Nationale Special Olympics: Münchner Impuls

5000 Sportler, rund 25.000 Zuschauer: Die nationalen Special Olympics haben laut Veranstalter neue Dimensionen erreicht. Dabei stand weniger das Ereignis selbst im Vordergrund als eine dauerhafte Verbesserung der Integration von Menschen mit geistiger Behinderung.

Judoka Herdrich (rechts): Einer von 5000 Sportlern bei den Special Olympics Zur Großansicht
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Judoka Herdrich (rechts): Einer von 5000 Sportlern bei den Special Olympics

Hamburg - 5000 Sportler und rund 25.000 Zuschauer haben für erfolgreiche nationale Special Olympics in München gesorgt. Die Wettkämpfe für Menschen mit geistiger Behinderung in 19 Sportarten erreichte laut Veranstatler neue Dimensionen hinsichtlich Teilnehmerzahl, politischer Unterstützung und medialer Aufmerksamkeit erreicht.

Für die deutsche Special Olympics Bewegung (SOD) ging es aber "nicht nur um das Event an sich, sondern um die Nachhaltigkeit", sagte SOD-Präsident Gernot Mittler: "Die Spiele sollen einen Impuls geben." Die Bewegung erhofft sich eine dauerhafte Verbesserung der Integration von Menschen mit geistiger Behinderung. Neben klassischen Disziplinen wie Fußball, Basketball, Leichtathletik oder Badminton standen für die Teilnehmer auch Wettbewerbe wie Boccia, Bowling oder Rollerskating auf dem Programm. Anders als bei Olympischen Spielen gibt es bei den Special Olympics mehrere Goldmedaillen pro Disziplin. In sogenannten Klassifizierungswettbewerben werden die Athleten in verschiedene Leistungsgruppen eingeteilt.

Einer, der stellvertretend für die gelungen Spiele in München steht, ist Daniel Herdrich. Der 42 Jahre alte Judoka hat das Down-Syndrom und ist seit der Gründung der Special Olympics Deutschland 1991 dabei. Judo macht er, seit er neun ist. "Ich habe viel trainiert", sagte Herdrich, nachdem er seinen Kontrahenten im ersten Endrundenkampf innerhalb von zehn Sekunden auf den Rücken geworfen hatte: "Der Gegner war überrascht."

Gauck war begeistert

Bei der Siegerehrung animierte er dann das Publikum zur La-ola-Welle. Zuvor hatte er Andreas Tölzer, Deutschlands Judo-Hoffnungsträger bei den Olympischen Sommerspielen in London, nach der Medaillen-Übergabe auf die Wange geküsst. Für einen großen Moment hatte auch Markus Hinterbrandner, Torhüter der Spielgemeinschaft Pilding/Ruhpolding, noch vor dem Start der Special Olympics gesorgt.

Beim Eröffnungsfestakt im Alten Rathaus am Montag hatte er vor der Polit-Prominenz um Bundespräsident Joachim Gauck, Ministerpräsident Horst Seehofer, und Oberbürgermeister Christian Ude auf seiner Gitarre ein Lied gespielt. Kurz darauf hatte Gauck ihm gedankt: "Lieber Markus, Sie haben uns das Herz weit gemacht." Der 72-Jährige sagte weiter, "wir sind hierhergekommen und dachten, Sie können nur Sport, aber Sie können auch Kunst - und das ist so schön."

Für die bundesweiten Sommer- und Winterspiele der Special Olympics können sich die Sportler über Vorentscheidungen auf Landesebene qualifizieren. Ein Teil der Athleten darf sogar bei den Weltspielen mitmachen. Die nächsten deutschen Winterspiele finden im Januar 2013 in Garmisch-Partenkirchen statt, weltweit geht es ebenfalls Anfang 2013 mit den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang und 2015 mit den Sommerspiele in Los Angeles weiter.

max/dpa

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1. Sehr gut!
veritas31 26.05.2012
Ich finde es klasse, dass man Menschen mit diesen Behinderungen solche Aufmerksamkeit zukommen lässt. Da sieht man noch richtige Freude und Enthusiasmus für den Sport - bei vielen "normalen" geht es doch mittlerweile nur noch um Selbstdarstellung und Geld. Meine Hochachtung vor den Sportlern, Trainern und allen Verantwortlichen...weiter so!
2.
Jens Schuetz 26.05.2012
Zitat von veritas31Ich finde es klasse, dass man Menschen mit diesen Behinderungen solche Aufmerksamkeit zukommen lässt. Da sieht man noch richtige Freude und Enthusiasmus für den Sport - bei vielen "normalen" geht es doch mittlerweile nur noch um Selbstdarstellung und Geld. Meine Hochachtung vor den Sportlern, Trainern und allen Verantwortlichen...weiter so!
Es gibt Millionen von Sportlern in Deutschland. Jetzt bitte nicht den verzerrten Blick der Medien uebernehmen. Die berichten meist nur ueber einige wenige hundert Top Sportler. Den wirklichen Millionen von "normalen" geht es fast nie ums Geld. Mit unseren durschnittlichen "normalen" Leistungen koennen wir uns auch kaum Selbstdarstellen. Auf jeden Fall viel weniger als die Spitzenathleten der Olympiaden und Paraolympiaden....
3. Aber Sie dürfen die Special Olympics...
lensenpensen 26.05.2012
Zitat von Jens SchuetzEs gibt Millionen von Sportlern in Deutschland. Jetzt bitte nicht den verzerrten Blick der Medien uebernehmen. Die berichten meist nur ueber einige wenige hundert Top Sportler. Den wirklichen Millionen von "normalen" geht es fast nie ums Geld. Mit unseren durschnittlichen "normalen" Leistungen koennen wir uns auch kaum Selbstdarstellen. Auf jeden Fall viel weniger als die Spitzenathleten der Olympiaden und Paraolympiaden....
nicht mit den Paraolympiaden verwechseln. Das sind zwei verschiedene Schuhe. Das Sportgespräch im Deutschlandfunk vom vergangenen Sonntag war da sehr erhellend. Bei den Specialolympics treten auch nur Amateure an. Es gibt kein Geld vom Bund, da kein Spitzensport betrieben wird, und auch Preisgelder für die Sportler gibt es nicht. Ebensowenig werden Eintrittsgelder verlangt. Somit ist diese Sportveranstaltung nicht durchkommerzialisiert und entspricht sehr stark dem von Ihnen zu Recht in den Vordergrund gestellten "Sport der Normalen", dem Breitensport eben.
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