Bach-Nachfolge beim DOSB Das ungeregelte Erbe

Mit der Wahl von Thomas Bach zum IOC-Präsidenten wird auch das Amt des obersten deutschen Sportfunktionärs frei. Wer Bachs Nachfolge als Boss des DOSB antritt, ist völlig offen. Die möglichen Bewerber spielen auf Zeit. Aber genau die hat der Sport nicht.

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Thomas Bach ist gerade frisch gewählt, da wird schon über seine Nachfolge geredet. Nicht, dass bereits am Stuhl des neu gekürten Chefs des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gesägt würde. Das wäre selbst für IOC-Verhältnisse mit ihren bekannten Intrigen und Machtkämpfen ein unübliches Tempo. Es geht vielmehr um den Posten des obersten Sportfunktionärs in Deutschland. Bach muss nach der Wahl von Buenos Aires sein Amt als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zur Verfügung stellen und wird dies wohl am kommenden Montag auch offiziell tun. Wer ihn beerbt, ist derzeit aber noch vollkommen offen.

Bach, der Netzwerker, der Machtspieler, wäre nicht er selbst, wenn es nicht bereits von ihm angeschobene Überlegungen gäbe, die Nachfolge in seinem Sinne zu regeln. Aber offiziell waren alle Spekulationen darüber bis zur IOC-Wahl tabu. Als der Verbandspräsident der Modernen Fünfkämpfer, Klaus Schormann, im Juni eine solche Debatte schon einmal anregte, wurde er schnell zurückgepfiffen.

Offiziell wird Bach am kommenden Montag die Amtsgeschäfte zunächst an seinen Vizepräsidenten Hans-Peter Krämer übergeben. Krämer hat allerdings schon deutlich gemacht, dass er sich nur als Interims-Präsident versteht. Der im Präsidium für Wirtschaft und Finanzen zuständige ehemalige Banker ist 72 Jahre alt und hat keinerlei Ambitionen auf den Chefsessel.

Thiel, Weiss, Vesper werden gehandelt

Da gibt es andere, deren Namen regelmäßig ins Gespräch gebracht werden. Zum Beispiel der von Christa Thiel, bislang eine der Stellvertreterinnen Bachs. Die Vorsitzende des Deutschen Schwimm-Verbandes ist eine erfahrene Funktionärin und hat schon mehrfach durchblicken lassen, dass sie das oberste Amt reizen könnte.

Thiel hat sich, auch das gehört zu einer geschickten Wahlkampfführung, offiziell noch nicht bekannt und nach Bachs Wahl lediglich mitgeteilt, die Kandidatenfrage stelle sich momentan nicht. Das ist ohnehin die Linie, auf der sich die möglichen Bewerber bewegen. So auch Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes. Ihm wird der Ehrgeiz für höhere Aufgaben nachgesagt. Zu entlocken ist dem 50-Jährigen derzeit aber nur: "Wir müssen in Ruhe diskutieren, wer in die Fußstapfen von Thomas Bach tritt. Diese sind riesengroß."

Lust auf das Ausfüllen der Fußstapfen hätte wohl auch Michael Vesper. Der ehemalige Grünen-Politiker hat sich in seinem Amt des DOSB-Generalsekretärs als treuer Vasall Bachs erwiesen. Wenn es Angriffe aus der Politik gab, zum Beispiel bei der Anti-Doping-Strategie des deutschen Sports, ist es Vesper, der in der Öffentlichkeit die Interessen des DOSB vertritt. Vesper bringt einen ausgeprägten Machtinstinkt aus der Politik mit. Er verfügt zudem über die nötige Anpassungsfähigkeit, im Sportausschuss des Bundestages leistet er sich mit Vorliebe Wortgefechte mit seiner grünen Parteifreundin Viola von Cramon.

Wahl könnte erst im Dezember 2014 fallen

Wenn Vesper DOSB-Chef werden sollte, müsste er allerdings auf sein großzügiges Gehalt als Generalsekretär, das auf 250.000 Euro im Jahr geschätzt wird, verzichten. Der Job des Präsidenten ist ein Ehrenamt.

