Dopingbeichten deutscher Radprofis: Die späte Erkenntnis der Sünder

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Ex-Profi Jaksche: Geständnis im SPIEGEL-Interview

Gedopt, gelogen, gestanden: Der ehemalige Gerolsteiner-Profi Stefan Schumacher hat in einem Gespräch mit dem SPIEGEL Doping zugegeben. Er ist aber nicht der erste deutsche Radsportler, der ein Geständnis ablegt.

Hamburg - Radprofi Stefan Schumacher hat im SPIEGEL erstmals eingeräumt, systematisch gedopt zu haben. Schon mit Anfang 20 habe der heute 31 Jahre alte Rennfahrer damit begonnen, sich Spritzen zu setzen. "Ich habe Epo genommen, auch Wachstumshormon und Kortikosteroide", sagte Schumacher. Der Sportler hat seinen ehemaligen Rennstallchef Hans-Michael Holczer während seiner Zeit beim Team Gerolsteiner der Mitwisserschaft beschuldigt.

Dopingbeichten sind nicht neu im deutschen Radsport: Schon vor Stefan Schumacher haben ehemalige Profis zugegeben, während ihrer Karriere mit illegalen Substanzen betrogen zu haben. Die wenigsten konnten anschließend im Profiradsport weiterarbeiten.

Mai 2007: Bert Dietz ist der erste ehemalige Telekom-Profi, der Epo-Doping in den 90er Jahren gesteht. Die Beichte von Dietz belastet auch das gesamte Team um Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich schwer. Dietz vertreibt jetzt Radsportkleidung.

Mai 2007: Wenige Tage nach Dietz' Auftritt im Fernsehen folgen Rolf Aldag und Erik Zabel, der tränenreich Dopingpraktiken einräumt. Udo Bölts und Christian Henn geben Doping zu, wählen allerdings nicht wie Aldag und Zabel die große TV-Bühne der ARD. Aldag ist inzwischen im Management des belgischen Tony-Martin-Rennstalls Omega-Quickstep tätig, Zabel als Sportlicher Leiter im russischen Team Katusha. Bölts betreut Touristikfahrer in Radsportcamps.

Juli 2007: In einem SPIEGEL-Interview folgt auch Teamkollege Jörg Jaksche nur wenige Wochen später dem Beispiel seiner einstigen Teamkollegen. Er gab umfänglich systematisches Blutdoping und Kontakte zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes zu. Jaksche kommt in den Genuss der Kronzeugenregelung, die seine Strafe vermindert. Nach seiner Beichte scheitern alle Versuche, im Radsport wieder Fuß zu fassen. Jaksche, der Betriebswirtschaft studiert, engagiert sich nach der Armstrong-Beichte 2013 auch in der Bewegung Change Cycling Now für einen neuen Radsport.

November 2007: Der frühere T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz beichtet im SPIEGEL und der ZDF-Sendung "Aktuelles Sportstudio" Doping. Der ehemalige Gewinner der Deutschland-Tour gibt zu, sich zu Beginn der Tour de France 2006 einer Bluttransfusion in der Uni-Klinik Freiburg unterzogen zu haben. Der Hesse fährt nun im drittklassigen kroatischen Meridiana-Kamen-Team.

joe/dpa

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1. Voigte, du alter Fuchs ...
auch noch 29.03.2013
... siehst du nicht den prima Windschatten vor dir?
2. Wie bei der Mafia,
egowehner 29.03.2013
erst suendigen, und wenn die Knete im Beutel ist, zur Beichte gehen. Das hat schon immer funktioniert - bester Schlaf garantiert.
3. Nicht nur... alle Spitzen(Rad)Sportler haben gedopt...
helmutderschmidt 29.03.2013
Zitat von sysopGedopt, gelogen, gestanden: Der ehemalige Gerolsteiner-Profi Stefan Schumacher hat in einem Gespräch mit dem SPIEGEL Doping zugegeben. Er ist aber nicht der erste deutsche Radsportler, der ein Geständnis ablegt. Nach Schumacher-Geständnis: Dopingbeichten von deutschen Profis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/nach-schumacher-gestaendnis-dopingbeichten-von-deutschen-profis-a-891716.html)
Nicht nur... alle Spitzen(Rad)Sportler haben gedopt, oder dopen immer noch. Alle SpitzenSportler dopen oder werden gedopt. Woher soll sonst die übermenschliche Leistungsfähigkeit kommen... woher ???
4. Tja,
ralf wagner 30.03.2013
das ist natürlich für eine soeben geoutete Couchpotato außerhalb jeglicher Vorstellungskraft ...
5. Hat man vergessen,
derandersdenkende 30.03.2013
Zitat von sysopGedopt, gelogen, gestanden: Der ehemalige Gerolsteiner-Profi Stefan Schumacher hat in einem Gespräch mit dem SPIEGEL Doping zugegeben. Er ist aber nicht der erste deutsche Radsportler, der ein Geständnis ablegt. Nach Schumacher-Geständnis: Dopingbeichten von deutschen Profis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/nach-schumacher-gestaendnis-dopingbeichten-von-deutschen-profis-a-891716.html)
daß der damals zuständige Sportminister Herr Schäuble vor jeglichen Geständnissen unter Androhung schlimmster Konsequenzen gewarnt hatte. Es ging um die Reinhaltung eines Saustalles mit fatalen Folgen. Hätte man vor vielen Jahren die Sache in Angriff genommen, wären wir heute wesentlich weiter. So ehrt jede Offenbarung den Offenbarer und ist ein Schlag ins Gesicht der verantwortlichen Funktionäre. Und daran, daß die Schläge vorzugsweise von Radsportlern erteilt werden, daran kann ich nun wirklich nichts Negatives finden. Sie sind zur Erkenntnis gekommen, daß Doping auch Existenzbedrohung bedeuten kann. Eine Erkenntnis die man dringendst auch Dopern anderer Sportarten ans Herz legen sollte. Und man sollte weitere Förderung nicht vom Wohlwollen ehemaliger Dopingfunktionäre abhängig machen, die sich damit womöglich das weitere schlimme Schweigen sichern wollen!
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