Gescheiterte Mount-Everest-Besteigung Berg bezwingt Olympiasiegerin

Die Midlife-Crisis hatte Bahnrad-Olympiasiegerin Victoria Pendleton auf eine waghalsige Mission getrieben. 2448 Höhenmeter vorm Ziel musste die 37-Jährige ihre Mount-Everest-Expedition nun abbrechen.

Victoria Pendleton (Archivbild, London 2012)
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Victoria Pendleton (Archivbild, London 2012)


Den höchsten Berg der Welt besteigen, nicht weniger als das hatte sich die zweimalige Bahnrad-Olympiasiegerin Victoria Pendleton vorgenommen. Doch die 37-jährige Britin musste ihre Mount-Everest-Expedition in 6400 Metern Höhe abbrechen.

"Ich bin unglaublich enttäuscht, die Herausforderung nicht zu Ende zu bringen", schrieb Pendleton auf Instagram. Aufgrund der guten Wetterbedingungen wäre ein schneller Aufstieg zum 8848 Meter hohen Gipfel möglich gewesen, ihr Körper habe sich aber nicht entsprechend an die Bedingungen anpassen können.

Eine Midlife-Crisis sei wahrscheinlich der Grund für diese anspruchsvolle Expedition, hatte Pendleton gesagt, bevor sie Mitte April nach Lukla in Nepal aufgebrochen war. Nach ersten Trainingstouren zur Akklimatisierung war Pendleton am 20. April am Everest Base Camp angekommen, wo sie sich nach einigen Tagen plötzlich unwohl fühlte. "So sehr, dass ich einen leichten Sauerstofffluss nötig hatte, der die ganze Nacht hindurch fortgesetzt wurde", schrieb sie. "Ich bin frustriert, weil ich in einer guten Verfassung war."

Unfortunately after much deliberation I have decided not to continue my endeavour to summit Mount Everest. The weather conditions have offered the possibility of an early summit bid, as a consequence I have been unable to adhere to the prescribed rotation program and keep pace with the team without causing concern regarding my health at the higher camps, due to my lack of adaptation to the extreme altitude. I am incredibly disappointed not to complete the challenge and frustrated as I feel in great physical condition and was moving swiftly and efficiently through the icefall and across the glacier, at no point did I feel this was a weakness in the challenge. Whilst we were working and moving I was really positive and comfortable. Unfortunately when we were recovering in camp in the afternoon, relaxing with a resting heart rate with a less active breathing pattern, I started to feel quite unwell and felt my body was going into shut down and the oxygen saturation of my blood was very low. So much so that I required a light flow of oxygen that continued throughout the night. My condition caused much concern to Kenton and distressed the team. Kenton felt it was perhaps more sensible for me not to continue, for the sake of my health and wellbeing. I took his advice and called an end to my summit bid. I am extremely grateful for this opportunity to have experience one of the the most impressive, imposing and challenging environments on the planet, the Himalayas are a magical place I feel honoured to have visited. I hope that I may continue to support the @britishredcross and their fundraising and thank @anythingispossible.world for this incredible experience. I also wish @benfogle and @kentoncool all the very best of luck in their summit bid! I have 100% faith, thanks to @fishercreative for the photo x

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Pendleton ist es nicht gewohnt zu verlieren. "Queen Victoria", wie sie in ihrer Heimat genannt wird, gehört zu den erfolgreichsten britischen Bahnradsportlerinnen. Neben ihren zwei Olympiasiegen im Sprint 2008 und im Keirin 2012 holte Pendleton auch neun Weltmeistertitel. Nur drei Fahrerinnen, darunter Kristina Vogel, haben mehr geholt. Seit ihrem Karriereende nach den Olympischen Spielen in London 2012 versucht sich Pendleton als Amateur-Jockey - und vielleicht in ein paar Jahren erneut als Bezwingerin des Mount Everest.