Derzeit wird auf Zeit gespielt, es gibt sogar die Möglichkeit, dass Krämer den Verband bis zum Dezember 2014 führt. Erst dann endet offiziell die Legislaturperiode des DOSB-Präsidenten. Ob sich der deutsche Sport allerdings so ein langes Interregnum erlauben kann, ist zweifelhaft. Die Vorbereitungen für die nächste mögliche Olympiabewerbung Münchens für die Winterspiele 2022 müssen vorangetrieben werden. Mit Oslo hat sich schon ein potenter Mitbewerber ins Rennen gebracht.

Zudem fällt die Wachablösung an der DOSB-Spitze in einen Zeitraum, in der in der Öffentlichkeit intensiv über Doping in der alten Bundesrepublik diskutiert wird. Der Verband hat die entsprechende Studie dazu zwar selbst in Auftrag gegeben, sich mit den Ergebnissen der Forscher der Berliner Humboldt-Universität allerdings nicht besonders glücklich gezeigt.

Die Debatte hat den vom DOSB gewünschten internen Schutzraum längst verlassen. Statt als Aufklärer dazustehen, wie es sich der DOSB vorgestellt hatte, tauchten plötzlich unangenehme Fragen zur Rolle des westdeutschen Sports auf. Fragen, die auch Bach als einen klassischen Funktionär aus der Kultur der alten Bundesrepublik in die Defensive brachten.

Seitdem hat die Politik ihren Ruf nach einem Anti-Doping-Gesetz verstärkt. Bach galt stets als Gegner eines solchen Gesetzes, das dem Sport aus seiner Sicht das Heft des Handelns aus der Hand nimmt. Ein Nachfolger wird sich auch hier früh positionieren müssen.

"Wenn Bach IOC-Chef wird, hätte das zumindest den großen Vorteil, dass wir dann einen neuen DOSB-Boss bekommen", hatte Leichtathletik-Star Robert Harting schon vor Monaten geätzt. Tatsächlich war Bach in seinem Amt wenig präsent, zu sehr mit seinen internationalen Ambitionen befasst. Bach betrachtete sein Amt als Machtbasis, um seine IOC-Ziele zu verfolgen. Das wird sich ändern. Der neue Chef des DOSB wird sich wieder mehr um den deutschen Sport kümmern. Arbeit wartet genug.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
hallo??? 11.09.2013
1. jaja, die politik....
ruft also verstärkt nach einem anti-doping-gesetz. wer würde wohl die ganzen nonsens-sportarten, bei denen deutschland olympisch erfolgreich ist, zb sämtliche arten von paddelbotfahren, noch betreiben, wenn man im falle erwischt zu werden unter umständen knast riskiert? schließlich geht bekanntlich dort auch nix ohne doping. was machen die mit dopingforschung beschäftigten mediziner in unseren vielen unikliniken? vielleicht zukünftig etwas, das dem volk nutz, statt nur öffentlichkeitsgeilen politikern? wohin mit dem ganzen vorproduzierten maschierpulver?
Lankoron 11.09.2013
2. Also 2 Bewerber
von Verbänden, die dort nicht gebracht haben...kaum Medaillen, riesige Nachwuchsprobleme..und auch der dritte ist kein Aufklärer. Wird wohl dabei bleiben: kein Dopinggesetz, kein Aufklären, ausserdem der böse Osten, wo selbst die Kinder zum Töpchengehen uberwacht und gedopt worden gegen den sauberen Westen, der nichtmal seine Vitaminspritzen angesehen hat. Bravo deutscher Sport...weiter so.
nabitte 11.09.2013
3. @hallo?
mit welchem Recht legen Sie den wohl fest, welche sportart nonsens ist und welche nicht? auf die kriterien wäre ich ja gespannt, befürchte jedoch, dass Sie nicht mehr als ihren sog. ?gesunden Menschenverstand? zu Grunde legen. vom kanu- und Rudersport haben Sie jedenfalls erkennbar keine Ahnung. wäre es da nicht klüger, stille zu sein?
BettyB. 11.09.2013
4. Auf der Erfolgswelle...
Wie wäre es mit Westerwelle. Auch FDP...
rolf.piper 11.09.2013
5. Könnten Sie endlich
mal das Abstimmungsergebnis von der Bach-Wahl öffentlich machen, das andere hier ist sowas von gleichgültig. Danke!
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