Nachwuchs-Olympia in Singapur Mögen die Jüngsten gewinnen

Die Olympischen Spiele sind das Weltfest der Jugend - gewesen. Denn jetzt hat sich das IOC ein neues Spektakel überlegt: Olympische Jugendspiele. In Singapur gibt es ab sofort wie bei den Großen Flaggen, Hymnen, Medaillen. Und natürlich Dopingtests.

AP

Von Frieder Schilling


Die alten Männer haben die Jugend entdeckt. Die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees um Präsident Jacques Rogge, 68, wollen Heranwachsende wieder für die Leichtathletik, das Kunstturnen und Gewichtheben begeistern - und haben dafür die Olympischen Jugendspiele ins Leben gerufen.

Dass eigentlich die Olympischen Spiele selbst die "Treffen der Jugend der Welt" sein sollen und es dort zuhauf Teilnehmer unter 18 gibt - egal. Zwölf Tage lang sollen sich ab Samstag in Singapur 3600 Jugendliche zwischen 14 und 18 miteinander messen, aus allen 205 Nationalen Olympischen Komitees.

2001 hatte Rogge die Idee zu den Nachwuchsspielen, 2007 entschieden die Mitglieder des IOC in Guatemala-Stadt einstimmig, die Vision des Präsidenten wahr werden zu lassen. Alle vier Jahre finden nun Sommerspiele statt, alle vier Jahre Winterspiele.

Zusätzlich zu den Wettkämpfen in allen 26 olympischen Sportarten (siehe Tabelle) hat sich das IOC ein Kultur- und Erziehungsprogramm ausgedacht, will die Begegnung unter den Jugendlichen fördern, ihnen die olympischen Werte vermitteln. Auch aus diesem Grund müssen die Teilnehmer über den gesamten Zeitraum da sein, das IOC zahlt für alle Transport und Unterkunft.

Das erinnert von der Symbolik her ein bisschen an die DDR-Serie "Mach mit, mach's nach, mach's besser", bei der zwei Schulen in einer Mischung aus Wettkampf und Pfadfinderübungen gegeneinander antraten. Ulf Tippelt, Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Chef de Mission des deutschen Teams für Singapur, spricht von "Angeboten in Campform, in denen man Herausforderungen im Team bewältigen soll, beispielweise ein Floß bauen". Er vergleicht den außersportlichen Teil "durchaus mit einem Pfadfindercamp". Parallel dazu "gibt es Dinge wie Medientraining, insgesamt mehr als 50 Angebote".

Rogge wollte keine Hymnen, Podien und Flaggen

Bestimmt eine gute Idee. Ob es allerdings Jugendlichen, die seit Jahren auf hohem Niveau trainieren, gleichermaßen um die Begegnung wie um die Goldmedaille geht, kann man anzweifeln. Speziell in Ländern wie China oder Russland, wo letztlich nur Leistung honoriert wird, spielen die olympischen Werte keine so große Rolle. Außerdem drohen die jungen Sportler nun noch früher unter Leistungsdruck zu geraten.

Auch deshalb wollte IOC-Präsident Rogge keinerlei nationale Hymnen, Flaggen, Podien oder einen Medaillenspiegel. Doch er konnte sich intern damit nicht durchsetzen. Was Tippelt gut findet: "Ich denke, bei einer solchen internationalen Veranstaltung, wo es um Spitzensport geht, gehören diese Dinge dazu." Was auch er ablehnt, ist ein Medaillenspiegel. Im deutschen Team wird es keinerlei "Belohnung" für jedwedes Edelmetall geben, sagt Tippelt.

Internationale Wettkämpfe und interne Ranglisten als Qualifikationskriterien

Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes, findet es gut, dass die Wettkämpfe "nicht auf das große Medaillenzählen angelegt sind". Der Funktionär gehörte vor einigen Jahren noch zu den Kritikern der Spiele. Er sah "eine völlige Parallelität zu den Olympischen Spielen". Damals, sagt er SPIEGEL ONLINE, war er der Auffassung, "das würde die jungen Menschen völlig überfordern". Doch die Teilnehmerzahl wurde verringert, und das stimmte Brechtken um. Jetzt stehe die Begegnung im Mittelpunkt. Er habe trotzdem darum gebeten, "dass man es sauber und kritisch beobachtet".