sak/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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hegoat 05.05.2018
1.
Auf den Everest steigt man nicht "mal eben", nur weil man eine MidlifeCrisis hat. Mitllerweile gibt es aber genug Idioten mit zu viel Geld, die glauben, der Everest wäre noch ein weiterer cooler Haken im Lebenslauf. Da oben sind schon mehrere hundert Menschen gestorben; die meisten, weil sie ihre Fähigkeiten heillos über- und die Gefahr des Berges unterschätzt haben. Diese Frau kann froh sein, dass sie 2000 m unterm Gipfel abgebrochen hat und nicht weiter oben gestorben ist. Mein Mitleid für Sie hält sich daher in engen Grenzen.
AnnaLena77 05.05.2018
2.
Man sollte die Frau als positives Beispiel herausstellen. Klar ist sowas nach viel Vorbereitung eine Enttäuschung. Aber sie hat die Enttäuschung ihrem Ego und einem möglichem Tod vorgezogen und sie hat eine persönliche Grenze erkannt und erfahren. Dem gehört Respekt gezollt. Immerhin war sie 2000m näher am Gipfel als die meisten Menschen je sein werden.
Wiedereinaussteiger 05.05.2018
3.
6.400 Meter... Das heißt, sie ist gerade mal durch den Khumbu-Eisbruch ins Western Cwm aufgestiegen, dort dann war Ende. Für mich riecht das danach, dass sie überehrgeizig war und schon auf dem Anmarsch ab Lukhla sich nicht die nötige Zeit zum Adaptieren an die Höhe gegönnt hat. Dann hängt man in der Konsequenz bei 5.300 Metern im Base Camp, es geht einem einfach nur dreckig..., aber die Blöße, nochmal wieder nach Gorak Shep oder tiefer abzusteigen, um dann mit Maß und Geduld und Spucke nochmal aufzusteigen, die gibt man sich nicht. Näää, wird schon wieder, muss schon. ... So ist dann spätestens über dem Eisbruch Endegelände. Du kannst es nicht vorher richtig wissen, wie dein Körper auf extreme Höhe reagiert. Aber was am Everest fast sicher in die Irre führt, ist dieser notorische Über-Ehrgeiz von Leistungssportlern, die immer schon "groß" darin waren, Alarmsignale des Körpers zu überhören. Ich behaupte mal, dass jeder vernünftige (...) Mensch, auch ein minder sportlich trainierter, der auf den Everest will und das mit einer der namhaften Expeditionsgesellschaften macht (Sherpa-Betreuung, Sauerstoff) , es mindestens bis in die Lhotse-Flanke (7.300), meist auch auf den Südsattel (8.000 ==> 7.910) schafft, dorthin dann mit Flaschensauerstoff. Insofern hat sie auch noch richtig Glück gehabt, so früh den Besteigungsversuch abzubrechen. Denn bist du erstmal hoch in der Flanke oder oben auf dem Südsattel..., dann wollen sie auch fast alle hart und notorisch ganz herauf - und DAS ist dann giga gefährlich. Hinterher gehörst zu den bisher 288 Toten. Blöd, wenn es beim Abstieg passiert. Weil du dann keinem vom Gipel erzählt hast. Noch blöder, wenn du es nichtmal herauf schafftest und vorher erschöpft in einer Passage klebst, in der dir da oben keiner mehr helfen kann. Fast noch blöder ist, wenn du weder oben warst noch auf dem Weg runter zu Tode kamst, aber schwer verletzt bist und den Rest deines Lebens z.B. nach Erfrierungen ohne Hände lebst - siehe Beck Weathers, texanischer Arzt. 65.000 USD gezahlt, und als Schwerverletzter runtergekommen.
Außendienst_09 05.05.2018
4. Falsche Vorbereitung
Kommentar N°3 kann ich mich komplett anschließen. Genau dieses Verhalten bringt leider den Alpinismus in Verruf, zum Glück hat sie rechtzeitig abgebrochen und keine Träger in Gefahr gebracht. Das ist aber auch das Einzige was sie richtig gemacht hat... Sie ist laut Artikel Mitte April in Lukla gelandet und dann war sie am 20.04. im Basecamp. Also ist sie direkt durchgelaufen (geschätzt 4-5 Tage) ohne sich um die Höhenanpassung zu kümmern. Auf dem Hinweg hätte sie sich viel mehr Zeit lassen müssen, ein paar nette Seitentrails laufen (es lohnt sich: Gigantische Landschaften, tolle Menschen, der Weg ist hier das Ziel!) - und vor allem LANGSAM gehen... Alles andere ist entweder naiv oder zeugt von mangelnder Beschäftigung mit der Materie gepaart mit Überheblichkeit. Anschließend muss sie nicht nur einmal durch den Kumbu-Eisbruch, sondern immer wieder zur Anpassung ein bisschen Auf- und wieder Absteigen, auch dagegen spricht die kurze Zeit (2 Wochen im Basecamp bis zur geplanten Gipfelbesteigung). Ein wenig mehr Demut vor dem Berg würde ihr gut tun. Letztlich muss aber noch angemerkt werden, dass durch die Aussage "2448 Höhenmeter vor dem ZIel" der Eindruck entstehen könnte, sie wäre "nah dran" gewesen. Im Gegenteil, sie war noch Lichtjahre davon entfernt - 2448 Höhenmeter sind nicht dasselbe ob ich von einer Basis Meereshöhe oder 6400 Höhenmetern ausgehe. Wenn ich bei so einem anspruchsvollen Projekt schon bei 6400 Höhenmetern künstlichen Sauerstoff benötige, habe ich entweder die Höhenanpassung nicht ordnungsgemäß durchgeführt (mangelnde Fitness scheidet wohl aus), oder mein Körper kann sich einfach nicht gut an die Höhe anpassen (dann sollte man es einfach in Zukunft lassen)...
wallaceby 05.05.2018
5. Na und...?!
Zum Glück ein weiterer Mensch, der nicht völlig unnötig und gaga von Sherpas und mit exorbitantem Materialaufwand auf den höchsten Berg der Welt gehievt werden muss! Der massenhafte Mount Everest-Tourismus, der am eindringlichsten immer wieder von den wirklich verdienten Bergbezwingern wie Reinhold Messner in schärfsten Tönen kritisiert wird, ist absolut abstoßend! Eine Vermüllung ersten Grades in diesem gesamten Gebiet der Basis-Lagers und auf den Pfaden zum Gipfel, dazu links und rechts des Weges die vielen toten Menschen, die mittlerweile als Eismumien auf dem Weg nach "oben warnen", die es irgenwann einmal ebenfalls als "Expeditionsteilnehmer" nicht bis zum Gipfel und dann auch nicht mal mehr nach Hause geschafft haben. Es ist einfach nur noch ein abstoßender Erlebniskonsum-Wahnsinn, der hier mit diesem "Everest-Wirtschaftszweig" um sich gegriffen hat, und wo nur noch das Geld zählt mit dem man sich den Aufstieg erkauft! Diese "Selbstverwirklichung", die in vielen Fällen vermutlich auch nur aus "Image-Gründen" dieser meistens nur Pseudo-Bergsteiger und ach so "beruflich erfolgreichen Leader-Figuren"erfolgt, ist so überflüssig wie ein Kropf, und sollte bis auf das nötigste "eingedampft" werden! Dass es dann ab und zu sogar eine austrainierte Spitzenathletin wegen Sauerstoffmangels nicht mal bis auf 7000 Meter schafft, ist dann auch nur eine Ironie des Ganzen.
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