Die Karriere von Darko Milicic begann äußerst vielversprechend. Als Teenager beim kleinen serbischen Verein KK Hemofarm Vrsac wuchs er zum Top-Talent heran, in der legendären Draft von 2003 wurde er schon an Position zwei ausgewählt. Die Detroit Pistons sicherten sich seine Dienste noch vor den heutigen Superstars Carmelo Anthony, Chris Bosh und Dwyane Wade.
Fast zehn Jahre, fünf NBA-Stationen und viele Witze über seine Person später ist Milicic ganz unten angekommen. Von einem der meistgehypten europäischen Spieler zum Opfer der Amnestie-Klausel. Diese gibt jedem Team die Möglichkeit, einen Spieler zu entlassen, um so das Gehaltsvolumen zu senken. Das ist im Hinblick auf den Salary Cap wichtig. Das Gehalt muss zwar weitergezahlt werden - zählt aber nicht mehr zum Gesamt-Etat des Clubs.
Dass es nun ausgerechnet das einstige Top-Talent Milicic trifft, der noch keinen neuen Club hat und vor dem NBA-Aus steht, wirft Fragen auf: Wie kam es dazu? Wer trägt die Schuld? Ist Milicic eine maßlose Enttäuschung? Oder hat er selbst Grund dazu, maßlos enttäuscht zu sein?
Coach Brown ließ Milicic bei den Pistons auf der Bank versauern
Im Vorfeld der Draft 2003 waren sich alle Experten einig: Milicic ist ein Top-Five-Pick. Er ist kein weicher Spieler aus Europa, kein verkappter Nowitzki-Klon, der in der rauen NBA-Welt das eigene filigrane Spiel nicht gewinnbringend einsetzen kann. Milicic ist hart, trifft trotzdem den Sprungwurf, blockt Würfe, ist schnell, verfügt über solide Fußarbeit sowie gute Bewegungen in Grundliniennähe.
Detroit wollte Milicic zunächst entwickeln, von den Veteranen Ben und Rasheed Wallace sollte er das NBA-Handwerk lernen. Eigentlich ein guter Plan, doch Coach Larry Brown hatte weder Zeit noch Lust, junge Spieler zu fördern. Er wollte die Meisterschaft 2004 gewinnen, was auch gelang. Für Milicic waren die Ambitionen seines Trainers jedoch Gift: Brown ließ den 18-Jährigen meist auf der Bank. Während seiner Zeit in Detroit stand Milicic nur 5,7 Minuten pro Partie auf dem Feld und erzielte 1,5 Punkte im Schnitt.
Besser lief es nach seinem Wechsel 2006 zu den Orlando Magic. In seiner ersten kompletten Saison brachte es Milicic in knapp 24 Minuten auf acht Punkte pro Spiel. In der Hoffnung, Milicic sei ein Spätentwickler, verpflichteten die Memphis Grizzlies den Free Agent 2007. Dort durfte Milicic 64 Spiele starten, verlor dann aber seinen Platz an Marc Gasol.
Milicic fiel anschließend immerwieder durch mangelndes Engagement und eine schlechte Einstellung auf. Der Serbe wirkte verbittert. Er schimpfte gegen Schiedsrichter und zerriss sich im Spiel gegen die Houston Rockets sein Trikot. Es dauerte nicht lange, bis die Grizzlies den Serben ohne Ablöse nach New York abgaben. Acht Monate blieb er auf der Knicks-Bank, bis er nach Minnesota weiterverschifft wurde, wo er seinen Platz an Nikola Pekovic verlor und schließlich amnestiert wurde.
In einem ESPN-Interview hatte Milicic zu Beginn seiner Karriere mit 17 Jahren gesagt, sein Lieblingsspieler sei Kevin Garnett. Besonders bewundere er dessen Intensität und Einsatz. Genau diese Qualitäten konnte Milicic in seiner Karriere nur selten zeigen.
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