70 Jugendliche schickt der DOSB nach Singapur, in 20 der 26 Sportarten starten deutsche Teilnehmer, die meisten (16) in der Leichtathletik. "Die Qualifikation erfolgte in jedem Verband nach eigenen Kriterien", sagt Tippelt. Dazu zählten internationale Wettkämpfe genauso wie interne Ranglisten. Im Deutschen Leichtathletik-Verband zum Beispiel war "einzig und allein die Kontinentalausscheidung in Moskau ausschlaggebend". Harte Kriterien, die an die US-Trials bei den erwachsenen Sportlern erinnern.

Unter solch einem Druck ist Doping immer eine Versuchung. Während der Spiele in Singapur soll es nach IOC-Angaben 1300 Tests geben. Der große Teil der deutschen Teilnehmer an den Jugendspielen war laut Tippelt schon in einem nationalen Testprogramm registriert, alle anderen sind direkt nach ihrer Berufung aufgenommen worden.

Nur neun von 70 deutschen Teilnehmern wurden 2010 getestet

Man sei mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) im Gespräch gewesen, dass alle 70 Teilnehmer zumindest einmal vor den Spielen getestet würden. Dies ist aber nicht geschehen, sagt Nada-Sprecher Berthold Mertes SPIEGEL ONLINE: "Von den 70 deutschen Starterinnen und Startern wurden 2010 bislang neun Athletinnen und Athleten kontrolliert." Weil die meisten der jungen Sportler im sogenannten Allgemeinen Testpool sind, in dem pro Jahr rund 30 von 100 Personen kontrolliert werden, entspricht dies dem Durchschnitt.

Mit Doping beschäftigt man sich im IOC sowieso eher ungern - stattdessen präsentiert man sich lieber modern. Zum Beispiel mit einem neuen Wettkampfformat im Basketball, das jugendlich daherkommen soll. Es wird die sogenannte 33er-Version gespielt, drei gegen drei, auf einen Korb. Gewonnen hat, wer zuerst 33 Punkte hat oder nach Ablauf der Zeit vorne liegt.

Außerdem haben die Organisatoren in einigen Sportarten geschlechtergemischte Staffeln und Wettkämpfe ins Programm gehoben. Und auch nationenübergreifende Teams soll es geben, so im Pferdesport und Fechten. Klingt jedoch eher nach Trostrunden. Auch IOC-Vizepräsident Thomas Bach sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", er hätte sich "für die erste Ausgabe der Jugendspiele noch mehr Innovation vorstellen können".

Zumindest die Berichterstattung soll es sein. Eigenerstellte Videos sollen bei YouTube zu sehen sein, auch Facebook will man einbeziehen. Im deutschen Fernsehen dagegen wird es wenige Bilder zu sehen geben. Auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage teilte die ARD mit, es werde lediglich "eine nachrichtliche Berichterstattung" geben. Das ZDF will in verschiedenen Sportsendungen und den Sportblöcken seiner Nachrichtensendungen auf die Spiele in Singapur eingehen. Der Spartensender Eurosport plant gar keine Übertragung.



insgesamt 3 Beiträge
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kaitou1412 14.08.2010
1. vmctvrsudjfhuz
Was zum mehr Geld machen, aha. Warum nicht alle einen Olympischen Monat in Wettkämpfe schicken: Athleten, Behinderte und Jugend. Synergieeffekte wären da, was vor allem positiv für die behinderten Athleten wäre. So!
langenscheidt 14.08.2010
2. Mir macht man nix vor
Olympische Werte den Kindern vermitteln? Diese Spiele sind profitable Geldeinnahmequellen des IOC. Die Vermarktung dieser "olympischen-Werte-Vermittlungs-Spiele" wird viel Geld in das IOC spülen.
paoloDeG 14.08.2010
3. Mens sana in Corpore sano !
Mens sana in Corpore sano bis vor wenigen Jahrzehnten als Inschrift in vielen gymnasialen Turnhallen hängenden Worte sollen praktiziert werden !
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