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Nationale Anti-Doping-Agentur der USA: Anklage gegen Armstrong

Nun ist es offiziell: Der siebenmalige Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong wird von der nationalen Anti-Doping-Agentur der USA angeklagt. Bereits vor zwei Wochen waren schwere Vorwürfe gegen den Ex-Radstar erhoben worden, die Armstrong bestreitet.

Ehemaliger Radprofi Armstrong: Ärger mit der nationalen Anti-Doping-Agentur der USA Zur Großansicht
AP

Ehemaliger Radprofi Armstrong: Ärger mit der nationalen Anti-Doping-Agentur der USA

Hamburg - Die nationale Anti-Doping-Agentur der USA (Usada) will Anklage gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong erheben. Das teilte die Organisation am Freitag mit. Die Usada folgte damit der Empfehlung einer dreiköpfigen Kommission, die die Dopinganschuldigungen gegen den 40-Jährigen und die Beweise für mögliche Vergehen geprüft hatte. Armstrong hat nun die Möglichkeit, vor einem Schiedsgericht Stellung zu beziehen und sich zu verteidigen.

Die Anti-Doping-Agentur hatte vor zwei Wochen schwere Vorwürfe gegen den Ex-Radstar erhoben. In einem 15 Seiten umfassenden Schreiben hatte sie ihn darüber informiert, dass mutmaßliche Dopingproben von ihm aus den Jahren 2009 und 2010 "vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulationen, inklusive Epo und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden."

Als erste Konsequenz hatte die USADA Armstrong sofort für alle Wettbewerbe gesperrt. Er darf daher auch nicht an Triathlonrennen, seinem neuen Betätigungsfeld, teilnehmen. Sollten sich die Vorwürfe gegen Armstrong bestätigen, könnte er seine sieben Tour-Titel verlieren.

Armstrong hat bislang alle Dopingvorwürfe bestritten und nannte die USADA-Anschuldigungen "zweifelhaft". Unter den weiteren beschuldigten Personen ist auch der aktuelle sportliche Leiter vom Team RadioShack und langjährige Armstrong-Vertraute, Johan Bruyneel. Er hat wegen der neuerlichen Vorwürfe auf seine Teilnahme an der am Samstag beginnenden Tour de France verzichtet. Auch er hatte alle Punkte zurückgewiesen.

jar/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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1. optional
n-less 30.06.2012
Na endlich. Jan Ullrich hat währenddessen schon angekündigt, dass er die drei TdF-Siege, die er dadurch erben könnte, nicht haben will.
2. das lässt hoffen....
robertusk 30.06.2012
....dass der größte Betrüger in der Geschichte des Radsports endlich überführt wird. Leid täte es mir nicht, ist doch Mr Armstrong einer der unsympathischsten in der Branche....
3.
dickerulle 30.06.2012
Jetzt, wo die Tour anfängt, kriechen die ganzen "Dopingjäger" aus ihren Löchern. Das ganze Jahr den Mund gehalten, aber die 3 Wochen im Juli nutzen, um den Radsport weiter kaputt zu machen. Hamilton und Landis als verurteilte Dopingsünder als heiße Eisen im Prozess. Dafür konnte man ihnen wieder Glaubwürdigkeit verleihen, oder was? Das ist ja so, als würde man Guttenberg in einen Promotionsausschuss berufen...
4. War doch klar !!
morpholyte 30.06.2012
Zitat von sysopAPNun ist es offiziell: Der siebenmalige Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong wird von der nationalen Anti Doping-Agentur der USA angeklagt. Bereits vor zwei Wochen waren schwere Vorwürfe gegen den Ex-Radstar erhoben worden, die Armstrong bestreitet. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,841827,00.html
Wer sich die Tour anschaut, damals wie heute, dem muß doch klar sein, dass die ALLE dopen. Niemand ist auf legalem Wege in der lage zwei Wochen lang diese extremen physischen Leistungen zu erbringen. Schon die Kalorienaufnahme mittels Infusion zeugt doch davon, dass hier die Grenze des menschlich machbaren schon lange überschritten sind. Es gibt wohl neben Gewichtheben, Kugelstoßen und anderen Kraftsportarten keinen dreckigeren Sport wie Radfahren.
5. Radsport liebe ich!
denkdochmal 30.06.2012
Doch wenn ich an diesen Herrn denke, bin ich sicher, daß er zu denen gehört, die diesen schönen Sport in Mißkredit gebracht haben. Nie vergesse ich die Tour, bei der er an einem Tag am Berg fast gestorben wäre - so mein Eindruck - und am nächsten Tag wie mit einem Rakenenzäpfchen ausgestattet den Berg hoch raste. Ist doch normal, oder vielleicht doch nicht???
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Kampf gegen Doping
Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.
Welt-Anti-Doping-Programm
Der Welt-Anti-Doping-Codex löste 2004 den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen im selben Jahr auch für die Olympischen Spiele. Das Programm besteht aus drei Ebenen: 1. Welt-Anti-Doping-Code (WADC), 2. Vier Internationale Standards, 3. Erarbeitungen von Empfehlungen für die bestmögliche praktische Umsetzung durch Anti-Doping-Organisationen und Verbände.
Welt-Anti-Doping-Code (WADC)
Der Welt-Anti-Doping-Code wurde erstmalig im Jahre 2003 verabschiedet und ist das Basisdokument des Welt-Anti-Doping-Programms. 2004 traten das Programm und der Codex in Kraft. Der überarbeitete Welt-Anti-Doping-Code ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Er vereinheitlicht Regeln und Verfahren, die bisher von Land zu Land und von Sportart zu Sportart verschieden waren und regelt die Verantwortlichkeiten der einzelnen Interessengruppen. Der Code stellt keine Definition des Dopings mehr auf, sondern bezeichnet Doping als einen Verstoß gegen nachfolgende Bestimmungen: Nachweis oder Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode, Verweigerung einer Dopingkontrolle und Verletzung der Informationspflicht über den Aufenthaltsort sowie Verfälschung einer Dopingkontrolle und Besitz oder Handel von Substanzen durch einen Athleten oder sein Umfeld.
Internationale Standards
Sie ergänzen die Anforderungen des Codes durch nähere Beschreibungen und sollen dazu beitragen, national übergreifend einheitliche Formen für die Anti-Doping-Arbeit zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die Dopingliste, die Dopingkontrolle Dopinglabors und Ausnahmebewilligungen für Medikamente.
Verbotene Substanzen
Die Dopingliste gilt weltweit und wird durch eine spezielle Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erstellt. Sie wird jedes Jahr erneuert und tritt jeweils am 1. Januar in Kraft. Auf der Liste werden nur Wirkstoffe und Methoden veröffentlicht, die mindestens zwei von drei Kriterien entsprechen: Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat der Wirkstoff oder die Methode das Potential zur Leistungssteigerung im Sport. Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen besitzt der Wirkstoff oder die Methode ein aktuelles oder potentielles Gesundheitsrisiko. Gemäß Wada verstößt die Anwendung des Wirkstoffs oder der Methode gegen die Ethik im Sport. Zu den verbotenen Substanzklassen, die teilweise ganz oder nur im Wettkampf verboten sind, gehören: 1. Alkohol, 2. Anabolika , 3. Antiöstrogene , 4. Beta-2-Agonisten , 5. Betablocker , 6. Cannabinoide (Cannabis, Haschisch, Marihuana) , 7. Glucocorticoide , 8. Hormone , 9. Maskierende Substanzen und Diuretika , 10. Narkotika , 11. Stimulanzien . Für Alkohol und Betablocker gibt es in einigen Sportarten Ausnahmen, sie werden nicht von allen internationalen Sportverbänden verboten.
Verbotene Methoden
Seit dem 1. Januar 2003 werden die verbotenen Dopingmethoden genauer beschrieben und in drei Kategorien unterteilt: 1. Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff ( Blutdoping ), 2. chemische und physikalische Manipulation, 3. Gendoping . Die Anwendung verbotener Methoden ist innnerhalb als auch außerhalb des Wettkampfs verboten.
Kontrollregularien

