NBA-Champion Nowitzki: Die Erfüllung eines Traums
Er ist endlich am Ziel: Dirk Nowitzki hat mit den Dallas Mavericks seinen ersten Titel in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA geholt. Der Superstar der Texaner blieb im Moment seines größten Triumphs dennoch bescheiden - obwohl er gerade deutsche Sportgeschichte geschrieben hatte.
Die Luft in der Kabine der Dallas Mavericks ist alkoholgetränkt, feucht und stickig. Von der linken Seite aus zwängen sich immer mehr Journalisten in den engen Raum. Am anderen Ende, das von einer streng dreinschauenden Security-Dame bewacht wird, sind vereinzelte Jubelschreie zu hören. Und in der Mitte gibt es das erste Ergebnis der spontanen Meisterfeier. Auf einem Tisch stehen acht Sektkühler, drumherum 26 leere 0,7-Liter-Champagner-Flaschen. Die 20 Paletten Bier sind noch ungeöffnet, aber die Mavericks sind ja auch gerade erst 20 Minuten NBA-Champion - die Nacht ist noch jung.
"Wir sind die Champions der Welt", schreit Dallas' Small Forward Shawn Marion immer wieder, als er sich seinen Weg durch die Menge bahnt. Dirk Nowitzki ist derweil draußen in den Katakomben auf dem Weg in ein kleines Fernsehstudio. "Wir brauchen mehr Alkohol", brüllt der Würzburger, der in seiner rechten Hand eine Champagner-Flasche trägt. Sein blaues Mavericks-Shirt ist bereits alkoholgetränkt, Frisur und Bart ebenso. "Ich habe so hart für diesen Titel gearbeitet", sagt Nowitzki und nimmt einen kräftigen Schluck aus der Pulle.
Während seine Landsleute daheim in Deutschland schlafen oder vor dem Fernseher und Computer mitfiebern, hat Nowitzki in den USA deutsche Sportgeschichte geschrieben. Er selbst würde das natürlich nie so formulieren. Aber Nowitzki ist endgültig in der Liga der deutschen Sport-Denkmäler wie Max Schmeling, Franz Beckenbauer, Michael Schumacher und Steffi Graf angekommen. Er hat eine Leistung vom Format Weltklasse abgeliefert. Sein Spiel in den diesjährigen Playoffs haben Basketball-Legenden wie Earvin "Magic" Johnson und Charles Barkley ins Schwärmen gebracht. Für Mitspieler Tyson Chandler gehören Nowitzkis Auftritte der vergangenen 21 Partien zu "den besten der gesamten NBA-Playoff-Geschichte".
Ein Sehnenriss im linken Mittelfinger konnte ihn ebensowenig stoppen, wie eine fiebrige Erkältung im vierten Spiel gegen die Heat. Miamis Superstars Dwyane Wade und LeBron James haben ihn für seine angebliche Schauspielerei verspottet, Nowitzki hätte es ihnen in der Stunde seines größten Erfolges heimzahlen können. So wie Kobe Bryant, der im Vorjahr nach seinem fünften Titelgewinn mit den Los Angeles Lakers betonte, dass er jetzt einen Meister-Ring mehr als Shaquille O'Neal habe.
Doch Nowitzki präsentiert sich als Champion. "Für dieses Ding habe ich all die vergangenen Jahre gespielt", sagt der Mavericks-Kapitän. All die Allstar-Spiele seien schön, ergänzt er. Aber wenn man in ein bestimmtes Alter komme, alles gesehen habe, dann gehe es nur noch um diesen Ring. In der kommenden Woche wird er noch einmal in Dallas feiern können. Wann die Meisterschaftsparade genau stattfindet, ist allerdings noch offen.
Horoskop hatte Nowitzkis Erfolg vorhergesagt
Als Nowitzki und die Mavericks 2006 erstmals die Chance auf den Titel hatten, verspielten sie diese in Miami. Mit einer 2:0-Führung kamen sie nach Florida und flogen nach drei Niederlagen als angeschlagenes Team ohne Selbstbewusstsein zurück und scheiterten. Es habe so lange gedauert, wieder herzukommen, sagt Nowitzki. Er denkt im Moment der Meisterschaft nicht nur an sich, an die eigene Genugtuung, sondern auch an Jason Terry, neben ihm dem Einzigen aus der Mavericks-Mannschaft von 2006. Und er denkt an Jason Kidd. "Ich freue mich so für Kidd. Er ist ein Krieger, jagt mit seinen 38 Jahren die athletischsten Spieler und macht das großartig", betont Nowitzki, während er auf dem Pressepodium sitzt, das Champions-Basecap lässig auf dem Kopf, die Bill-Russell-Trophy, die er als wertvollster Spieler der Finalserie bekommen hatte, vor ihm.
