende September.

Jetzt, etwa sechs Wochen später, klingt der 21-jährige Deutsche plötzlich ganz anders. "Ich glaube, wir werden in naher Zukunft zusammenarbeiten", sagte Bradl bei Sport1 und meint das LCR-Team, ein MotoGP-Team, das mit Honda-Maschinen fährt. Als "Belohnung für die Leistungen während der Saison", so Honda Racing auf seiner Web-Seite, hatte Bradl am Dienstag und Mittwoch im spanischen Valencia die MotoGP-Maschine getestet. Mit großem Erfolg.

Bradl, der erste deutsche Motorrad-Weltmeister seit 18 Jahren, fehlte beim ersten Test weniger als eine halbe Sekunde auf die Zeit des italienischen Serienweltmeisters Valentino Rossi, der die abgelaufene Saison auf seiner Ducati allerdings auf einem enttäuschenden siebten Rang in der Gesamtwertung beendet hatte. Das LCR-Team äußerte sich positiv über die Chancen einer Beschäftigung des Deutschen: "Ich hoffe, es wird sehr bald eine Entscheidung geben", sagte Livio Suppo, der Sportdirektor von Honda.

Und Vater Helmut Bradl betonte gegenüber dem Sport-Informations-Dienst: "Es ist klar, dass er bei Kiefer nicht mehr fährt. Er wird im nächsten Jahr MotoGP fahren." Innerhalb der nächsten "acht bis vierzehn Tage" soll laut Helmut Bradl der neue Vertrag unterschrieben sein, wohl beim LCR-Team.

Im Sommer erfolglos verhandelt

Bradl selbst ist überzeugt von dem "Top-Niveau" des Teams. Sollte es zu einer Unterschrift kommen, wäre sein Engagement bei Kiefer, seinem bisherigen Team in der Moto2-Klasse, zu Ende. Dort wollte er eigentlich auch 2012 fahren. "Ich habe ein Ein-Mann-Team mit gutem Budget. Ich verlange aber, dass dieses Geld richtig investiert wird und sich Kiefer - im schlechtesten Fall - wie ein Vizeweltmeister-Team präsentiert", sagte Bradl im Oktober.

Grund für die eigentlich schon beschlossene Abkehr vom MotoGP-Traum waren finanzielle Probleme. Ein Aufstieg in die MotoGP kostet viel Geld, der Rennbetrieb ist weit kostspieliger als in der Moto2. Kiefer konnte dieses Risiko nicht eingehen, Bradl konnte bisher keine ernsthaften Interessenten vorweisen. Das hat sich nun geändert.

Denn der eigentliche Top-Kandidat des LCR-Teams für die neue Saison, der Spanier Alvaro Bautista, hat inzwischen bei Honda-Gresini unterschrieben und nimmt dort den Platz des tödlich verunglückten Marco Simoncelli ein. Und so hat Bradl bei LCR-Teamchef Lucio Cecchinello plötzlich eine neue Chance. Bereits im Sommer hatten Bradl und sein Vater Helmut mit LCR verhandelt, jedoch erfolglos.

Bradl wäre der erste deutsche Pilot in der Königsklasse seit Alex Hofmann (2007), der in der MotoGP aber keine großen Erfolge einfahren konnte. Jetzt steht Bradl vor dem Sprung in die wichtigste WM-Serie des Motorradsports. In Valencia fuhr er die Maschine von Toni Elias. Der hatte im Vorjahr die Weltmeisterschaft in der Moto2 geholt und war daraufhin von LCR-Teamchef Cecchinello für die MotoGP verpflichtet worden. Nach nur einer Saison trennte sich Cecchinello wieder von Elias. Der Spanier fuhr die gesamte Saison nur hinterher.

chp/dapd/sid

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1. MotoGP
mw33 10.11.2011
Tja, wäre schön wenn es klappen würde, allerdings steht das Elias-Schicksal im Raum. Auf der anderen Seite, in der Moto2 wäre alles andere als die Verteidigung ds WM-Titels 2012 eine Niederlage und würde ihn schwer zurückwerfen.
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*bis 2012: 125 ccm, seit 2012: Moto3 **bis 2009: 250ccm-Klasse, seit 2010: Moto2 ***bis 2001: 500ccm-Klasse, seit 2002: MotoGP

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1967 Hans Georg Anscheidt (50 ccm)
1966 Hans Georg Anscheidt (50 ccm)
1962 Ernst Degner (50 ccm)
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1954 Werner Haas (250 ccm)
1953 Werner Haas (125 und 250 ccm)