Für Athletinnen und Athleten bestehen je nach Leistungsniveau unterschiedliche Bestimmungen zu der obligatorischen Meldepflicht. Die Ein-Stunden-Regelung verpflichtet bestimmte Athleten für jeden Tag eine Stunde zu benennen, in der sie für eine mögliche Dopingkontrolle zur Verfügung stehen. Die genaue Stunde muss jeweils am Ende eines Quartals für die nächsten drei Monate im Voraus benannt werden, darf aber innerhalb von 24 Stunden verändert und aktualisiert werden. Wird der Athlet in dieser Stunde vom Kontrolleur nicht am benannten Ort angetroffen, wird ein sogenannter Strike für das Kontrollversäumnis ausgesprochen. Wenn ein Sportler innerhalb von 18 Monaten drei Verwarnungen kassiert hat, muss er mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren rechnen. Strikes von verschiedenen Organisationen ( Wada , Nada sowie zuständigem internationalem Verband) werden addiert.

Die Ein-Stunden-Regelung wird durch die Angabe von Aufenthaltsdaten zum Ende eines Quartals für jeden Tag der darauffolgenden drei Monate ergänzt. Wird ein Athlet bei einer Stichprobe nicht am angegebenen Ort angetroffen, kann ebenfalls ein Strike erteilt werden. Mannschaftssportler aus gering gefährdeten Sportarten werden in Mannschafts-Whereabouts getestet. Dafür melden die Vereine der Nada die Trainingspläne der Mannschaft.

Aufgrund des seit Beginn 2009 gültigen neuen Nada-Codes werden Athleten je nach Risikobewertung der Agentur für Doping in drei unterschiedliche Testpools eingeordnet und unterliegen verschiedenen Meldepflichten: Im International Registered Testing Pool (RTP) sind rund 1400 Athleten zusammengefasst, zu denen A-Kader und A-Nationalteams der Sportarten der Gefährdungsstufe I gehören. Sie müssen nicht nur bis zum 25. des Vormonats Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit für ein Quartal machen, sondern auch die Ein-Stunden-Regelung beachten. Im Nationalen Testpool (NTP) für Kader-Athleten der Gefährdungsstufe II und III gilt diese Regel nicht. Alle anderen Athleten werden im Allgemeinen Testpool (ATP) zusammengefasst.


Die Sieger der Tour de France
Jahr Sieger Land
2015 Chris Froome Großbritannien
2014 Vincenzo Nibali Italien
2013 Chris Froome Großbritannien
2012 Bradley Wiggins Großbritannien
2011 Cadel Evans Australien
2010 Andy Schleck Luxemburg
2009 Alberto Contador Spanien
2008 Carlos Sastre Spanien
2007 Alberto Contador Spanien
2006 Óscar Pereiro Spanien
2005 Lance Armstrong* USA
2004 Lance Armstrong* USA
2003 Lance Armstrong* USA
2002 Lance Armstrong* USA
2001 Lance Armstrong* USA
2000 Lance Armstrong * USA
*Aberkannt

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