Diesen Moment hatten die "Dallas Morning News" vorhergesagt. In der Vorberichterstattung recherchierte die Tageszeitung unter www.horoscopes.com, wie Nowitzkis Sterne für diesen Sonntag, dem Tag des sechsten Spiels, stehen würden. "Dein Energie-Level ist hoch und du wirst nicht aufzuhalten sein. Das ist nur fair nach der Arbeit, die du in den vergangenen Monaten geleistet hast. Die Komplimente der anderen nimmst du gerne entgegen", stand dort für den Zwilling.
Dem Steinbock indes wurden Probleme im Zusammenspiel prognostiziert. Nun mag es Zufall sein, dass James und Wade Steinböcke sind. Die angedeuteten Schwierigkeiten indes traten für beide ein. James, der bekanntlich sein Talent nach Miami brachte, um dort endlich Meister zu werden, muss mindestens ein weiteres Jahr ohne Trophäe auskommen. Er erzielte mit 17,8 Punkten pro Partie acht Zähler weniger als noch im Conference-Finale gegen die Chicago Bulls. Das war ein entscheidendes Minus, denn im Schnitt betrug die Differenz zwischen Sieger Dallas und Verlierer Miami 5,66 Punkte.
James traf zwar seine ersten vier Würfe in Partie sechs, erzielte in diesem Spiel mit 21 Zählern die meisten seines Teams; doch wer in diesem Alles-oder-Nichts-Spiel der Heat endlich auf den Durchbruch des "King" gewartet hatte, bekam abermals nur eine "Queen" zu sehen. Er werde in der Sommerpause viel harte Arbeit in sein Einzelspiel investieren, kündigte der 26-Jährige an und versuchte, die Niederlage mathematisch sinnvoll zu erklären. "Ich habe zwei Spiele mehr als in den Finals 2007 (0:4-Niederlage mit den Cleveland Cavaliers gegen die San Antonio Spurs, Anm. d. Red.) gewonnen. Und beim nächsten Mal werde ich hoffentlich zwei mehr als jetzt gewinnen."
Nowitzkis Arithmetik basiert nicht auf Theorie, sondern auf Praxis: 13 Jahre NBA, 1117 Spiele, tausende Stunden Training - und nun endlich der Meistertitel.
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- Montag, 13.06.2011 – 14:30 Uhr
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Miami - Dallas 92:84 (Mi. 01.06.)
Miami - Dallas 93:95 (Fr. 03.06.)
Dallas - Miami 86:88 (Mo. 06.06.)
Dallas - Miami 86:83 (Mi. 08.06.)
Dallas - Miami 112:103 (Fr. 10.06.)
Miami - Dallas 95:105 (Mo. 13.06.)
Modus: Best of seven (in Klammern die Platzierung des Teams in der jeweiligen Conference nach Abschluss der regulären Saison)

| NBA - Meister und MVPs seit 2000 | |||
| Jahr | Team | Season-MVP | Finals-MVP |
| 2013 | ? | L. James | ? |
| 2012 | Miami Heat | L. James | L. James |
| 2011 | Dallas | D. Rose | D. Nowitzki |
| 2010 | LA Lakers | L. James | K. Bryant |
| 2009 | LA Lakers | L. James | K. Bryant |
| 2008 | Boston | K. Bryant | P. Pierce |
| 2007 | San Antonio | D. Nowitzki | T. Parker |
| 2006 | Miami | S. Nash | D. Wade |
| 2005 | San Antonio | S. Nash | T. Duncan |
| 2004 | Detroit | K. Garnett | C. Billups |
| 2003 | San Antonio | T. Duncan | T. Duncan |
| 2002 | LA Lakers | T. Duncan | S. O'Neal |
| 2001 | LA Lakers | A. Iverson | S. O'Neal |
| 2000 | LA Lakers | S. O'Neal | S. O'Neal |
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